CMB Emblem
Cashewmarkt: Vorsichtige Nachfrage, schwache RCN, aber W240 bleibt fest

Cashewmarkt: Vorsichtige Nachfrage, schwache RCN, aber W240 bleibt fest

CMB
CMB News Redaktion
Editorial Desk

Cashewmarkt im Juni 2026: Käufer bleiben vorsichtig, RCN schwächt sich ab, W240 bleibt knapp, W320 unter Druck und Logistikrisiken über die Straße von Hormus halten die Frachtkosten hoch.

Die Vorsicht der Käufer und hohe Logistikrisiken begrenzen weiterhin das Aufwärtspotenzial bei Cashews: Die RCN‑Preise geben nach, da die westafrikanische Saison ausläuft, aber erhöhte Rohwarenkosten gegenüber schwachen Kernelpreisen setzen die Verarbeiter weiter unter Druck. W240‑Kerne bleiben die deutliche Ausnahme: begrenzte Verfügbarkeit und feste Preise stehen im Kontrast zur schleppenden Nachfrage nach W320. Die Gesamtsentiment ist defensiv. Verarbeiter in Vietnam und Indien kaufen RCN selektiv, da die Spät­saison­qualität in wichtigen westafrikanischen Ursprüngen unter den saisonalen Regenfällen nachlässt. Die Nachfrage aus dem Golf ist verhalten – belastet durch wirtschaftliche Unsicherheit und die anhaltende Krise in der Straße von Hormus, die Fracht‑ und Versicherungskosten für Middle‑East‑verknüpfte Ströme in die Höhe treibt. Vor diesem Hintergrund wird der Handel zunehmend auf Sicht gefahren; Experten empfehlen 3–4 Monate vorausschauende Kerneldeckung als sinnvolle Absicherung gegen Logistik‑ und Routenstörungen.

Preise & Spreads

Kernelpreise stehen insgesamt weiter unter Druck, doch W240 hält einen klaren Aufschlag. Jüngste vietnamesische FOB‑Indikationen zeigen W240 bei etwa 3,35–3,55 USD/lb, gegenüber W320 bei 3,02–3,35 USD/lb; einige Experten‑Benchmarks liegen sogar höher – bei rund 3,65 USD/lb für WW240 und 3,30 USD/lb für WW320. Da RCN in vielen Geschäften weiterhin teuer ist, ist die Marge Kernel–RCN bei durchschnittlichen Ausbeuten dünn bis negativ, was eine aggressive Verarbeitung unattraktiv macht.

Aktuelle physische Angebote in Europa und Indien bestätigen diese Struktur in Euro. Indikativer nicht‑biologischer W240 aus Indien liegt bei rund 7,3–7,4 EUR/kg FCA/FOB, während W320 etwas niedriger bei etwa 6,8–6,9 EUR/kg gehandelt wird. Vietnam WW240 liegt bei rund 7,7 EUR/kg FOB und WW320 bei etwa 6,8 EUR/kg, mit stärkeren Abschlägen bei Bruch‑ und Stückware. Die Preisbewegungen der vergangenen drei Wochen waren für die Top‑Whole‑Grades moderat fester und für die unteren Qualitäten weitgehend stabil bis leicht schwächer – ein Spiegelbild der Qualitäts‑ und Nachfragespreizung.

BASIC
Marktdaten-Tabelle
Schwarzer Pfeffer6.850 €/t+2,3 %
Koriander1.240 €/t−0,8 %
Kreuzkümmel2.100 €/t+1,5 %
Zimt (Cassia)8.900 €/t+0,4 %
Kurkuma3.200 €/t−1,2 %
Kardamom grün18.500 €/t+3,1 %
Ingwer (getr.)1.850 €/t+0,9 %
Chili (getr.)2.750 €/t−0,5 %
Schwarzer Pfeffer6.850 €/t+2,3 %
Koriander1.240 €/t−0,8 %
Kreuzkümmel2.100 €/t+1,5 %
Zimt (Cassia)8.900 €/t+0,4 %
Kurkuma3.200 €/t−1,2 %
Kardamom grün18.500 €/t+3,1 %
Ingwer (getr.)1.850 €/t+0,9 %
Chili (getr.)2.750 €/t−0,5 %
Die vollständige Tabelle mit aktuellen Preisen und Trends findest du auf CMBroker.
Charts öffnen →

Angebot & Nachfrage

Die weltweite Kerne‑Nachfrage bleibt vorsichtig. Käufer in den wichtigsten Konsumregionen decken überwiegend nur ihren Nahbedarf und meiden längerfristige Verpflichtungen angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit und geopolitischer Risiken. Die Nachfrage aus wichtigen Golfmärkten wie den VAE, Saudi‑Arabien und Irak hat deutlich nachgelassen – belastet sowohl durch schwächeren lokalen Konsum als auch durch die anhaltende Störung der Schifffahrtsrouten durch die Straße von Hormus, wo das Schiffsaufkommen und die Versicherungsbedingungen weiterhin weit vom Normalzustand entfernt sind.

Auf der Angebotsseite entsteht strukturelle Spannung durch die Diskrepanz zwischen hohen RCN‑Preisen und den aktuellen Kernelwerten. Verarbeiter in Vietnam und Indien scheuen davor zurück, RCN‑Bestände bei verlustbringenden Crush‑Margen aufzubauen. Viele vietnamesische Werke picken gezielt Cargoladungen mit hoher Ausbeute (51–53 lbs KOR) heraus und lassen schwächere Partien liegen, während sich indische Käufer auf strategische Importe konzentrieren – trotz bereits hoher Volumina im Zeitraum Januar–April, die mit mehr als 40 % Plus im Jahresvergleich bei rund 315.000 MT liegen. Dieses selektive Einkaufsverhalten steht im Kontrast zu nachgebenden RCN‑Preisen, da die westafrikanische Kampagne ihrem Ende zugeht.

