Tschad-Sesam stabil, aber fest, während indische Herkunft höher tendiert
Geschälter Sesam aus dem Tschad FCA Berlin handelt stabil nahe 1,55 EUR/kg, während indische Herkünfte sich festigen, gestützt von MSP und Mandipreisen. Ausblick: knapp, aber stabil bis Anfang Juli.
Preise
Die jüngsten Notierungen zeigen geschälten Sesam aus dem Tschad (99,95 % Reinheit) FCA Berlin bei etwa 1,55 EUR/kg, unverändert zur Vorwoche. Indischer naturbelassener Sesam für den Export wird geringfügig darunter eingeschätzt, während indischer geschälter Sesam in EU-Qualität weitgehend auf diesem Niveau oder etwas schwächer liegt, sodass der Herkunftsspread eng bleibt.
*Umrechnung aus Mandi- und Großhandelsdaten von Ende Juni um 11.000–12.000 INR pro Quintal für Sesam, was je nach Qualität und Standort ungefähr 1,4–1,6 EUR/kg entspricht.
Angebot & Nachfrage
Der Tschad hat sich zu einem bedeutenden Sesamproduzenten entwickelt, mit einer nationalen Produktion, die zuletzt nahe 0,3 Millionen Tonnen gemeldet wurde und mehrere Hunderttausend landwirtschaftliche Haushalte unterstützt. Der Zeitraum von Juni bis September fällt typischerweise mit Aussaat und früher Bestandsentwicklung zusammen, wenn die Vorräte auf den Höfen niedrig sind und die Preise historisch tendenziell fest verlaufen, bedingt durch ein lokales Unterangebot.
Auf der Nachfrageseite bleibt Indien ein wichtiger konkurrierender Ursprung für europäische und asiatische Käufer. Nationale Mandidaten für Ende Juni zeigen durchschnittliche Sesampreise von rund 11.890 INR/Quintal, mit Höchstständen von über 11.000 INR/Quintal in einigen Märkten, was auf einen stetigen internen Wettbewerb um Saat zwischen Ölwerken, Exporteuren und der inländischen Lebensmittelverwendung hinweist. In Kombination mit vergleichsweise attraktiven Exportangeboten für indischen Sesam im Jahr 2026 bleiben die globalen Ersatzkosten damit gut unterlegt.
Wetter & Ernteausblick (Fokus Tschad)
Im zentralen Gürtel des Tschad, einschließlich der Region N’Djamena, markiert der späte Juni den Beginn der Regenzeit mit Tagestemperaturen um 30–40 °C und steigender Luftfeuchtigkeit. Historische Muster und aktuelle saisonale Prognosen deuten auf heiße, feuchte Bedingungen hin, die im Allgemeinen die Bestandsbegründung von Sesam unterstützen, sofern die Niederschläge nicht übermäßig stark ausfallen.
In den vergangenen Tagen gab es keine glaubwürdigen Berichte über größere witterungsbedingte Schäden oder Aussaatverzögerungen in den Sesamgebieten des Tschad. Vor dem Hintergrund einer Rekordproduktion im Jahr 2024 geht der Markt derzeit von einer weiteren soliden Ernte aus, sofern sich das Wetter im Juli–August nicht ungünstig entwickelt. Dies begrenzt das Aufwärtspotenzial der Forwardpreise, verstärkt aber die aktuelle Untergrenze, da Händler sich gegen mögliche Schocks während der Saison absichern.
Fundamentaldaten & politische Signale
Die jüngst bekanntgegebenen Mindeststützungspreise (MSP) Indiens für Ölsaaten, einschließlich Sesam, für das Vermarktungsjahr 2026–27 bestätigen die Absicht der Regierung, die Anreize für Kharif‑Aussaaten aufrechtzuerhalten. Obwohl der MSP primär ein innenpolitisches Instrument ist, setzt er eine Preisuntergrenze und hilft zu erklären, warum sich die Mandipreise bis Ende Juni stabilisiert oder leicht gefestigt haben, trotz moderater Exportkonkurrenz.
Für den Tschad hebt eine jüngere Analyse der Weltbank das rasche Wachstum des Sesamsektors seit 2016 hervor, wobei Exporte inzwischen einen bedeutenden Beitrag zu den ländlichen Einkommen leisten. Diese strukturelle Expansion, zusammen mit der anhaltenden Nachfrage aus Nordafrika, dem Nahen Osten und Asien, spricht für anhaltende Exportströme im Jahr 2026, jedoch nicht zwingend für eine starke Preisrally, sofern Wetter oder Logistik die Ströme nicht stören.
Handelsausblick (nächste 1–2 Wochen)
- Käufer (Europa/MENA): In Betracht ziehen, die Deckung für Herkünfte aus Tschad und Indien schrittweise bei kleineren Rücksetzern in Richtung 1,50 EUR/kg FCA/FOB für Standard‑Geschälte aufzubauen; das Abwärtspotenzial erscheint begrenzt durch saisonale Knappheit im Tschad und MSP‑gestützte Untergrenzen in Indien.
- Verkäufer (Herkunft Tschad): Die aktuellen Niveaus von 1,55 EUR/kg FCA wirken verteidigungsfähig; gestaffelt höhere Offerten nur, falls sich eine stärkere Importnachfrage materialisiert, wobei die Niederschläge im Juli und mögliche Engpässe in der Logistik eng zu beobachten sind.
- Trader: Eine leicht Long‑Bias in nahen Terminen beibehalten, abgesichert mit flexiblen Verkäufen in Märkte, die besonders sensibel auf Qualitäts- und Rückverfolgbarkeitsprämien reagieren, wo geschälter Sesam aus dem Tschad weiterhin einen kleinen Aufschlag gegenüber der massenhaften indischen Ware erzielen kann.
3‑Tage‑Indikation für regionale Preise
In den nächsten drei Handelstagen (30. Juni–2. Juli 2026) dürfte geschälter Sesam aus dem Tschad FCA Berlin weitgehend stabil in einer Spanne von 1,53–1,58 EUR/kg gehandelt werden, was eine ausgewogene Spotnachfrage und begrenztes frisches Angebot widerspiegelt. Angebote für indischen naturbelassenen und geschälten Sesam in Exportkanäle dürften leicht unterhalb oder nahe dieser Spanne bleiben, im Einklang mit den inländischen Mandiniveaus und Währungsbewegungen, jedoch ohne starke Richtungsimpulse auf sehr kurze Sicht.