WTI und Brent steigen in den vorderen Fälligkeiten, während sich die Kurve langfristig abschwächt
Frontmonat-WTI und -Brent steigen auf 80–88 USD, während die Rohölkurve abflacht und Diesel-Cracks historisch hoch bleiben. Kompakter 3-Tage-Ausblick in EUR.
Preise
Der NYMEX‑WTI‑Kontrakt Sep 2026 schloss am 14. August 2026 bei 82,40 USD/bbl, ein Plus von 1,15 USD zum Vortag (+1,4%). Brent Okt 2026 beendete den Handel bei 88,52 USD/bbl und legte damit um 1,45 USD zu (+1,6%). Entlang der Kurve fällt WTI allmählich von rund 82 USD/bbl (Sep 2026) auf etwa 56 USD/bbl gegen Ende 2035–2036, während Brent von etwa 88 USD/bbl (Okt 2026) in Richtung Mitte 60 USD/bbl bis 2037 nachgibt.
Unter Verwendung eines indikative EUR/USD‑Kurses von 1,10 entspricht dies einem Frontmonat‑WTI von rund 74–75 EUR/bbl und Brent nahe 80–81 EUR/bbl. ICE Low‑Sulphur Gasoil (Diesel) für Sep 2026 liegt bei rund 1.243 USD/t (etwa 1.130 EUR/t), wobei auch die Dieselkurve leicht fallend, aber im Vergleich zu Rohöl weiterhin hoch bleibt, was auf nach wie vor starke Mitteldestillat‑Spreads hinweist.
Angebot & Nachfrage
Aktuelle Marktkommentare heben hervor, dass sich das globale Gleichgewicht im Jahr 2026 von einer extremen Knappheit hin zu einer ausgewogeneren oder leicht überschüssigen Situation verschiebt, da die OPEC+‑ und Nicht‑OPEC‑Fördermengen weiter wachsen, während sich die Nachfrage von Nach‑Pandemie‑Spitzen normalisiert. Die kurzfristige Enge hält jedoch an, da die kommerziellen Lagerbestände erst vor Kurzem begonnen haben, sich von niedrigen Niveaus aus wieder aufzubauen, und die US‑Strategische Erdölreserve (SPR) weiterhin — wenn auch langsamer und politisch umstritten — abgebaut wird.
Wöchentliche EIA‑Daten für Ende Juli und Anfang August zeigen deutliche Schwankungen der US‑kommerziellen Rohölvorräte, wobei der jüngste Bericht nach früheren Rückgängen einen kräftigen Aufbau von über 17 Millionen Barrel ausweist. Die Produktbestände, insbesondere bei Destillaten, bleiben im Vergleich zu den Fünfjahresdurchschnitten relativ knapp, was die starken Dieselpreise stützt. Insgesamt deutet das fundamentale Bild auf einen Markt hin, der nicht mehr jede Woche unterversorgt ist, in dem die Lagerbestände aber noch weit davon entfernt sind, belastend zu wirken.
Terminstruktur & Fundamentaldaten
Die WTI‑ und Brent‑Kurven sind klar backwardiert: Promptkontrakte handeln mit Aufschlag gegenüber späteren Liefermonaten, doch die Steigung flacht jenseits von 2027–2028 spürbar ab. Beim WTI fällt der Strip von den niedrigen 80er‑USD/bbl Ende 2026 in Richtung etwa 60 USD/bbl zu Beginn der 2030er‑Jahre und in den hohen 50er‑Bereich bis 2035–2036. Brent folgt einem ähnlichen Muster und sinkt im gleichen Zeitraum von den hohen 80ern in die Mitte 60 USD/bbl.
Diese Konfiguration signalisiert einen Markt, der Knappheit bei sofort verfügbaren Barrel einpreist — im Einklang mit niedrigen Produktbeständen und anhaltenden SPR‑Abzügen —, zugleich aber über den langen Zeitraum reichliche Angebotszuwächse und eine moderatere Nachfrageentwicklung erwartet. Der mittelfristige Ausblick der OPEC geht weiterhin von zusätzlichem Nachfragewachstum bis 2026 aus, wenn auch in geringerem Tempo, und stützt damit die Sicht eines derzeit angespannten, später aber komfortabler versorgten Marktes.
Handels- & Risikoausblick
- Moderate Long‑Positionen in vorderen WTI-/Brent‑Monaten beibehalten: Backwardation und weiterhin knappe Produktbestände sprechen für eine gewisse Prompt‑Exposure, während die wöchentlichen Lagerdaten eng zu verfolgen sind, um zu erkennen, ob sich die jüngsten Aufbauten zu einem Trend entwickeln oder eher einmalig bleiben.
- Rallys in langen Laufzeiten zum Verkauf erwägen: Der stetige Rückgang beider Kurven in die 2030er‑Jahre deutet unter den aktuellen Nachfrage‑ und Angebotserwartungen auf begrenztes Aufwärtspotenzial bei sehr langfristigen Preisen hin. Produzenten können dies nutzen, um bei weiterhin attraktiven Forward‑Niveaus über 60 USD/bbl (≈ 55 EUR/bbl) sukzessive Hedges aufzubauen.
- Diesel‑Spreads genau beobachten: Hohe Dieselpreise gegenüber Rohöl stützen die Raffineriemargen, begrenzen aber zugleich die Endnachfrage. Eine starke Korrektur der Crack‑Spreads wäre ein Frühindikator dafür, dass die derzeitige Stärke beim Rohöl kurzfristig nachlassen könnte.
3‑Tage‑Richtungsausblick (in EUR)
- WTI (CME/NYMEX, Frontmonat, EUR/bbl): Leicht aufwärts bis seitwärts tendiert, um 73–77 EUR, mit Volatilität getrieben von US‑Lagerüberschriften und der allgemeinen Makro‑Risikostimmung.
- Brent (ICE, Frontmonat, EUR/bbl): Voraussichtlich mit Aufschlag im Bereich von 79–83 EUR; geopolitische Risikoaufschläge und OPEC+‑Guidance bleiben zentrale Stützfaktoren.
- Diesel (ICE Gasoil LS, Frontmonat, EUR/t): Voraussichtlich anhaltend hoch in einer breiten Spanne von 1.100–1.160 EUR, was auf weiterhin knappe Mitteldestillat‑Bilanzen trotz geringfügiger täglicher Korrekturen hinweist.