Sojakomplex unter Druck durch Energiepreise, während asiatische Nachfrage Unterstützung bietet
Sojabohnen geben leicht nach, da schwaches Rohöl Pflanzenöle belastet, während Importe aus Indien und China, eine starke argentinische Ernte und das Wetter im Corn Belt die Preise prägen.
Prices
CBOT-Sojabohnen-Futures (neue Ernte Nov 2026) handeln um 1.152 US¢/bu, etwa 0,4 % tiefer zum Vortag, mit dem nächstfälligen Jul‑2026‑Kontrakt bei rund 1.121 US¢/bu (-0,5 %). Sojaschrot ist über die gesamte Kurve schwächer: Jul 2026 bei etwa 306 USD/short ton (-0,4 %) und spätere Termine ebenfalls 0,4–0,7 % niedriger. Im Gegensatz dazu notieren Sojaöl-Futures am kurzen Ende der Kurve moderat höher, mit Jul 2026 rund 0,6 % fester bei 71,7 US¢/lb und ähnlichen Aufschlägen von etwa 0,5–0,8 % bis Mitte 2027, während länger datierte 2028–2029‑Kontrakte knapp unter 60 US¢/lb verankert bleiben.
Umgerechnet in EUR und bei einem ungefähren Wechselkurs von 1 EUR = 1,07 USD implizieren die aktuellen Niveaus im Sojakomplex ungefähr:
Physische Angebote in wichtigen Exportdrehscheiben zeigen in EUR ein gemischtes Bild: US‑Sojabohnen No.2 FOB Washington D.C. sind mit rund 0,68 EUR/kg weitgehend stabil, indische sortex‑gereinigte Bohnen FOB Neu‑Delhi bleiben mit etwa 0,89 EUR/kg hoch, während ukrainische FOB‑Werte in Odessa auf rund 0,35 EUR/kg gestiegen sind, gentechnikfreie Ware CPT Odessa liegt bei etwa 0,39 EUR/kg.
Supply & Demand Drivers
Energie ist derzeit der dominierende kurzfristige Treiber. Rohöl hat erneut nachgegeben, da sich die Schifffahrtsströme durch die Straße von Hormus normalisieren und frühere Angebotsängste nachlassen. Diese Entspannung bei Rohöl- und Produktpreisen drückt die Biodiesel-Margen und damit die Nachfrage nach Einsatzstoffen wie Raps, Palmöl und Sojaöl. Die malaysischen Palmöl-Futures sind den dritten Tag in Folge gefallen; der September-Kontrakt verlor 75 Ringgit auf 4.558 Ringgit je Tonne, da schwächeres Rohöl und parallele Rückgänge bei Dalian- und CBOT‑Pflanzenölen die starken malaysischen Exportdaten überlagern.
Auf der Schrotseite fällt Indien als neues Zentrum der Importnachfrage auf. Hohe inländische Sojaschrotpreise, eine kleinere lokale Ernte und monsunbedingte Unsicherheit haben das USDA veranlasst, die Importprognose für Sojabohnen Indiens 2025/26 um 500.000 Tonnen auf 700.000 Tonnen anzuheben, wobei die Versorgung weitgehend aus gentechnikrechtlich unreglementierten afrikanischen Ursprüngen wie Niger, Togo und Nigeria stammen soll. Dieser Anstieg dürfte jedoch nur vorübergehend sein: Für 2026/27 werden die Importe mit rund 200.000 Tonnen wieder deutlich niedriger erwartet, sobald sich die Binnenlage normalisiert.
China sendet vorsichtig positive Nachfragesignale. Zu den jüngsten US‑Exportverkäufen zählt ein erstmals gemeldeter Kauf von 200.000 Tonnen neuerntiger US‑Sojabohnen, zusätzlich wurden 529.000 Tonnen an unbekannte Bestimmungsorte verkauft. Sollte – wie der Markt vermutet – ein Teil dieses Volumens für China bestimmt sein, wäre dies ein ermutigender früher Schritt zum Wiederaufbau der chinesischen Nachfrage im Vermarktungsjahr 2026/27.
Fundamentals
In Südamerika ist die argentinische Sojaernte praktisch abgeschlossen. Die Getreidebörse Buenos Aires meldet 98 % der Fläche gedroschen und belässt ihre Produktionsschätzung bei 50,1 Millionen Tonnen, im Einklang mit dem USDA‑Ausblick von 50,0 Millionen Tonnen und anderen aktuellen Analysen, die auf nahezu rekordhohe nationale Erträge hinweisen. Diese große Ernte sichert in den kommenden Monaten ein reichliches regionales Angebot an Sojabohnen und Schrot für den Export, insbesondere nach Europa, Nordafrika und Asien.
