Jordaniens Futtergerste-Tender unterstreicht engen Wettbewerb und stützt Weizenmarkt
Die Stornierung von Jordaniens Gerste-Tender und die neue Ausschreibung über bis zu 120.000 t unterstreichen eine feste Futternachfrage und stützen indirekt die Weizenpreise im Schwarzmeerraum und in der EU.
Preise
Aktuelle Spot-Indikationen zeigen einen leicht festeren Ton in wichtigen Weizenherkünften. In Deutschland ist Futterweizen EXW Drentwede von etwa 0,201 EUR/kg Ende Juni auf rund 0,221 EUR/kg am 23. Juli 2026 gestiegen, was einem Zuwachs von rund 10 % im Zeitraum entspricht. Ukrainische Weizenwerte (FCA/CPT/FOB) haben sich von den Hochs Anfang Juli leicht gelockert, bleiben aber wettbewerbsfähig, mit Mahlweizenqualitäten bei etwa 0,18–0,20 EUR/kg und Futterqualitäten bei rund 0,17 EUR/kg.
Französischer Weizen mit 11 % Protein FOB Paris ist weitgehend stabil bei etwa 0,33 EUR/kg, nachdem er sich von den Spitzen Anfang Juli korrigiert hat. US-Offerten FOB Gulf/CBOT-gebunden bewegen sich um 0,24 EUR/kg und deuten darauf hin, dass Schwarzmeer- und EU-Herkünfte weiterhin einen frachtbereinigten Vorteil in MENA-Destinationen halten. Insgesamt weist die Preisstruktur auf einen weiterhin engen, aber positiven Weizen-Gerste-Spread für Futterverbraucher hin.
Angebot & Nachfrage
Jordanien ist strukturell auf Weizen- und Gersteimporte für Futter angewiesen und nutzt regelmäßig internationale Tender, um eine vorausschauende Deckung für seinen Viehsektor zu sichern. Der jüngste Schritt – ein Gerste-Tender mit begrenzter Beteiligung wird storniert und umgehend eine ähnliche Ausschreibung über bis zu 120.000 t neu aufgelegt – verdeutlicht die Absicht der Regierung, wettbewerbsfähigere Angebote zu erhalten und gleichzeitig die Lagerbestände auf komfortablem Niveau zu halten. Die Verschiffungen sind für die zweite Septemberhälfte und den gesamten Oktober vorgesehen und überschneiden sich direkt mit der Verfügbarkeit der neuen Weizenernte aus dem Schwarzmeerraum und der EU.
Marktquellen zufolge haben nur Solaris und Bunge sowohl am stornierten Gerste-Tender als auch an einem am Vortag abgehaltenen Weizen-Tender teilgenommen. Diese enge Lieferantenbasis reduziert den effektiven Wettbewerb und kann die Werte sowohl für Gerste als auch für Weizen stützen, die nach Jordanien und in benachbarte MENA-Märkte geliefert werden. Für den globalen Weizenmarkt geht es dabei weniger um eine physische Verknappung, sondern vielmehr darum, wie die konzentrierte Tender-Teilnahme und die stetige Nachfrage von Importeuren wie Jordanien eine Preisuntergrenze für Futterqualitäten untermauern.
Fundamentaldaten & Tenderdynamik
Die Struktur des neuen Gerste-Tenders – mehrere Partien von 50.000–60.000 t über verschiedene Verschiffungszeiträume – spiegelt typische Muster bei Weizen-Tendern wider und gibt Jordanien Flexibilität beim Timing seiner Käufe. Für Händler deutet die Tatsache, dass der vorherige Tender nur zwei Teilnehmer anzog, darauf hin, dass die Risikobereitschaft für längerfristige Futtergetreide-Exponierung ins 4. Quartal hinein begrenzt bleibt, möglicherweise aufgrund von Frachtunsicherheit oder Erwartungen an Preisvolatilität. Mit der Neuauflage bei ähnlichen Volumina und Perioden signalisiert Jordanien, dass seine Nachfrage nicht infrage steht; vielmehr wird stärkere Konkurrenz bei Preis und Konditionen gesucht.
