Ukrainische Erbsenpreise fallen die vierte Woche in Folge deutlich – infolge geschlossener Seetransporte, schwacher Exportnachfrage und träger Inlandsnachfrage. Der kurzfristige Ausblick bleibt bärisch.
Preise
Am Morgen des 26. August werden ukrainische Export-Nachfragepreise für Erbsen überwiegend mit 9.000–11.000 UAH/t DAP angegeben und liegen damit deutlich unter der Spanne von 12.000–14.000 UAH/t DAP, die vor einem Monat üblich war. Auf dem Inlandsmarkt liegen die Nachfragepreise für Leguminosen bei rund 7.000–8.500 UAH/t CPT und damit ebenfalls etwa 2.000 UAH/t niedriger als vor einem Monat.
Umgerechnet mit etwa 44 UAH/EUR entsprechen die aktuellen Exportindikationen rund 205–250 EUR/t DAP gegenüber etwa 275–320 EUR/t vor einem Monat. Spotangebote in Odessa für getrocknete Erbsen (gelb und grün, 98 % Reinheit, FCA) passen im Wesentlichen zu diesem Bild und zeigen, dass die deutliche Abwärtskorrektur vor allem zwischen Ende Juli und Mitte August erfolgte, wobei sich die Preise in der letzten Woche auf niedrigerem Niveau stabilisiert haben.
Angebot & Nachfrage
Die Ukraine ist weiterhin gut mit neuerntigen Erbsen versorgt, während die Schließung der Seetransporte den Zugang zu den traditionellen Absatzmärkten in der MENA-Region und in Asien stark einschränkt. Getreide- und Hülsenfruchtverschiffungen über ukrainische Seehäfen sind Anfang August auf rund 30 % des normalen Bedarfs gefallen, wobei der Donaukorridor sowohl durch Sicherheitsvorfälle als auch durch niedrige Wasserstände limitiert ist und den Verlust der Kapazitäten im Schwarzen Meer nicht vollständig ausgleichen kann.
Auf der Nachfrageseite agieren Exportkäufer aufgrund von Frachtrisiken und höheren Logistikkosten vorsichtig, viele weichen auf alternative Herkünfte aus. Dadurch stehen ukrainische Verkäufer unter starkem Preiswettbewerb, um Mengen über Land- und Flussrouten zu platzieren. Inländische Futter- und Lebensmittelverarbeiter können daher niedrigere CPT-Preise durchsetzen, was die bärische Grundstimmung zusätzlich verstärkt.
Wetter & Logistik
Das kurzfristige Wetter in den wichtigsten Erbsenregionen in der Zentral- und Südukraine ist saisonal warm und überwiegend trocken, was den Erntefortschritt und die Qualität unterstützt, jedoch wenig zur Entschärfung der Exportengpässe beiträgt. Die Hauptbegrenzung liegt weiterhin in der Logistik und nicht in den agronomischen Bedingungen. Wiederholte Angriffe und Sicherheitsvorfälle rund um Infrastruktur am Schwarzen Meer und an der Donau stören den Schiffsverkehr und halten die Versicherungskosten auf hohem Niveau.
Infolgedessen dürfte die Verlagerung auf Land- und Flussrouten kurzfristig anhalten. Die Kapazität dieser Routen reicht nicht aus, um normale Exportmengen aufzunehmen, was die Inlandsüberhänge bei Erbsen und anderen Hülsenfrüchten verstärkt und jede Preiserholung trotz relativ normaler Erntebedingungen deckelt.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- Exportblockade: Die Schließung der Seetransporte ist der Haupttreiber des vierwöchigen Preisrückgangs, dämpft die externe Nachfrage und erzwingt Preisabschläge, um Volumen zu bewegen.
- Inlandsnachfrage: Der inländische Verbrauch wächst nur moderat und kann den Ausfall der Seetransporte nicht kompensieren, wodurch der Markt strukturell überversorgt bleibt.
- Wettbewerb anderer Herkünfte: Stabile Erbsenpreise im Vereinigten Königreich und in anderen Ursprüngen verringern den Druck auf internationale Käufer, ukrainische Ware aggressiv zu bieten, solange die Logistikrisiken hoch bleiben.
- Währung & Kosten: Eine relativ schwache Hrywnja unterstützt die Wettbewerbsfähigkeit ukrainischer Exporte in Euro, wird jedoch durch Fracht-, Versicherungs- und Routenprobleme überkompensiert.
Ausblick & Handelsempfehlungen
In den kommenden ein bis zwei Wochen dürfte der ukrainische Erbsenmarkt unter Druck bleiben, solange die Seetransporte eingeschränkt sind und erntebedingte Verkäufe anhalten. Eine spürbare Preiserholung würde entweder eine teilweise Wiedereröffnung der maritimen Routen oder eine deutliche Ausweitung der Kapazitäten alternativer Logistik erfordern – beides ist kurzfristig nicht absehbar.
- Erzeuger: Erwägen Sie, einen Teil der Mengen zu aktuellen Niveaus zu verkaufen, um Lager- und Liquiditätsrisiken zu reduzieren, behalten Sie jedoch eine gewisse Flexibilität für den Fall späterer logistischer Verbesserungen.
- Exporteure: Konzentrieren Sie sich auf Nischenziele, die über Donau- und Landrouten erreichbar sind; sichern Sie Logistik frühzeitig und hedgen Sie Währungsrisiken, wo möglich.
- Inländische Käufer: Nutzen Sie den schwachen Markt, um die Deckung bis ins 4. Quartal 2026 auszubauen, staffeln Sie die Käufe jedoch, um von einer möglichen zusätzlichen kurzfristigen Schwäche zu profitieren.
3‑Tage-Richtungsausblick Preise (EUR)
- Ukraine, Erbsen FCA Odessa: Leicht abwärts bis seitwärts; Preise dürften um die aktuellen 0,18 EUR/kg (gelb) und 0,22 EUR/kg (grün) mit leicht bärischer Tendenz pendeln.
- Ukraine, inländische CPT-Regionen: Stabil bis leicht schwächer in EUR/t, da Käufer angesichts reichlicher Versorgung und begrenzter Exportalternativen den Druck aufrechterhalten.
- Westeuropa (FOB UK-Erbsen): Weitgehend stabil; vom ukrainischen Markt allein sind kurzfristig keine größeren Impulse zu erwarten.