Zum Hauptinhalt springen
CMB Emblem
Futtergerste stabil, während Spannungen im Schwarzen Meer den Getreidekomplex stützen

Futtergerste stabil, während Spannungen im Schwarzen Meer den Getreidekomplex stützen

CMB
CMB News Redaktion
Editorial Desk

Die Preise für Futtergerste bleiben weitgehend stabil, gestützt durch festen Weizen und Risiken im Schwarzen Meer. Analyse der SFE-Futures, der Spotniveaus in der EU und der Ukraine sowie des kurzfristigen Ausblicks.

Die Preise für Futtergerste halten sich an den Termin- und Kassamärkten weitgehend stabil. Zwar ist das Handelsvolumen begrenzt, doch sorgt festere Weizenbasis zusammen mit dem Risiko im Schwarzen Meer für einen festen Unterton. Die kurzfristige Exportnachfrage nach westeuropäischem Getreide zieht an, da die Ausfuhren aus der Ukraine und Russland weiterhin eingeschränkt sind, während günstige ukrainische Gerste die Aufwärtsbewegungen im Binnenmarkt nach wie vor deckelt. Die globalen Getreidemärkte konzentrieren sich auf die Sicherheitslage im Schwarzen Meer. Verschärfte russische Angriffe und eine teilweise Störung der ukrainischen Ausfuhren stützen den gesamten Getreidekomplex. Gleichzeitig haben die US-Weizenfutures nach einer sehr schwachen Ernte zuletzt Zweijahreshochs getestet, was die theoretischen Futtergetreidewerte anhebt. Für Gerste zeigt sich kurzfristig ein Seitwärtsszenario: Kassabestgebote sind in Deutschland und der Ukraine in der vergangenen Woche leicht zurückgekommen, während die Futures für Futtergerste an der Börse in Sydney bis Mitte 2027 unverändert blieben – ein Zeichen für eine abwartende Haltung von Käufern wie Verkäufern.

Preise

An der Sydney Futures Exchange wurden Futtergerstekontrakte von September 2026 bis Juli 2027 zuletzt am 24. August unverändert bei 308–342 AUD/t gehandelt, spätere Termine (Januar 2028 und 2029) lagen bei 354 AUD/t, ohne tägliche Preisbewegung und bei null gemeldetem Volumen. Unter Verwendung eines indikative Wechselkurses von 1 AUD ≈ 0,61 EUR ergibt sich für das nahe Terminband grob ein Korridor von etwa 188–209 EUR/t, mit hinausgeschobenen Werten um 216 EUR/t.

Am physischen Markt wird deutsche Futtergerste ab Hof (EXW) in Drentwede derzeit bei rund 0,216 EUR/kg (216 EUR/t) angeboten, geringfügig unter dem Hoch der Vorwoche, aber im Monatsverlauf weitgehend seitwärts. Ukrainische FCA/FOB-Angebote aus Kiew und Odessa liegen bei etwa 150–167 EUR/t und haben sich seit Ende Juli leicht abgeschwächt. Die daraus resultierende Spanne von rund 50–60 EUR/t zwischen deutscher und ukrainischer Ware spiegelt sowohl Fracht- als auch Qualitäts- und Standortrisiken wider, zeigt aber zugleich, dass günstige Lieferungen aus dem Schwarzen Meer weiterhin den Boden vorgeben.

BASIC
Marktdaten-Tabelle
Schwarzer Pfeffer6.850 €/t+2,3 %
Koriander1.240 €/t−0,8 %
Kreuzkümmel2.100 €/t+1,5 %
Zimt (Cassia)8.900 €/t+0,4 %
Kurkuma3.200 €/t−1,2 %
Kardamom grün18.500 €/t+3,1 %
Ingwer (getr.)1.850 €/t+0,9 %
Chili (getr.)2.750 €/t−0,5 %
Schwarzer Pfeffer6.850 €/t+2,3 %
Koriander1.240 €/t−0,8 %
Kreuzkümmel2.100 €/t+1,5 %
Zimt (Cassia)8.900 €/t+0,4 %
Kurkuma3.200 €/t−1,2 %
Kardamom grün18.500 €/t+3,1 %
Ingwer (getr.)1.850 €/t+0,9 %
Chili (getr.)2.750 €/t−0,5 %
Die vollständige Tabelle mit aktuellen Preisen und Trends findest du auf CMBroker.
Charts öffnen →

Angebot & Nachfrage

Der breitere Getreidekontext wird derzeit von Störungen im Schwarzmeerraum geprägt. Die Exportkapazität der Ukraine bleibt eingeschränkt, obwohl weiterhin 3–4 Schiffe pro Tag durch den Großraum Odessa laufen, da Russland mit Angriffen fortfährt, die auf eine stärkere Kontrolle der Getreideströme zielen. Dies hat bereits zu einem starken Rückgang der ukrainischen und russischen Getreideausfuhren im Juli und August geführt und die kurzfristigen Nachfrageerwartungen für westeuropäische Herkünfte erhöht – vor allem für Weizen, mit Spillover-Effekten im Futtergerstesegment durch Substitution in der Futterration.

Auf der Nachfrageseite wirkt die Ankündigung Marokkos, nach einer überdurchschnittlichen heimischen Ernte ab Mitte September die Weizenimporte wieder aufzunehmen, zusätzlich stützend für EU-Getreide. Zwar betrifft dies unmittelbar den Weizen, doch neigt eine wiederauflebende Nachfrage aus Nordafrika dazu, die Exportwerte für alle Futtergetreide, einschließlich Gerste, zu festigen, wenn die relativen Preisrelationen eine Substitution in Futterrationen begünstigen. Zugleich liegen die US-Weizenexportverkäufe 2026/27 derzeit etwa ein Viertel unter dem Vorjahresniveau, was unterstreicht, dass die Knappheit eher durch Produktionsprobleme und regionale Logistik als durch außergewöhnlich starke globale Nachfrage getrieben ist.

