Spannungen im Schwarzen Meer stützen Weizen, während deutsche Futterweizenpreise leicht anziehen
Weizenpreise in der Ukraine und in Deutschland bleiben angesichts von Exportrisiken im Schwarzen Meer, starken Terminmärkten und stabilen lokalen Geboten fest. Ausblick: kurzfristig seitwärts bis leicht höher.
Preise
Ukrainischer Nahrungs- und Futterweizen auf CPT-Basis Odessa wurden in der vergangenen Woche unverändert bei rund 185 USD/t bzw. 175 USD/t gemeldet, was – je nach Wechselkurs und Qualitätsanpassungen – etwa 170–180 EUR/t entspricht. Diese Niveaus entsprechen im Wesentlichen stabilen lokalen Notierungen, obwohl die Exportmengen zunehmen.
In Deutschland liegen aktuelle Meldungen für Futterweizen in nördlichen Regionen, einschließlich Niedersachsen, bei rund 240 EUR/t EXW, nur geringfügig unter den Höchstständen von Anfang September und weitgehend im Einklang mit unseren jüngsten Indikationen. An der Euronext hat sich der nahe Termin im Mahlweizen von den Höchstständen der Vorwoche etwas gelöst, handelt jedoch nach ablaufbedingter Volatilität im September-Kontrakt weiterhin in den niedrigen 240ern je Tonne. CBOT-Weizen in EUR/t bleibt historisch hoch und spiegelt das anhaltende geopolitische Risiko im Schwarzen Meer sowie die eingetrübten Exporterwartungen für Russland wider.
Angebot & Nachfrage
Das ukrainische Weizenexportprogramm hat sich Anfang September beschleunigt. Zwischen dem 1. und 3. September beliefen sich die Weizenverladungen auf rund 116.800 t bzw. nahezu 39.000 t/Tag – fast doppelt so viel wie das durchschnittliche Tagesvolumen im August. Insgesamt stiegen die wöchentlichen Exporte von Weizen, Mais und Gerste in der Woche bis zum 2. September um 80 % auf 433.700 t und unterstreichen damit die starke Nachfrage in der Pipeline, sobald Logistikkapazitäten verfügbar sind.
Der wieder geöffnete Schwarzmeer-Korridor wickelt inzwischen rund 80 % der ukrainischen Getreide- und Ölsaatenexporte ab – eine deutliche Umkehr gegenüber der Frühphase des Krieges, als Donau- und Landrouten dominierten. Der Korridor bleibt jedoch sicherheitsanfällig: Jüngste Angriffe und erhöhte militärische Aktivität in der Region verunsichern weiterhin Fracht- und Versicherungsmarkt und halten die Risikoprämien für Weizen aus dem Schwarzen Meer hoch. Gleichzeitig spiegeln die starken globalen Terminmärkte nicht nur das ukrainische Risiko wider, sondern auch sich eintrübende Erwartungen an die russischen Exporte im September.
Fundamentaldaten & externe Treiber
Auf der Makroseite werden die globalen Weizenterminkurse weiterhin durch die breiteren Störungen im Schwarzen Meer gestützt. Chicago-, Kansas-City- und Minneapolis-Weizen sind in dieser Woche gestiegen, da die Unsicherheit über die Schifffahrt im Schwarzen Meer anhält und ein diplomatischer Durchbruch zwischen Russland und der Ukraine ausbleibt. Verstärkt wird diese Markteinschätzung durch Berichte, wonach die russischen Weizenexporte im September deutlich auf etwa 1,6–2,0 Mio. t gegenüber 4,9 Mio. t im Vorjahr zurückgehen könnten – vor allem aufgrund logistischer Engpässe und Exportabgaben.
In Europa haben sich die Euronext-Mahlweizenpreise zwar von den jüngsten Höchstständen entfernt, liegen aber weiterhin deutlich über den Niveaus vom Hochsommer. Daten deutscher und regionaler Marktinformationsdienste bestätigen eine leichte Korrektur zu Wochenbeginn, gefolgt von einer Stabilisierung im Bereich von 232–241 €/t, da die Abwicklungseffekte auslaufen und der Fokus wieder stärker auf Fundamentaldaten liegt. Deutscher Futterweizen in Niedersachsen hat diese Entwicklung nachvollzogen: leichte Abschwächung vom Hoch, bleibt aber historisch fest. Da die Ukraine und Russland zusammen mehr als ein Viertel der weltweiten Weizenexporte stellen, stützt jede weitere Verknappung der russischen Lieferungen bei gleichzeitig fragilen ukrainischen Strömen tendenziell die EU- und deutschen Preise.
Wetterausblick (DE, UA)
Für Drentwede in Niedersachsen werden für die kommenden drei Tage (10.–12. September) überwiegend bewölkte Bedingungen mit milden Temperaturen um 19–21 °C und leichtem Regen vor allem am Freitag erwartet. Dieses Muster ist neutral bis leicht unterstützend für die Bodenfeuchte, dürfte aber eher zu kurzen Unterbrechungen bei eventuell noch laufenden Feldarbeiten führen als zu nennenswerten Ertragsauswirkungen zu diesem späten Zeitpunkt der Saison.
Für Odessa und die weitere Oblast Odessa werden überwiegend freundliche, meist sonnige Bedingungen mit Tageshöchstwerten zwischen 24–28 °C und kühlen Nächten sowie überwiegend trockenem Wetter prognostiziert. Solche Bedingungen sind günstig für Hafenlogistik, Getreideumschlag und Qualitätserhalt und unterstützen die Ukraine dabei, ihr ausgeweitetes Exportprogramm über den Schwarzmeer-Korridor ohne unmittelbare witterungsbedingte Verzögerungen umzusetzen.
Handelsausblick (nächste 1–2 Wochen)
- Deutschland (DE, Futterweizen): Mit einem Euronext-Markt, der sich um 240 €/t einpendelt, und ohne akuten inländischen Wetterschock dürften EXW-Preise in Niedersachsen in einer Spanne von 235–245 €/t verharren. Absicherer können schrittweise Vorverkäufe nahe dem oberen Rand dieser Bandbreite erwägen, sollten jedoch eine gewisse Aufwärtsabsicherung gegen eine mögliche weitere Eskalation im Schwarzen Meer behalten.
- Ukraine (UA, CPT Odessa): Stabile lokale CPT-Niveaus trotz höherer Exporte deuten darauf hin, dass Käufer kurzfristig gut gedeckt sind. Exporteure können die derzeit flachen Preise nutzen, um zusätzliche Mengen zu fixieren, sollten jedoch Fracht- und Sicherheitsrisiken über kurzfristige Hedges an Euronext/CBOT steuern.
- Globale Verflechtung: Jede bestätigte Verknappung der russischen Exportströme oder neue Angriffe auf wichtige ukrainische Häfen dürfte eine weitere Aufwärtsbewegung an den Terminmärkten auslösen, die sich rasch in den UA-CPT- und DE-EXW-Indikationen niederschlägt.
3-tägige regionale Preisindikation (Tendenz)
- DE – Futterweizen Niedersachsen (EXW): Tendenz: seitwärts bis leicht fester. Das Wetter ist neutral; die Richtung wird überwiegend von der Euronext bestimmt, die derzeit in einer Handelsspanne gefangen wirkt.
- UA – Nahrungs- & Futterweizen Odessa (CPT): Tendenz: seitwärts bis fest. Hohes Exporttempo und gutes Hafenwetter stützen stabile bis leicht höhere Gebote, wobei das Aufwärtspotenzial durch die Preiselastizität der globalen Nachfrage begrenzt wird.