Cashew-Markt auf dem Drahtseil: Feste RCN-Preise, gedrückte Margen und Festtagsnachfrage
Globaler Cashew-Markt im Umbruch: feste Rohnuss-Preise, schwache Kernmargen in Vietnam, starke indische Festtagsnachfrage und günstige Ernteaussichten in Ostafrika.
Preise
RCN-Preise bleiben fest, insbesondere für höher ausbringende Partien, die für Indien bestimmt sind. Jüngste CNF-Ho-Chi-Minh-Angebote aus Westafrika konzentrieren sich je nach Ausbeute um 1.400–1.610 USD/Tonne, wobei Côte d’Ivoire-Material mit 46–47 lb einen klaren Aufschlag gegenüber niedrigeren Qualitäten erzielt. Dieser Aufschlag unterstreicht den starken Wettbewerb um qualitativ hochwertige Nüsse vor der indischen Festtagssaison.
Vietnam verzeichnete im August 2026 einen Rückgang der RCN-Importe um 30,85 % gegenüber dem Vorjahr auf 186.471 Tonnen, während der durchschnittliche Importpreis um 9,63 % auf etwa 1.596 USD/Tonne stieg. Im Zeitraum Januar–August gingen die Mengen um 2,13 % zurück, während die Durchschnittspreise um 8,14 % auf rund 1.658 USD/Tonne zulegten – ein Hinweis auf eine strukturelle Verteuerung der Rohware statt eines kurzfristigen Preisspitze.
Auf der Kernseite liegen Benchmark-Angebote für W320 aus Vietnam weiterhin bei etwa 3,05–3,35 USD/lb FOB, wobei einige westliche Gebote für nahe Termine noch näher bei 3,00–3,10 USD/lb liegen. 【citeturn0search2】 Aktuelle Transaktionsindizien liegen dicht an den genannten Angeboten: WW320 bei rund 7,00 USD/kg und WW240 bei 7,80–7,90 USD/kg FOB Ho Chi Minh, wobei ganze Qualitäten in den letzten Wochen weitgehend unverändert waren, während Bruchware (LP, DW320, SK) um etwa 0,10 USD/kg zugelegt hat. 【citeturn0search0turn0search11】
Angebot & Nachfrage
Die Importstruktur Vietnams verändert sich, statt einzubrechen. Die RCN-Zugänge im Zeitraum Januar–Juli stiegen im Jahresvergleich um 1,91 % auf 1,933 Mio. Tonnen, obwohl die Volumina im August deutlich zurückgingen. Kambodscha baute seine Position als dominanter RCN-Ursprung für Vietnam mit nahezu 1,0 Mio. Tonnen (+10,57 % gegenüber Vorjahr) weiter aus, während Nigeria, Ghana und Indonesien ihre Exporte nach Vietnam um 30–40 % reduzierten und die bereinigten Zuflüsse aus Côte d’Ivoire – ohne Altware – deutlich niedriger ausfielen.
Auf der Exportseite verschiffte Vietnam im August 65.880 Tonnen Kerne, ein Rückgang um 5,38 % nach Volumen, bei leicht höherem Exportwert infolge eines Anstiegs der Durchschnittspreise um 5,9 % auf rund 7.203 USD/Tonne. Von Januar bis August sanken die Kernexporte um 0,89 % auf 477.894 Tonnen, der Wert stieg jedoch um 2,85 %, und die durchschnittlichen Exportpreise kletterten auf etwa 7.061 USD/Tonne. Für das Gesamtjahr wird mit mindestens 3 % weniger Kernexporten gerechnet – ein Zeichen dafür, dass hohe Rohstoffkosten und begrenzte Neunachfrage die Ausweitung des Handels bremsen.
Indien ist derzeit das dynamischste Nachfragezentrum. Die inländische Festtagsbevorratung hat die Nachfrage nach W320 und W400 im Endverbrauchersegment sowie nach Bruchware für Süßwaren, Snacks und Konfekt getrieben. Spotpreise in den wichtigsten indischen Knotenpunkten stiegen zwischen Ende Juli und Ende August um 5–11 %, mit W320 in Gujarat nahe 950 INR/kg und in Mangalore bei rund 900+/kg – ein Hinweis auf einen breit angelegten Aufwärtstrend statt vereinzelter Preisspitzen.
