Scheitern der jordanischen Weizenausschreibung hält Schwarzmeer-Exporteure in der Defensive
Jordanien kaufte in seiner Ausschreibung vom 15. September keinen Weizen. Die neue Ausschreibung um den 22. September wird die Preisgestaltung im Schwarzmeerraum und in der EU testen, da die Kassapreise für Weizen in Europa und der Ukraine nachgeben.
Preise
Jüngste Kassaindikation weisen auf einen leicht schwächeren Ton bei Schwarzmeerweizen hin, während die EU-Werte vergleichsweise fest bleiben:
- Ukraine, FOB Odessa 11–12,5 % Protein: etwa 0,135–0,147 EUR/kg, rund 0,01–0,015 EUR/kg niedriger seit Ende August.
- Ukraine, CPT Odessa Futter/Qualität 2–3: etwa 0,146–0,163 EUR/kg, ebenfalls rückläufig in den letzten zwei Wochen.
- Deutschland, EXW Futterweizen (Drentwede): weitgehend seitwärts bis leicht fester, zuletzt bei rund 0,241 EUR/kg am 14. September.
- Frankreich, FOB Paris 11 % Protein: hält sich nahe 0,33 EUR/kg, kaum verändert im Zeitraum.
Diese Struktur belässt Schwarzmeerweizen klar im Abschlag zu EU-Ursprüngen, aber die gescheiterte jordanische Ausschreibung deutet darauf hin, dass selbst diese Niveaus über dem Zielpreis des Käufers lagen. Die nächste Ausschreibung wird testen, wie weit die Exporteure bereit oder in der Lage sind, ihre Margen weiter zu reduzieren.
Angebot & Nachfrage
Für Jordanien bleibt die Nachfrage nach Mahlweizen stabil; regelmäßige Ausschreibungen von 100.000–120.000 Tonnen dienen der Sicherung von subventionierten Mehlvorräten. Das Ausbleiben eines Zuschlags am 15. September zeigt, dass der staatliche Einkäufer seinen komfortablen Versorgungspuffer und Lagerbestand nutzt, um sich gegen die aktuellen Angebotspreise zu stemmen und auf weitergehende Preiszugeständnisse der Lieferanten zu warten.
Auf der Exportseite sind Ursprünge aus dem Schwarzmeerraum weiterhin daran interessiert, große Volumina für Q4-Verschiffungen zu platzieren, doch logistische und politische Risiken sind in die Angebote eingepreist. Händler berichten, dass anhaltende Störungen und Risikoprämien in der Region den Umfang der Preissenkungen begrenzen, selbst wenn die nominalen FOB- und CPT-Werte nachgeben. Europäischer Weizen ist zwar qualitativ wettbewerbsfähig, liegt preislich jedoch derzeit zu hoch, um derart preissensitive Ausschreibungen zu dominieren, ohne dass es zu einer breiteren, terminmarktgetriebenen Korrektur kommt.
Fundamentaldaten & Ausschreibungssignal
Das Ergebnis der Ausschreibung vom 15. September ist im Kern ein Preissignal und kein Nachfrageschock. Jordaniens Entscheidung, trotz Teilnahme von drei großen Handelshäusern nicht zu kaufen, deutet darauf hin, dass die Angebotspreise weiterhin über der internen Benchmark des Käufers lagen. Mit einer neuen Ausschreibung, deren Abschluss für den 22. September und Verschiffung in der zweiten Oktoberhälfte und der ersten Novemberhälfte erwartet wird, müssen Exporteure entscheiden, ob sie ihre Angebote senken oder das Risiko eines erneuten „no award“ eingehen.
Sollten Verkäufer ihre Preise nachschärfen, werden die Schwarzmeerwerte die Bewegung voraussichtlich anführen, angesichts ihres bestehenden Abschlags zu EU-Weizen. Umgekehrt würde ein zweites aufeinanderfolgendes Scheitern unterstreichen, dass Importeure im gesamten Nahen Osten sich Zeit lassen können – was den Abwärtsdruck auf globale Benchmarks für Mahlweizen verstärken, zugleich aber die Binnenpreise in wichtigen Exportregionen nach unten absichern würde.
Kurzfristiger Ausblick & Handelsstrategie
- Für Exporteure: Erwägen Sie moderate Preiszugeständnisse in Jordaniens Ausschreibung vom 22. September, insbesondere aus Schwarzmeerursprüngen, um Volumenverluste zu vermeiden und einen glaubwürdigen Referenzpreis für andere MENA-Käufer zu setzen.
- Für Importeure in der Region: Die Haltung Jordaniens stützt eine Abwarte-Strategie; das nahe Angebot scheint ausreichend, und ein weiteres Scheitern der Ausschreibung dürfte den Abwärtsdruck auf die Preise verstärken.
- Für EU-Erzeuger: Da FOB Frankreich weiterhin deutlich über den Schwarzmeerangeboten liegt, bleibt es ratsam, einen Teil der Verkäufe für Q4–Q1 in Kursanstiege hinein abzusichern, insbesondere im Vorfeld des Ausschreibungsergebnisses.
In den kommenden drei Handelstagen ist mit einem leicht weicheren bis seitwärts gerichteten Ton bei den Exportwerten im Schwarzmeerraum in EUR, stabilen bis festen EU-Notierungen und einer vorsichtigen Entwicklung an der CBOT zu rechnen, da der Markt abwartet, wie aggressiv Exporteure in Jordaniens neue Weizenausschreibung hineinkalkulieren werden.