Trotz der starken Angebotsbasis bleibt das Verkaufsverhalten der Erzeuger in Argentinien ein entscheidender Faktor. Höhere inländische Dollaranreize und relativ attraktive Preise haben die Vermarktungsaktivität der Landwirte im Vergleich zum früheren Saisonverlauf gesteigert, doch beträchtliche Lagerbestände auf den Betrieben bilden weiterhin ein latentes Angebots-Polster, das freigesetzt werden kann, wenn die Preise anziehen oder sich Währungserwartungen verändern. In China tendieren Dalian‑Sojabohnen-Futures Kontrakt Nr. 1 fester; Frontmonat-Kontrakte gewannen am 26. Juni über die Kurve hinweg rund 1,3–1,6 %, was auf ein festes Binnenpreisniveau hinweist und die Importökonomie für höherproteinige Bohnen stützt.
In den USA bleibt das offene Interesse an Nov‑2026‑Sojabohnen an der CBOT mit über 460.000 Kontrakten hoch, mit soliden Umsätzen in den nahen Fälligkeiten, was auf aktive Absicherung sowohl durch Erzeuger als auch Verarbeiter hinweist. Das offene Interesse in Sojaschrot liegt im Dez‑2026‑Kontrakt mit über 250.000 Kontrakten ähnlich hoch und unterstreicht die Bedeutung der Schrot-Nachfrage für die Preisbildung. Die Terminstruktur bei Bohnen und Schrot ist nur leicht ansteigend und entspricht einem Markt, der von ausreichender Versorgung ausgeht, aber aufgrund von Wetter- und Nachfragerisiken noch nicht bereit ist, eine ausgeprägte Contango-Struktur einzupreisen.
Weather & Crop Outlook
Die Wetterrisi ken sind derzeit moderat. Im US‑Corn Belt beschreiben aktuelle Berichte ein überwiegend kühles, oft nasses Muster mit örtlich übermäßiger Bodenfeuchte, aber bislang begrenztem unmittelbarem Dürrestress. Die jüngsten Dürreeinschätzungen zeigen eine gewisse Ausweitung der Trockenheit in Teilen von Minnesota, Wisconsin und Nord‑Iowa, doch für Abschnitte des westlichen Corn Belt wird erheblicher Niederschlag prognostiziert, was die kurzfristigen Ertragssorgen reduziert. Für Sojabohnen fördert dieses Umfeld ein gutes vegetatives Wachstum, könnte jedoch Feldarbeiten verzögern und – falls das kühle Muster zu lange anhält – das Reproduktionsfenster später im Sommer einengen.
In Argentinien verzögert übermäßige Bodenfeuchtigkeit noch immer die letzten Erntearbeiten und einige Feldmaßnahmen, doch die Auswirkungen auf die Gesamtproduktion von Sojabohnen sind angesichts eines Erntefortschritts von 98 % und bestätigter überdurchschnittlicher Erträge in den Kernregionen gering. Mit Blick nach vorn konzentrieren sich Marktteilnehmer zunehmend auf das Wetter auf der Nordhalbkugel – insbesondere die Juli‑/August‑Bedingungen in den USA und den Spätverlauf des Monsuns in Indien – als die wesentlichen potenziellen Katalysatoren für einen ausgeprägteren Aufwärtstrend bei Sojabohnen und Schrot.
Trading Outlook (1–4 weeks)
- Bias: Leicht bärisch bis seitwärts in Sojabohnen und Schrot; vorsichtig konstruktiv in Sojaöl, falls sich Energiepreise stabilisieren.
- Erzeuger (USA/EU): Erwägen Sie, auf Kursanstiegen zusätzliche Neusaison-Absicherungen einzuplanen, insbesondere wenn CBOT Nov 2026 Niveaus von >10,2–10,4 EUR/bu testet, vor dem Hintergrund eines starken argentinischen Angebots und schwacher Biodiesel-Margen.
- Importeure (Asien, MENA): Nutzen Sie aktuelle Rücksetzer bei Futures und die relativ stabilen FOB‑Angebote in den USA und der Ukraine, um die Deckung für Q4 2026–Q1 2027 auszuweiten, mit Priorität auf Schrot und hochproteinhaltige Bohnen.
- Verarbeiter/Crusher: Beobachten Sie die Crush‑Margen genau; die Schwäche bei Schrot gegenüber einem festeren Öl spricht für opportunistische Vorwärtsdeckung bei Bohnen, während bei Ölausfuhren Flexibilität gewahrt werden sollte, um auf Bewegungen des Rohölpreises reagieren zu können.
3‑Day Price Indication (Directional)
- CBOT Soybeans (EUR equivalent): Leicht abwärtsgerichtet bis seitwärts; Intraday‑Erholungen dürften durch Energiepreise und großes südamerikanisches Angebot begrenzt bleiben.
- CBOT Soybean Meal (EUR/t): Leicht schwächerer Bias, da hohe Preise die Nachfrage dämpfen und die Exportverfügbarkeit aus Argentinien zunimmt.
- CBOT Soybean Oil (EUR/t): Seitwärts bis leicht fester, falls sich Rohöl stabilisiert; Palmöl und Energienachrichten sind genau zu verfolgen.
- Physische FOB/CPT (USA, Indien, Ukraine): Über die nächsten Sitzungen überwiegend stabil in EUR, mit nur moderaten Basisanpassungen, sofern es nicht zu starken Bewegungen bei Futures oder FX kommt.