Côte d’Ivoire diversifiziert sich weiter weg von der reinen Rohnussrolle und exportierte im Zeitraum Januar–Juli 2026 76.262 Tonnen verarbeitete Kerne zu einem durchschnittlichen CIF-Wert von rund 5.230 USD/Tonne. Vietnam, Europa, die Vereinigten Staaten und China sind inzwischen Schlüsselmärkte und unterstreichen die wachsende Bedeutung Westafrikas im Kerngeschäft, was mittelfristig den Boden für stärkeren Wettbewerb zwischen Ursprüngen in Afrika und Asien bereitet.
Fundamentaldaten & Margen
Die zentrale Spannung im Markt liegt in der Spanne zwischen festen RCN-Preisen und nur moderaten Preissteigerungen bei Kernen. Vietnamesische Verarbeiter zahlen pro Tonne Rohware mehr, während die RCN-Importmengen stagnieren oder sinken – das drückt die Verarbeitungmargen. Viele kleinere Schälbetriebe in Vietnam haben den Betrieb bereits eingestellt, weil Kernpreise von etwa 3,00–3,10 USD/lb die erhöhten Rohwaren- und Verarbeitungskosten nicht vollständig decken.
Indikative vietnamesische FOB-Angebote für Kerne liegen derzeit grob bei 4,35–4,55 USD/lb für W180, 3,45–3,60 USD/lb für W240 und 3,05–3,35 USD/lb für W320, mit Bruchware wie LP bei 1,95–2,20 USD/lb und SP bei 1,35–1,60 USD/lb. Diese Niveaus entsprechen weitgehend anderen aktuellen Handelsberichten, die WW320 bei etwa 7,00 USD/kg FOB und WW240 nahe 7,90 USD/kg verorten. 【citeturn0search2turn0search4turn0search11】
Demgegenüber liegen Indiens FOB-Kernpreise für W240 und W320 über denen Vietnams und afrikanischer Ursprünge: etwa 4,00 USD/lb bzw. 3,80 USD/lb, gegenüber rund 3,5–3,6 USD/lb (W240) und 3,2–3,3 USD/lb (W320) in Vietnam und etwa 3,45 USD/lb für W320 aus Afrika. Dieser Aufschlag spiegelt eine starke Inlandsnachfrage, höhere Kostenstrukturen und den in bestimmten Segmenten beigemessenen Mehrwert des indischen Ursprungs wider.
Die – wenn auch nur teilweise indikativen – afrikanischen Kernwerte bestätigen diese Hierarchie: FOB-Angebote in Westafrika lagen Ende August bei rund 3,65–3,80 USD/lb für W240 und 3,40–3,50 USD/lb für W320, mit deutlich diskontierten Bruch- und Industriequalitäten. Diese Niveaus halten Afrika preislich wettbewerbsfähig zu Vietnam und bieten zugleich Ursprungsdiversifikation, insbesondere für Käufer, die ihr Exposure gegenüber asiatischen Verarbeitern ausbalancieren möchten.
Währungsschwankungen bilden eine weitere Einflussgröße. Eine etwas festere indische Rupie gegenüber dem US-Dollar Anfang September hat die lokalen INR-Kernpreise leicht gestützt, während die Währungen wichtiger afrikanischer Lieferländer wie Tansania und Nigeria weiterhin die Erzeugererlöse und Exportparitäten beeinflussen. Bislang ist FX im Vergleich zu physischen Angebots- und Nachfragefaktoren ein sekundärer Treiber, aber abrupte Bewegungen könnten die Exportwettbewerbsfähigkeit rasch verändern.
Wetter & Ernteausblick
Die Wetterbedingungen Anfang September in Tansania und Mosambik waren für Cashewbäume überwiegend günstig, mit Nachttemperaturen um 11–15 °C und Tagestemperaturen bis zu 30 °C sowie leichten Niederschlägen (unter 10 mm) bei überwiegend trockenen Verhältnissen. Diese Parameter unterstützen die Nussentwicklung und die Erntevorbereitung, und beide Länder gehen mit positivem agronomischem Umfeld in ihre Saison 2026/27.