Fundamentaldaten & Korrelation zu Weizen

Der Gerstenmarkt orientiert sich aktuell stark am Weizen. US-Weizenfutures haben jüngst ihre höchsten Stände seit rund zwei Jahren erreicht, gestützt von der schwächsten US-Ernte seit Jahrzehnten und einer weiterhin angespannten Lage im Schwarzen Meer, bevor ein Teil der Gewinne wieder abgegeben wurde. Der US-Bericht „Crop Progress“ zeigt, dass 62 % der Sommerweizenernte bereits eingefahren sind und damit deutlich vor dem üblichen Tempo liegen, während die Bonitätsnoten leicht auf 51 % „gut bis ausgezeichnet“ zurückgingen und damit die Wahrnehmung einer knappen Versorgung mit hochproteinigem Weizen verstärken.

Für Gerste bedeutet dies einen festeren theoretischen Ersatzwert: Steigt der Weizen, überprüfen Futtermittelhersteller den Preisabstand zwischen Gerste und Weizen. Derzeit sorgen relativ günstige ukrainische Gerste und weiche Binnenpreise in Deutschland dafür, dass Gerste in Futterrezepturen wettbewerbsfähig bleibt und so die verfügbaren Mengen aufgenommen werden. Die flache Forwardkurve an der SFE ohne Handelsvolumen deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer kurzfristig keinen klaren Auslöser für eine starke Bewegung sehen, jedoch angesichts anhaltender geopolitischer und witterungsbedingter Risiken, die den Markt rasch verknappen könnten, auch zögern, aggressiv zu verkaufen.

Wetter & Ernteausblick

Wetter stellt derzeit eher einen Hintergrundfaktor als einen unmittelbaren Preistreiber dar. Die Ernte in den wichtigsten Gerstenanbauregionen der Nordhalbkugel ist weit fortgeschritten, das unmittelbare Angebot weitgehend bekannt. Der Fokus verschiebt sich allmählich auf die Bedingungen für die Wintersaat in Europa und im Schwarzmeerraum, wo anhaltende Trockenheit oder übermäßige Nässe während der Aussaat im Herbst die Angebotserwartungen für 2027 – und damit länger laufende Futures wie die Januar- und März-2027-Kontrakte an der SFE – beeinflussen könnten.

Angesichts der komfortablen kurzfristigen Verfügbarkeit und der verhaltenen Aktivität an den Terminmärkten dürften wetterbedingte Preiseffekte zunächst eher über die Weizen- und Maiskomplexe wirksam werden. Nur wenn diese Märkte einen nennenswerten Wetteraufpreis einpreisen, wäre zu erwarten, dass Gerste in spürbarem Umfang nachzieht – insbesondere in Importregionen, die sensibel auf steigende Futterkosten reagieren.

Handelsausblick (nächste 1–2 Wochen)

  • Für Mischfutterhersteller / Einkäufer: Die aktuellen deutschen EXW-Niveaus von rund 215–220 EUR/t bieten im Verhältnis zu Weizen einen angemessenen Wert. Eine schrittweise Zusatzdeckung für Q4 2026 kann in Erwägung gezogen werden, wobei etwas Flexibilität für mögliche Rücksetzer bei einer vorübergehenden Entspannung der Schwarzmeerlogistik sinnvoll bleibt.
  • Für Landwirte / Verkäufer in der EU: Da die SFE-Futures seitwärts tendieren und die physischen Gebote nur geringfügig unter den jüngsten Hochs liegen, gibt es keinen starken Anreiz, zusätzliche Mengen zu forcieren. Das gestaffelte Verkaufen kleiner Volumina bei Preisstärke, bei gleichzeitiger Einlagerung eines Teils der Bestände für potenzielle geopolitische oder witterungsbedingte Preisspitzen, erscheint umsichtig.
  • Für Händler / Exporteure: Die große Spanne zu ukrainischen Herkünften sowie das anhaltende Risiko im Schwarzen Meer begünstigen EU-Gerste in bestimmten nahen Absatzmärkten. Fracht- und Versicherungsspesen sollten genau beobachtet werden; jede weitere Störung der ukrainischen Ströme könnte Exportmöglichkeiten aus Westeuropa rasch wieder eröffnen – bei verbesserten Margen.

3‑Tage-Trendausblick

  • Deutschland (inländisch EXW): Seitwärts bis leicht fester; verhaltenes Käuferinteresse, aber kein starkes Momentum.
  • Schwarzes Meer (Ukraine FOB/Odessa): Überwiegend stabil; Abwärtspotenzial begrenzt durch Logistikrisiken und Fracht, Aufwärtspotenzial durch reichliches Nahangebot gedeckelt.
  • Futures (SFE-Futtergerste-Strip): Stabil; dürfte mit niedriger Liquidität und engen Intraday-Spannen den Weizenbewegungen folgen.
BASIC
Live-Chart
Den interaktiven Chart findest du auf CMBroker.
Charts öffnen →
PREMIUM
KI-Agent
Was treibt aktuell die Chilli-Prämie?
Knappe Guntur-Bestände, feste EU-Exportnachfrage und geringere Andhra-Anlieferungen — volle Analyse in deinem Dashboard.
Frag die CMB-KI zu Preisen, Marktreibern und Handelsströmen — trainiert auf den Daten unserer Redaktion.
KI-Agent öffnen →