Raps bleibt an der MATIF stabil, während Canola aufgrund von Wetterprämie fester tendiert
Rapsfutures an der MATIF halten sich stabil, während ICE-Canola von Wetter und Pflanzenölen profitiert. Überblick über Preise, Versorgungsrisiken und kurzfristigen Handelsausblick.
Preise
Am 22. Juli 2026 schlossen die vorderen Euronext-Rapskontrakte unverändert, mit Aug-26 bei etwa 540 EUR/t und Nov-26 nahe 557 EUR/t. Weiter vorne handeln Feb-27 um 555 EUR/t und May-27 bei rund 552 EUR/t, bevor die Kurve in Richtung 512–517 EUR/t für Aug-27 bis May-28 und knapp unter 497 EUR/t bis Aug-28/Nov-28 abflacht. Diese sanft abwärtsgerichtete Kurve signalisiert Erwartungen einer ausreichenden mittelfristigen Versorgung, aber einer festen Prämie am nahen Ende.
ICE-Canola liegt in absoluten Zahlen deutlich höher, mit dem Nov-26-Kontrakt bei rund 823 CAD/t und Jan-27–Jul-27 nahe 833–842 CAD/t, was die jüngsten Rallyes aufgrund von Wetterfaktoren und technischem Kaufinteresse widerspiegelt. Umgerechnet mit etwa 1,45 CAD/EUR entspricht dies einem Niveau von rund 560–575 EUR/t für nahe Canola und liegt damit leicht über den aktuellen MATIF-Notierungen.
Angebot & Nachfrage
Physische Offerten deuten auf ein relativ komfortables kurzfristiges Angebot im Schwarzen Meer hin. Ukrainischer Raps (42 % Öl, FCA Odesa/Kyiv) wird um 510–520 EUR/t gehandelt, während CPT Odesa, Sorte 1, bei knapp unter 485 EUR/t liegt. Dies stellt eine gute Versorgung der EU-Ölmühlen sicher und begrenzt den kurzfristigen Aufwärtsspielraum an der MATIF, trotz Signalen für eine angespanntere Bilanz weiter vorne.
In Europa verweisen aktuelle Analysen auf mögliche Abwärtsrisiken für die Rapsproduktion 2026/27, nach mehreren Kaltlufteinbrüchen im Frühjahr, gefolgt von Hitzewellen im Frühsommer. Die EU-Importe in 2025/26 lagen bereits unter dem Vorjahresniveau, was auf geringere Puffer aus externen Ursprüngen hindeutet, falls die Erträge enttäuschen. Gleichzeitig signalisieren rekordhohe oder nahezu rekordhohe Canola-Flächen in Kanada und höhere AAFC-Produktionsschätzungen eine entspanntere Versorgungslage in Nordamerika, wenn auch deutlich wetterabhängig.
Fundamentaldaten & Wetter
Im Juli werden die Fundamentaldaten stärker von Wetter und Biokraftstoffnachfrage geprägt als von Lagerbeständen. EU- und kanadische Bestände sind in vielen Regionen mit guter Bodenfeuchte in den Sommer gegangen, doch episodische Hitze und Trockenheit in Teilen der Prärien und Nordosteuropas haben eine Risikoprämie in Raps und Canola eingepreist. In den letzten Tagen haben sich die Wettersorgen in Kanada mit moderateren Temperaturen etwas abgeschwächt, was die Prämie reduziert, aber nicht vollständig eliminiert.
Auf der Nachfrageseite haben stärkeres Rohöl und Preisaufschläge im breiteren Pflanzenölkomplex (Sojaöl, Palmöl) Raps und Canola zeitweise über Biodiesel-Margen gestützt. Höhere EU-Endbestände und ein langsameres Importtempo begrenzen jedoch das Aufwärtspotenzial. Mit den von der AAFC angehobenen Prognosen für kanadische Canola-Produktion und -Bestände 2026/27 wirkt das mittelfristige Fundamentaldatenbild ausgewogener. Dies deutet darauf hin, dass Rallyes eher zu Erzeugerverkäufen und Nachfragerationierung führen dürften als zu einem anhaltenden Bullenmarkt.
Kurzfristiger Ausblick & Handelsideen
- Futures: Bei Nov-26 MATIF um 555–560 EUR/t und einer moderaten Wetterprämie in der Kurve könnten Erzeuger erwägen, bei weiteren Ausschlägen über 570–580 EUR/t schrittweise zusätzliche Absicherungen aufzubauen, während ein Teil der Menge für anhaltende Wetter- und Energierisiken offen bleibt.
- Physische Käufer: EU-Ölmühlen mit kurzfristiger Deckung könnten bei Rücksetzern in Richtung 530–540 EUR/t MATIF-Äquivalent eine moderate Ausweitung der Deckung prüfen, insbesondere wenn sich die Schwarzes-Meer-Basis festigt oder EU-Erntebedenken wieder aufkommen.
- Spread-Strategien: Die leichte Backwardation von 2026 bis 2028 bietet Chancen in Kalender-Spreads für Händler, die entweder mit einer erneuten Verengung (Abflachung) oder einer stärkeren Steilheit (Vergrößerung) der Kurve rechnen, sobald die Ernteergebnisse in Europa und Kanada klarer werden.
3-Tage-Richtungsausblick (EUR)
- MATIF-Raps (Nov-26): Seitwärts bis leicht fester; erwartete Handelsspanne 550–565 EUR/t, orientiert an Sojabohnen und Rohöl.
- ICE-Canola (Nov-26, EUR-Äquivalent): Leichtes Korrekturrisiko nach unten nach den jüngsten Hochs; ungefähre Spanne 555–575 EUR/t.
- Schwarzes Meer physisch (UA FCA/CPT): Stabil bis leicht fester gegenüber MATIF, insbesondere bei steigenden Fracht- oder Logistikrisiken.