Die Ernte in Tansania beginnt voraussichtlich in etwa fünf bis sechs Wochen, in Mosambik in etwa acht Wochen – frische ostafrikanische Ware rückt damit klar in den Fokus für das vierte Quartal. Tansanias langfristige Strategie, die Produktion bis 2030 auf 1 Mio. Tonnen zu steigern und neue Verarbeitungsinvestitionen anzuziehen, zusammen mit ähnlichen Initiativen in Mosambik, könnte nach und nach mehr Wertschöpfung nach Afrika verlagern. Kurzfristig stellt sich jedoch vor allem die Frage, ob die bevorstehende ostafrikanische Ernte ausreichend groß und hochwertig ausfällt, um die aktuelle RCN-Knappheit zu entschärfen.
Handelsausblick
- Kurzfristig (nächste 4–6 Wochen): Weiterhin feste Tendenz bei hoch ausbringenden RCN ist zu erwarten, gestützt durch die indische Festtagsnachfrage und begrenzte hochwertige afrikanische Angebote. Die Kernpreise dürften in einer Spanne verharren, mit W320 um 3,00–3,35 USD/lb FOB Vietnam, wobei Indien einen Aufschlag beibehält.
- In Richtung ostafrikanische Ernte (6–10 Wochen): Sollten die Ernten in Tansania und Mosambik den aktuellen Erwartungen entsprechen, dürfte zusätzliches RCN-Angebot den weiteren Aufwärtsspielraum bei Rohnusspreisen begrenzen und gegen Jahresende eine gewisse Entspannung der Beschaffungskosten ermöglichen. Jede wetterbedingte Störung oder logistische Engpässe würden umgekehrt die Knappheit verlängern.
- Margen & Ursprungsauswahl: Käufer sollten die Verarbeitungsmargen in Vietnam genau beobachten; weitere Schließungen kleinerer Betriebe könnten die verfügbare Spotmenge an Kernen verringern und die Abhängigkeit von größeren Packern und afrikanischen Verarbeitern erhöhen. Indische Kerne dürften ein Premium-Nischensegment bleiben, insbesondere für Markenprodukte im Einzelhandel und Geschenkartikel.
Strategische Hinweise für Marktteilnehmer
- Kernkäufer (Röster, Einzelhändler, Industriekunden): Erwägen Sie eine Vorabdeckung für W320 und wichtige Bruchsorten über das indische Festtagsfenster hinweg, mit Schwerpunkt auf Vietnam und afrikanischen Ursprüngen, solange die Abschläge gegenüber Indien erheblich bleiben. Für Industrienutzer legt die schrumpfende Preisdifferenz zwischen ganzen und gebrochenen Qualitäten nahe, die Sortenwahl dort zu überprüfen, wo die Optik weniger entscheidend ist.
- Importeure und Händler: Halten Sie eine diversifizierte RCN-Beschaffung zwischen Kambodscha und Westafrika aufrecht und verfolgen Sie die Ernteberichte aus Ostafrika genau. Angesichts fester RCN-Preise und fragiler Verarbeitungsmargen sollten Sie vermeiden, sich auf niedrig bepreiste Kernverkäufe festzulegen, ohne die entsprechende Rohwarenabsicherung gesichert zu haben.
- Verarbeiter in Ursprungsländern: Konzentrieren Sie sich auf hoch ausbringende, rückverfolgbare Partien und maximieren Sie die Verwertung von Nebenprodukten (z. B. Schalen, CNSL), um die dünnen Kernmargen zu kompensieren. Investitionen in Effizienz und Automatisierung werden entscheidend sein, da der Wettbewerb durch neue afrikanische Verarbeitungskapazitäten zunimmt.
3‑Tage-Regionale Preisindikation (Richtung)
- Vietnam (FOB Ho Chi Minh / Hanoi): WW320 und WW240 dürften sich in den nächsten drei Tagen in EUR weitgehend seitwärts bewegen, mit leicht fester Tendenz bei Bruchsorten LP/WS/LP aufgrund stabiler Industrienachfrage.
- Indien (FOB New Delhi): W240 und W320 werden voraussichtlich fest bis leicht fester in EUR bleiben, da die inländische Festtagsnachfrage anhält und die Rupie relativ stabil ist.
- Europa (FCA Niederlande): WW320- und LWP-Indikationen stabil, was ausreichende Vorräte in der Nähe widerspiegelt; kurzfristige Bewegungen dürften eher durch FX- und Frachtanpassungen als durch Ursprungsverschiebungen bestimmt werden.