Jordaniens Neustart der Weizenausschreibung signalisiert weichere Preise nach Hormus-Deal
Jordanien storniert eine Ausschreibung über 120.000 t Weizen und schreibt sie neu aus, da Öl- und Frachtkosten nach dem US‑Iran‑Hormus‑Deal fallen und Weizenpreise unter Druck geraten.
Preise & Marktstimmung
Termin- und Kassamärkte tendieren etwas weicher, bleiben aber stark schlagzeilengetrieben. Ein vorläufiger Friedensrahmen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran hat Rohöl in den letzten Sitzungen um 3–5 % gedrückt, da die Märkte mit einer schrittweisen Wiedereröffnung der Straße von Hormus rechnen und damit einen Teil der Fracht- und Treibstoffrisikoprämie aus den Getreidepreisen herausnehmen.
Indikative Exportangebote zeigen in der jüngsten Vergangenheit leichte Rückgänge bei Schwarzmeerweizen, wobei ukrainischer Weizen mit 11–12,5 % Protein auf FOB-Basis Odessa von etwa 0,19 EUR/kg auf rund 0,178–0,185 EUR/kg in den letzten 10 Tagen nachgegeben hat, während französischer FOB-Weizen aus Paris weitgehend stabil bei etwa 0,30 EUR/kg liegt. Bei den aktuellen Wechselkursen notieren die EU-Futures (MATIF Sep-26) damit nahe 200–205 EUR/t und damit nur geringfügig unter dem Niveau der Vorwoche.
Angebot, Nachfrage & Jordaniens Ausschreibungsstrategie
Der staatliche Getreideeinkäufer Jordaniens hat seine Ausschreibung über 120.000 t Mahlweizen annulliert, nachdem er Angebote von fünf großen Handelshäusern (CHS, Cargill, Ameropa, Olam, Louis Dreyfus) erhalten, aber keinen Kauf getätigt hatte. Die umgehende Neuausschreibung mit neuem Angebotsstichtag 23. Juni und unveränderter Verschiffung im September–Oktober zeigt, dass Volumen- und Terminbedarf unverändert sind; lediglich das angestrebte Preisniveau hat sich verschoben.
Das Timing legt deutlich nahe, dass Jordanien die Abwärtsbewegung aufgrund der niedrigeren Energie- und Frachterwartungen nach dem vorläufigen US‑Iran‑Abkommen einfangen will. Da Treibstoff- und Transportkosten ein zentraler Bestandteil der Kosten frei Bestimmungsort im Nahen Osten sind, kann schon ein moderater, aber anhaltender Rückgang des Ölpreises in den kommenden Wochen zu niedrigeren CNF-Weizenofferten führen – insbesondere aus dem Schwarzmeerraum, wo der Wettbewerb intensiv ist.
Importeure in der gesamten MENA-Region beobachten dieselben Einflussfaktoren: Frachtraten, Angebot aus dem Schwarzmeerraum und geopolitische Risiken. Jordaniens Schritt könnte andere Käufer mit komfortablen Beständen dazu ermutigen, Käufe zu verschieben oder zu staffeln, was den kurzfristigen Preisdruck auf Exporteure erhöht, falls das Ölpreisniveau gedämpft bleibt und der Erntefortschritt in den wichtigsten Ursprungsländern ohne gravierende Wetterrisiken verläuft.
Fundamentaldaten & Wetter
Fundamental gesehen bleiben die globalen Weizenbilanzen ausreichend, wobei jüngste internationale Berichte nur auf marginale Anpassungen der Produktion und Bestände 2025/26 hinweisen und die Märkte damit stärker auf Logistik und Risikoprämien als auf einen strukturellen Mangel reagieren lassen.
Kurzfristige Wetterprognosen für wichtige Produzenten auf der Nordhalbkugel (US Plains, Schwarzmeerregion, EU) zeigen gemischte, bislang aber nicht alarmierende Bedingungen mit lokal begrenzter Trockenheit und Hitzeepisoden, jedoch ohne klar erkennbare, flächendeckende Ertragsbedrohung im unmittelbaren Ein‑Wochen‑Horizont. Mit zunehmendem Erntedruck würde jede Bestätigung normaler bis leicht über dem Trend liegender Erträge im Schwarzmeerraum den bärischen Einfluss niedrigerer Energiekosten auf Exportangebote verstärken.
🛢️ Energie, Fracht & Makro-Zusammenhänge
Die vorläufige US‑Iran‑Vereinbarung zur Beendigung der Feindseligkeiten und Wiedereröffnung von Hormus hat zu einer deutlichen Abwärtskorrektur beim Öl geführt, wobei Brent zuletzt auf Drei‑Monats‑Tiefs gefallen ist und frühere, mit Waffenstillstandserwartungen verbundene Verluste ausgebaut hat. Auch wenn die tatsächliche Wiedereröffnung und Normalisierung des Tankerverkehrs schrittweise erfolgen wird, preisen die Terminmärkte für Fracht bereits ein geringeres Risiko ein, was den Importeuren den Druck nimmt, sich zu hohen Vollkosten rasch abzusichern.
Für Weizen wirkt dies vor allem über niedrigere Bunkerkosten, günstigere Reisefrachten aus dem Schwarzmeerraum und der EU sowie ein insgesamt weicheres Rohstoffumfeld. Sollte das Abkommen reibungslos umgesetzt werden, dürfte die energieseitige Unterstützung für Getreidepreise im weiteren Verlauf des 3. Quartals weiter nachlassen; jedes Stottern im Friedensprozess könnte jedoch rasch wieder eine Risikoprämie einpreisen und Jordaniens vorsichtigen, schrittweisen Einkaufsansatz im Nachhinein rechtfertigen.
Handelsausblick & Empfehlungen
- Importeure (MENA/Asien): Käufer mit ausreichender kurzfristiger Deckung können den Ausgang der jordanischen Ausschreibung am 23. Juni und weitere Signale vom Ölmarkt abwarten, bevor sie ihre Positionen für das 4. Quartal ausbauen. In Betracht ziehen, Käufe auf Schwächephasen zu staffeln, statt große Volumina vorzeitig zu bündeln.
- Exporteure (Schwarzmeer/EU): Rechnen Sie mit härteren Preisverhandlungen in die MENA-Region, da die Frachtraten sinken und Referenzausschreibungen wie die Jordaniens niedrigere CNF‑Vorstellungen verankern. Halten Sie Preisdisziplin bei hochproteinhaltigen Partien, seien Sie aber auf engere Spannen gegenüber Standardweizen mit 11–12 % Protein vorbereitet.
- Hedger (Erzeuger/Verbraucher): Da die Futures nur geringfügig unter den jüngsten Hochs notieren und die Volatilität im Umfeld geopolitischer Nachrichten erhöht ist, bleiben Optionsstrategien (Puts für Landwirte, Calls für Verbraucher) attraktiv, um Abwärts‑/Aufwärtsrisiken abzusichern, ohne sich übermäßig auf den Kassapreis festzulegen.