Sesammarkt: Türkische Käufe lassen nach, während die globalen Preise unter Druck bleiben
Update zum Sesammarkt: niedrigere Weltmarktpreise, starke frühzeitige türkische Käufe, nachlassende Nachfrage und ein vorsichtiger kurzfristiger Preisausblick in EUR.
Preise
Der durchschnittliche Sesam-Importpreis der Türkei lag im Zeitraum Januar–Mai 2026 um 27 % niedriger als im Vorjahr bei rund 1.204 $/t, während die Importmengen im gleichen Zeitraum um 13 % auf 126.005 t stiegen. In Euro umgerechnet liegen die türkischen Importkosten damit deutlich unter dem Vorjahresniveau und weitgehend im Einklang mit dem aktuell niedrigen globalen Angebotsumfeld.
Aktuelle Angebote aus wichtigen Ursprungsländern bestätigen den weichen Ton: Indischer naturbelassener und geschälter Sesam wird grob in einer Spanne von 1,20–1,70 EUR/kg FOB indiziert, während ägyptischer naturbelassener Sesam für goldene Qualitäten etwas höher gehandelt wird. Die schmale, aber kontinuierliche Woche-zu-Woche-Erosion der Angebotsniveaus signalisiert, dass Verkäufer weiterhin um Nachfrage konkurrieren, statt Preisuntergrenzen zu verteidigen.
Angebot & Nachfrage
In den ersten fünf Monaten 2026 steigerte die Türkei ihre Sesamimporte auf 126.005 t gegenüber 111.260 t im Vorjahr und nutzte die niedrigeren Preise, um sich frühzeitig abzusichern. Im Mai gingen die Importe jedoch auf 22.904 t zurück, 13 % weniger als im Mai 2025, was darauf hindeutet, dass Lagerbestände und vorsichtigere Verbrauchsprognosen begonnen haben, neue Käufe zu bremsen.
Die wachsende Lücke zwischen Importvolumen und Importwert verdeutlicht, wie niedrigere internationale Preise die Einkaufsstrategie der Türkei verändert haben. Käufer konnten mehr Volumen erwerben, während die Gesamtausgaben im Jahresvergleich um 17 % auf rund 151,74 Mio. $ sanken – ein Hinweis auf komfortable Lagerbestände und eine geringere Dringlichkeit für zusätzliche kurzfristige Käufe.
Fundamentaldaten
Der starke Rückgang der durchschnittlichen türkischen Importkosten je Tonne – von rund 1.646 $/t auf 1.204 $/t – unterstreicht einen weltweit überversorgten Sesamkomplex mit begrenzten Spannungen auf der Nachfrageseite. Allein im Mai lag der durchschnittliche Importpreis bei 1.223 $/t, 29 % unter den 1.720 $/t des Vorjahres, was die Tiefe der aktuellen Preiskorrektur verdeutlicht.
Da türkische Käufer nun besser eingedeckt sind, dürfte die zusätzliche Nachfrage aus einem der wichtigsten Importdrehkreuze der Welt in den kommenden Monaten selektiver und preissensitiver ausfallen. Dies verschiebt das fundamentale Gleichgewicht in Richtung anhaltender Käufermarktkonditionen, sofern keine Wetter- oder Ernteprobleme in bedeutenden Ursprungsländern auftreten, die die Angebotserwartungen spürbar verändern.
Ausblick & Handelsstrategie
Angesichts der Kombination aus niedrigeren Weltmarktpreisen, starkem türkischem Frühjahrsimport und der sichtbaren Verlangsamung der Ankünfte im Mai bleibt die kurzfristige Tendenz für Sesam leicht bärisch bis seitwärts. Eine Preiserholung dürfte begrenzt bleiben, solange türkische Importeure bestehende Bestände abbauen und andere große Käufer die schwache Marktlage nutzen, um aggressiv zu verhandeln.
- Importeure/Verbraucher: Eine gestaffelte Einkaufsstrategie beibehalten und die aktuelle Schwäche nutzen, um die Deckung selektiv zu verlängern, dabei jedoch Überbestände vermeiden, da kurzfristig keine klaren bullischen Katalysatoren erkennbar sind.
- Exporteure/Ursprungsverkäufer: Wettbewerbsfähige Preise und flexible Lieferbedingungen priorisieren, um Verkäufe in die Türkei und alternative Märkte zu sichern, da Käufer Versuche, Angebote ohne klare fundamentale Begründung anzuheben, zurückweisen werden.
- Händler: Auf kurzfristige, bandbreitenorientierte Strategien fokussieren und mögliche wetterbedingte Angebotsstörungen in wichtigen Anbauregionen genau beobachten, die eine Bodenbildung und potenzielle Erholung signalisieren könnten.
Kurzfristige Preisindikation (3 Tage)
An den wichtigsten Ursprüngen dürften die Sesampreise in EUR in den nächsten drei Tagen weitgehend stabil mit leichtem Abwärtsbias bleiben, was die komfortablen Lagerbestände und die weiterhin vorsichtige türkische Nachfrage widerspiegelt. Geringe tagtägliche Schwankungen dürften sich in einer engen Spanne bewegen, während der Markt auf klarere Signale aus den anstehenden Ernte- und Nachfrageentwicklungen wartet.