Rapsöl-Futures unverändert, da physischer Basispreis im Schwarzen Meer nachgibt
Rapsfutures an der MATIF bleiben um 540 EUR/t stabil, während die ukrainische Basis nachgibt und ICE-Canola anzieht – ein Zeichen für komfortable Versorgung bei begrenztem Aufwärtspotenzial.
Preise
Am 10. August 2026 schlossen die Rapsfutures an der Euronext (MATIF) über alle gehandelten Kontrakte hinweg unverändert, mit Nov 2026 bei etwa 538,75 EUR/t und Feb 2027 bei 540,25 EUR/t. Die Forwardkurve bleibt bis Mitte 2027 nur leicht invers, bevor sie für Lieferungen Ende 2028 auf grob 498–518 EUR/t zurückgeht. Dies signalisiert Erwartungen einer ausreichenden Versorgung im mittleren Zeithorizont statt akuter Knappheit.
Umgerechnet in EUR mit einem indikativem Kurs von 0,68 EUR/CAD entspricht der ICE-Canola-Kontrakt Nov 2026 bei 794,90 CAD/t etwa 540,50 EUR/t und liegt damit leicht über dem aktuellen MATIF-Niveau. Dies hält europäischen Raps in Exportmärkten wettbewerbsfähig gegenüber kanadischer Canola, begrenzt aber auch das Abwärtspotenzial, da Ölmühlen sich an den globalen Ölsaatenpreisen orientieren.
Am physischen Markt liegen die jüngsten französischen FOB-Angebote für Raps Paris bei rund 680 EUR/t (0,68 EUR/kg) und damit leicht unter den Höchstständen von Ende Juli um 690 EUR/t. Ukrainischer Raps (mind. 42% Öl, 98% Reinheit) auf FCA-Basis in Kiew und Odessa hat sich von etwa 520 EUR/t Mitte Juli auf rund 460 EUR/t Anfang August abgeschwächt, während die CPT-Odessa-Notierungen für Ware der Güteklasse 1 im gleichen Zeitraum von etwa 502 EUR/t auf knapp unter 493 EUR/t nachgaben. Dies unterstreicht eine schwächer werdende Basis im Schwarzmeerraum trotz unveränderter Futures.
Angebot & Nachfrage
Die flache MATIF-Kurve und die niedrigere Basis im Schwarzmeerraum deuten auf eine entspannte kurzfristige Versorgung Europas hin. Anhaltende ukrainische Verkäufe zu fallenden EUR-Preisen signalisieren kontinuierliche Verfügbarkeit und logistische Leistungsfähigkeit, obwohl die regionalen Risiken fortbestehen. Weiter vorn gehandelte MATIF-Kontrakte für 2028 unterhalb der Niveaus von 2026–27 lassen zudem auf normalisierte Ernten und keinen strukturellen Mangel schließen.
Auf der Nachfrageseite bleiben EU-Ölmühlen aktiv, zeigen sich jedoch preissensitiv und wehren sich gegen höhere Basisforderungen. Die nach FX-Anpassung nur moderate Prämie von ICE-Canola gegenüber MATIF verringert den Anreiz, in größerem Umfang auf kanadische Herkunft auszuweichen, sodass europäischer und Schwarzmeer-Raps die zentrale Bezugsquelle für EU-Verarbeiter bleibt. Die globalen Pflanzenölpreise stützen weiterhin die Crush-Margen, doch jede Abschwächung dort würde rasch Druck auf die Rapsnotierungen ausüben.
Fundamentaldaten & Wetter
Fundamental befindet sich der Markt im Übergang von erntebedingtem Angebotsdruck zu einer stärker nachfragegetriebenen Phase. Das Fehlen einer ausgeprägten Inversstruktur zwischen nahen und späteren MATIF-Terminen deutet eher auf ausgewogene Lagerbestände als auf eine sich zuspitzende Knappheit hin. Gleichzeitig spiegelt der stetige Anstieg der ICE-Canola-Futures in der letzten Sitzung, mit Gewinnen von rund 2% über die Kurve hinweg, eine vergleichsweise festere Stimmung in Nordamerika wider, die den breiteren Ölsaatenkomplex unterstützt.
Das Wetter in den wichtigsten EU-Rapsregionen im August ist gemischt, aber noch nicht kritisch. Saisonüblich warme Bedingungen mit lokal begrenzter Trockenheit dürften die Aussaatentscheidungen für die nächste Kampagne stärker beeinflussen als die aktuellen Ertragsergebnisse. Solange es in West- und Mitteleuropa zu keinem größeren Hitze- oder Dürreschock kommt, erscheint der durch die weicheren, langlaufenden MATIF-Kontrakte implizierte Versorgungs- ausblick plausibel.
Ausblick & Handelsideen
- Kurzfristig (0–2 Wochen): Mit MATIF Nov 2026 stabil um 535–540 EUR/t und einer nachgebenden Basis im Schwarzmeerraum dürften die Preise seitwärts mit leichtem Abwärtsbias tendieren, sofern die ukrainischen Angebote aggressiv bleiben.
- Ölmühlen: Erwägen Sie, die Absicherung schrittweise bei Rücksetzern unter das Niveau von 535 EUR/t (Äquivalent Nov 2026) auszubauen, insbesondere wenn ICE-Canola und Pflanzenölpreise fest bleiben und damit die Crush-Margen stützen.
- Erzeuger: In der EU sprechen die aktuell flachen Futures und die sich entspannende Basis eher für einen gestaffelten Vermarktungsansatz statt für umfangreiche Spotverkäufe, um eine gewisse Preisexponierung gegenüber möglicher Ölsaatenstärke später in der Saison zu behalten.
- Händler: Die sich ausweitende Spanne zwischen festeren ICE-Canola-Notierungen und schwächerem Schwarzmeer-Raps eröffnet Chancen im Ursprungsarbitragegeschäft sowie bei der Vereinnahmung potenzieller Basisverbesserungen, falls logistische oder geopolitische Risiken das ukrainische Angebot neu bepreisen.
3‑Tage-Richtungstendenz (EUR)
- MATIF Raps Nov 2026: Leicht bärisch bis neutral; erwartet in einer Spanne von 530–545 EUR/t, sofern keine neuen Wetter- oder Makroschocks auftreten.
- Französischer FOB (Paris, prompt): Leichtes Nachgeben von ~680 EUR/t möglich, da Käufer mit niedrigeren Geboten gegen wettbewerbsfähige Schwarzmeer-Angebote testen.
- UA FCA/CPT (Kiew/Odessa, prompt): Abwärtsrisiko bleibt bestehen; Werte um 460–495 EUR/t könnten weiter unter Druck geraten, falls die Exportströme reibungslos bleiben und Fracht/Logistik stabil sind.