Deutsche Rapsschrotexporte sinken 2025/26 um 19 %, während Rapssaatpreise in Europa und der Ukraine fest bleiben. Zentrale Treiber, Fundamentaldaten und Handelsausblick.
Preise
Rapssaatpreise an den wichtigsten Ursprüngen sind insgesamt stabil bis leicht fester. In Odessa (Ukraine) bewegten sich CPT-Notierungen für Standardraps (Qualität 1, <35 mcm) in den vergangenen drei Wochen in einer engen Spanne und liegen aktuell bei rund 0,48 EUR/kg (480 EUR/t), nur geringfügig höher als Mitte Juni. In Kiew und Odessa sind FCA-Preise für Raps mit 42 % Ölgehalt seit Mitte Juni von etwa 0,58 EUR/kg auf 0,51 EUR/kg (510 EUR/t) zurückgegangen, was auf gewissen Erntedruck in den Binnenmärkten hindeutet.
In Westeuropa wird Raps FOB Paris bei etwa 0,70 EUR/kg (700 EUR/t) gehandelt, zuletzt unverändert. Rapseed-Futures an der Euronext liegen bei rund 520–525 EUR/t, etwas über dem Niveau von Anfang Juni und rund 12 % höher als vor einem Jahr. Dies spiegelt feste Crush-Margen und eine anhaltende Nachfrage nach Rapsöl in Nahrungsmitteln und Biodiesel wider.
Angebot & Nachfrage
Die deutschen Rapsschrotexporte erreichten zwischen Juli 2025 und April 2026 nahezu 1,2 Mio. t und lagen damit rund 19 % unter dem Vorjahreszeitraum. Die Niederlande blieben mit 468 Tsd. t Hauptabnehmer, doch auch hier ergab sich ein Rückgang von 21 % im Jahresvergleich. Die Ausfuhren nach Dänemark gingen um 11 % auf gut 160 Tsd. t zurück, während Finnland einen starken Einbruch um 43 % auf 96 Tsd. t verzeichnete.
Außerhalb der EU blieb die Schweiz mit knapp 66 Tsd. t (‑4 % j/j) ein wichtiger Käufer, und die Lieferungen in das Vereinigte Königreich sanken um 26 % auf fast 48 Tsd. t. Teilweise kompensiert wurde dies durch Spanien, wo die Käufe um 64 % auf rund 65 Tsd. t zulegten – jedoch nicht ausreichend, um die Verluste in den Kernmärkten Nordeuropas auszugleichen. Die Exportverlangsamung steht im Zusammenhang mit einer geringeren Verfügbarkeit von Rapsschrot aus Deutschland, einer soliden Inlandsnachfrage im Futtersektor und einer stärkeren Konkurrenz durch alternative Proteinmehle, insbesondere Sojaschrot.
Auf breiter EU-Ebene liegen die Exporte von Ölsaaten und abgeleiteten Produkten leicht über dem Vorjahr; insbesondere die Rapssaatexporte sind gestiegen, wobei das Vereinigte Königreich ein wichtiges Zielland ist. Dies unterstreicht, dass das deutsche Problem spezifisch mit der Schrot-Handelsdynamik zusammenhängt und nicht mit einer generellen Schwäche der Rapsnachfrage.
Fundamentaldaten
Die aktuelle Schwäche der deutschen Rapsschrotexporte spiegelt eine Kombination aus Angebots- und Nachfragefaktoren wider. Auf der Angebotsseite scheinen Ölmühlen die inländischen Futter- und Biokraftstoffketten zu priorisieren, was den exportierbaren Überschuss begrenzt. Dies steht im Einklang mit den festen inländischen Großhandelspreisen für Rapsöl und Rapsschrot in den jüngsten UFOP-Marktberichten sowie mit dem positiven Margenumfeld, das sich in den Euronext-Futures widerspiegelt.
Auf der Nachfrageseite setzen Viehhalter in Deutschland und den Nachbarländern, wo preislich attraktiv, verstärkt auf Sojaschrot und andere Proteinquellen und verringern damit ihre Abhängigkeit von importiertem deutschem Rapsschrot. Gleichzeitig werden die globalen Ölschrotströme durch eine starke asiatische Nachfrage nach preislich wettbewerbsfähigen Ölschroten, insbesondere aus Indien, umgelenkt, was zusätzlichen Preisdruck auf europäische Exporteure in weiter entfernten Märkten ausübt.
Wetter & Erntebedingungen
Die jüngste Frühsommerhitze in großen Teilen Europas mit Temperaturen von über 35 °C Ende Juni hat Sorgen um das Ertragspotenzial in einigen Ölsaaten- und Getreideregionen ausgelöst. Raps hat zu diesem Zeitpunkt des Jahres jedoch die kritischste Blütephase weitgehend hinter sich, sodass die unmittelbaren Auswirkungen auf die Ernte 2026 begrenzt erscheinen.
Lokal begrenzter Stress in Frankreich und Teilen Mitteleuropas könnte dennoch Korngröße und Ölgehalt beeinflussen, doch steht der Markt derzeit stärker auf den Erntefortschritt und die Qualität als auf größere Ernteausfälle fokussiert. Wetterrisiken bleiben im Blick, doch die aktuelle Preisentwicklung signalisiert, dass kein breit angelegter Produktionseinbruch eingepreist wird.
Handelsausblick (2–4 Wochen)
- Ölmühlen & Futtermittelkäufer: Der Rückgang der deutschen Schrotexporte und die feste Inlandsnachfrage deuten auf eine relativ knappe kurzfristige Verfügbarkeit von Rapsschrot hin. Eine Absicherung des zukünftigen Schrotbedarfs bei Rücksetzern bietet sich an, insbesondere falls die Euronext-Futures in Richtung 500 EUR/t nachgeben.
- Landwirte in der EU & im Schwarzmeerraum: Mit CPT/FCA-Preisen in der Ukraine nahe 480–510 EUR/t und stabilen FOB-Notierungen in Paris um 700 EUR/t scheint das Abwärtspotenzial begrenzt, sofern keine deutlich höhere als erwartete Ernte auf die Preise drückt. Ein schrittweiser Aufbau von Verkäufen in die aktuelle Stärke kann helfen, Preisrisiko und Lagerkapazitäten auszubalancieren.
- Händler: Die strukturelle Schwäche der deutschen Schrotexporte gegenüber widerstandsfähigen Saatpreisen begünstigt Strategien, die in Rapssaat long und in Rapsschrot oder konkurrierenden Mehlen short sind, bei gleichzeitig enger Beobachtung der Sojaschrot-Spreads und der Signale aus der Biodieselpolitik.
3‑Tage-Preistendenz
- Euronext-Rapsfutures (Paris): Erwartet wird eine Seitwärts- bis leicht aufwärtsgerichtete Bewegung um 515–530 EUR/t, gestützt durch eine feste Ölnachfrage und stabile Energiemärkte.
- Ukraine CPT/FCA Rapssaat (Odessa, Kiew): Voraussichtlich weiterhin enge Handelsspanne um 0,47–0,52 EUR/kg, da Erntemengen auf eine stabile Export- und Crush-Nachfrage treffen.
- Physische Rapssaat FOB Paris: Die Preise dürften sich kurzfristig nahe 0,70 EUR/kg halten, sofern es keine abrupten Bewegungen an Devisen- oder Energiemärkten gibt.