Für Weizen ist dies in zweierlei Hinsicht relevant. Erstens konkurrieren Gerste und Futterweizen direkt in den Rationen, sodass jede Festigkeit bei den Austauschkosten von Gerste tendenziell Weizen stützt, insbesondere niedrig-proteinige oder abgestufte Partien. Zweitens führt die Überschneidung der Handelshäuser in Gerste- und Weizen-Tendern dazu, dass die Preisfindung in einem Tender häufig die Angebotsstrategien im anderen beeinflusst und so die Korrelation zwischen Gerste c&f Aqaba und Weizen FOB Schwarzmeer/EU verstärkt.
Wetter- & Erntekontext
Mit geplanten Verschiffungen ab Mitte September ist Jordaniens Einkaufsprogramm für Gerste und Weizen faktisch an das Ernteergebnis der nördlichen Hemisphäre 2026 gekoppelt. Frühberichte aus wichtigen Exporteuren, insbesondere der EU und der Schwarzmeerregion, deuten auf insgesamt ausreichende Produktion hin, allerdings mit lokal begrenzten witterungsbedingten Qualitätsproblemen, die den Anteil des in die Futterverwendung fließenden Weizens erhöhen könnten. Dies begrenzt tendenziell die Futterweizenpreise im Verhältnis zu Mahlweizenqualitäten, während die absoluten Niveaus weiterhin empfindlich auf Frachten und Tendernachfrage reagieren.
Im Schwarzmeerraum haben uneinheitliche Niederschläge und Hitzeepisoden in einigen Regionen Sorgen hinsichtlich Proteingehalten und Hektolitergewichten verstärkt, was die Bedeutung von Herkunft und Spezifikation für die Preisbildung unterstreicht. Für Jordanien und ähnliche Importeure begünstigt dieses Umfeld eine fortgesetzte Diversifizierung zwischen Gerste und Weizen – abhängig von den relativen Preisen –, doch die Grundaussage für das 4. Quartal bleibt ein ausreichendes physisches Angebot bei moderat festen Preisniveaus.
Ausblick & Handelsstrategien
- Importeure in MENA: Nutzen Sie das aktuelle Fenster der Nachernte-Liquidität, um die Weizen- und Gerstendeckung bis ins 4. Quartal 2026 zu verlängern, staffeln Sie die Käufe jedoch über mehrere Tender, um mögliche witterungs- oder frachtbedingte Rücksetzer nutzen zu können.
- Erzeuger in EU/Schwarzmeerregion: Bleiben Sie bei Futterweizenverkäufen geduldig; die konzentrierte Nachfrage aus Tendern wie dem Jordaniens und die begrenzte Konkurrenz unter globalen Händlern dürften die Exportwerte nach unten absichern.
- Mischfutterhersteller: Beobachten Sie den Weizen-Gerste-Preisabstand genau; falls die Gersten-Tenderpreise weiter anziehen, kann eine schrittweise Umschichtung hin zu preislich wettbewerbsfähigem Futterweizen die Futterkosten senken.
3-tägiger Richtungs-Ausblick (EUR, indikativ):
- EU (FOB Frankreich, 11 % Weizen): Leicht fester Bias, gestützt durch Tenderaktivität und stabile Exportnachfrage.
- Schwarzmeer (FOB/CPT Ukraine, Futter- & Mahlweizen): Überwiegend seitwärts, mit moderatem Aufwärtsrisiko, falls sich Frachten verengen oder die Ergebnisse der Gersten-Tender über den Erwartungen liegen.
- Deutschland (EXW Futterweizen): Leicht fester Ton, kurzfristige Aufschläge dürften jedoch durch anhaltenden Erntedruck begrenzt bleiben.