Sesammarkt: Chinas günstigere Importe verändern globale Handelsströme
Update zum Sesammarkt: Chinas Importe im 1. Hj. 2026 zeigen stabile Nachfrage, aber deutlich niedrigere Preise und lenken die Handelsströme in Richtung Pakistan, Äthiopien und Brasilien.
Preise
China zahlte im Durchschnitt etwa 1.125 USD/t für Sesam in Januar–Juni 2026, rund 20 % weniger als die 1.411 USD/t im Vorjahreszeitraum, was einen ausgeprägten globalen Abwärtstrend bei den Exportpreisen bestätigt. Der Durchschnittspreis im Juni von 1.120 USD/t lag trotz deutlich höherer Monatsimporte noch immer 19 % unter dem Vorjahreswert.
Indikative FOB-Angebote unterstreichen diesen weichen Grundton: Bei einer Umrechnung von grob 1 EUR ≈ 1,09 USD implizieren die jüngsten Niveaus etwa 1,64 EUR/kg für ägyptischen goldenen Sesam und rund 1,31 EUR/kg für ägyptischen naturbelassenen Sesam, während indischer naturbelassener Sesam bei etwa 1,10–1,20 EUR/kg und geschälter bei rund 1,25 EUR/kg liegt – alles leicht unter den Werten von Ende Juli. Dies deutet auf einen sanft nachgebenden Markt hin, trotz stärkerer chinesischer Spotkäufe.
Angebot & Nachfrage
China importierte 700.214 t Sesam in Januar–Juni 2026, nur 2 % weniger als die 711.072 t im Vorjahr, was auf eine weitgehend stabile zugrunde liegende Nachfrage hinweist. Der Wert dieser Importe fiel jedoch um 21 % auf etwa 787,9 Mio. USD, was unterstreicht, dass niedrigere Weltmarktpreise – und nicht eine schwächere Nachfrage – die Marktanpassungen treiben.
Die Juni-Daten deuten auf eine wiederbelebte Kaufbereitschaft hin: Die Importe erreichten 113.564 t, ein Plus von 43 % im Jahresvergleich, während die Importrechnung um 15 % auf 127,2 Mio. USD stieg. Die Erholung legt nahe, dass chinesische Käufer die vergünstigten Preise nutzen, um Lagerbestände aufzufüllen und damit eine Nachfragestütze bieten, obwohl das globale Angebot komfortabel bleibt.
Handelsströme & Herkünfte
Niger blieb im ersten Halbjahr 2026 mit 254.914 t Chinas größter Sesamlieferant, auch wenn seine Lieferungen im Vergleich zum Vorjahr zurückgingen, was auf eine gewisse Erosion seiner Dominanz hindeutet. Pakistan hat seine Exporte nach China auf 96.667 t mehr als verdoppelt, während Äthiopien die Lieferungen auf 83.475 t erhöhte; beide profitieren von wettbewerbsfähigen Preisen und verfügbaren Mengen.
Brasilien verzeichnete das spektakulärste Wachstum mit einem Sprung von nur 1.444 t auf 55.653 t und bestätigt damit seinen Aufstieg zu einer bedeutenden Alternativherkunft. Gleichzeitig gingen die Lieferungen Togos zurück, was zeigt, dass sich die chinesische Nachfrage, obwohl in der Summe stabil, über die Herkünfte neu verteilt, da Käufer diversifizieren und regionale Preisunterschiede ausnutzen.
Fundamentaldaten & Wetter
Die Kombination aus nahezu unveränderten chinesischen Volumina und deutlich niedrigeren Importwerten zeigt, dass das Angebot aus Afrika, Südasien und Südamerika ausreichend groß ist, um Druck auf die Preise auszuüben. Importeure haben darauf reagiert, indem sie ihre Lieferantenbasis verbreitert haben, was wiederum den Wettbewerb unter Exporteuren erhöht und eine kurzfristige Preiserholung begrenzt.
Kurzfristig hat sich noch kein größerer Wetterschock in einer sichtbaren Angebotsverknappung in wichtigen Ursprungsländern wie Niger, Pakistan, Äthiopien oder Brasilien niedergeschlagen. Händler sollten jedoch die spätsaisonalen Niederschläge und Erntebedingungen in West- und Ostafrika sowie in Südasien genau verfolgen, da Störungen der Erträge einen ansonsten gut versorgten Markt rasch verknappen könnten.
Handelsausblick (nächste 1–3 Wochen)
- Käufer: Die aktuelle Schwäche nutzen, um die Deckung moderat zu verlängern, mit Fokus auf preislich wettbewerbsfähige Herkünfte wie Pakistan, Äthiopien und Brasilien, dabei jedoch Überlager zu vermeiden, falls die Preise weiter nachgeben.
- Verkäufer/Exporteure: Preisdisziplin ist entscheidend; erwägen Sie, Vorwärtsverkäufe bei kurzlebigen Kursanstiegen abzusichern, die durch Logistikprobleme oder Wettermeldungen ausgelöst werden, da die Fundamentaldaten insgesamt eher bärisch bleiben.
- Industrieanwender: Die Herkunftsmischung diversifizieren, um Rabatte zu realisieren und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten wie Niger zu verringern – im Einklang mit Chinas erkennbarer Hinwendung zu einem breiter gefächerten Beschaffungsportfolio.
3‑tägige regionale Preisindikation (Richtung)
- Ägypten FOB (natur & golden): Leicht nachgebend bis seitwärts in EUR, mit leichtem Abwärtsdruck angesichts globaler Konkurrenz.
- Indien FOB (natur & geschält): Seitwärts bis geringfügig niedriger, da Exporteure um preissensitive Nachfrage konkurrieren.
- CN Importparität: Stabil bis leicht fester in CNY aufgrund höherer Juni-Zugänge, aber begrenzt durch reichliches externes Angebot und diversifizierte Herkünfte.