Fundamentaldaten der Ursprünge

Vietnam: Margendruck, Grade‑Selektivität

In Vietnam haben sich die RCN‑Preise von ihren früheren Hochs gelöst, bleiben jedoch im Verhältnis zu den Kernelpreisen teuer und halten die Verarbeiter unter Druck. Gemeldete Abschlüsse umfassen Guinea‑Bissau‑RCN bei etwa 1.660 USD/MT CNF und Benin bei 1.565 USD/MT, während die Angebots­spanne grob von rund 1.330 USD/MT für 43 lbs KOR aus Burkina Faso bis zu 1.560 USD/MT für 49 lbs KOR Boke‑Ursprung reicht. Auf diesen Niveaus sind nur Partien mit hoher Ausbeute attraktiv, was den Fokus auf Premium‑Kerne wie W240 und hochwertige W320 verstärkt.

Das Kerngeschäft spiegelt diese Woche ein festes W240‑Niveau und weiterhin laufende W320 wider, allerdings bei begrenzten Volumina. Abschlüsse in die USA werden bei etwa 3,02 USD/lb für W320 und 3,35–3,40 USD/lb für W240 berichtet, während Verkäufe in die EU ähnliche Differenzen zeigen, mit zusätzlichen Abschlägen für WS und LP. Die Kombination aus vorsichtiger Offshore‑Nachfrage und angespannten Rohwaren‑Ökonomien erklärt, warum Verarbeiter zögern, sich bei Vorwärtsverkäufen stark zu engagieren.

Westafrika: Saison läuft aus, Qualität verschlechtert sich

In ganz Westafrika befindet sich die Cashewvermarktung klar in der Spätphase. Ghana, Nigeria, Côte d’Ivoire und Burkina Faso berichten alle von nachlassender Aktivität, da die Haupt­ernte ausläuft und die Regenzeit voranschreitet. Die verbleibenden Bestände auf Farm‑ und Dorfebene bestehen zunehmend aus Spätsaison‑Nüssen mit geringerer KOR, in Ghana häufig unter 40 lbs – deutlich unterhalb der Schwellenwerte von Exporteuren und Verarbeitern.

Die Preise haben sich entsprechend diesem Qualitätstrend abgeschwächt. In Ghana liegen die Farmgate‑Preise bei etwa 7–8 GHS/kg, während in Nigeria ab Hof gelieferte Preise in etwa bei 1.700 NGN/kg und Farmgate bei rund 1.400 NGN/kg liegen. In Côte d’Ivoire belaufen sich die Farmgate‑Preise auf rund 200–375 CFA/kg und etwa 450–455 CFA/kg im Hafen, während Burkina Faso in seinen aktivsten Märkten 500–525 CFA/kg verzeichnet. Regional werden RCN geringerer Qualität mit 43–46 lbs KOR inzwischen um 1.350–1.450 USD/MT gehandelt; selbst 51–53 lbs KOR sind von ihren früheren Spitzen zurückgekommen, da die Dringlichkeit zur Eindeckung nachlässt.

Indien: Starke RCN‑Importe, schwächere Kernel‑Exporte in den Golf

Indiens Rolle bleibt zentral. Die RCN‑Importe im Zeitraum Januar–April 2026 stiegen im Jahresvergleich um 41,4 % auf etwa 315.000 MT bei einem Durchschnittspreis von 1.641 USD/MT, angeführt von Lieferanten aus Tansania, Mosambik und Westafrika. Allein im April trafen fast 59.000 MT ein, mit Nigeria und Ghana als Hauptlieferanten. Zusätzliche neue Ernte aus Nigeria, Côte d’Ivoire und Ghana wird für Juni in indischen Häfen erwartet, was das kurzfristige Angebot erhöht und den leicht weicheren RCN‑Preistrend voraussichtlich stützt.

Die Kerne‑Exporte zeigen hingegen ein gemischtes Bild. Die gesamten Ausfuhren im Januar–April von rund 9.650 MT haben einen durchschnittlichen Warenwert von etwa 7.900 USD/MT, doch die Volumina in Golfmärkte wie die VAE, Saudi‑Arabien, Kuwait und Katar sind gegenüber 2025 rückläufig – ein Spiegel schwächerer Nachfrage und Handelsfriktionen aufgrund regionaler Spannungen. Oman bildet eine Ausnahme: Die Mengen haben sich mehr als verdoppelt, unterstützt durch das neue India–Oman‑CEPA, das einen breiteren zollfreien Zugang gewährt und die indischen Kernel‑Exporte in diesen Markt strukturell stützen dürfte.

Weitere Nachfragezentren: Türkei, Japan und die EU

Außerhalb des Golfs bauen Importländer Cashews trotz kurzfristiger Vorsicht weiter als Snacks und Zutaten im Standardsortiment aus. Die türkischen Kernelimporte im 1. Quartal 2026 erreichten etwa 10.675 MT und haben sich damit binnen zwei Jahren mehr als verdoppelt, bei einem Durchschnittswert von rund 7.215 USD/MT. Japan importierte im Zeitraum Januar–April rund 4.260 MT, wobei Vietnam Hauptlieferant ist, indische Ware aber einen deutlichen Aufschlag erzielt – bei etwa 8.300–8.500 USD/MT gegenüber vietnamesischen Kernen bei rund 7.400–7.650 USD/MT.

EU‑Käufer nahmen in den ersten vier Monaten zusammen rund 2.650 MT indischer Kerne auf – etwa 27–28 % der gesamten indischen Exporte –, wobei die Niederlande und Spanien die wichtigsten Eintrittspunkte und Re‑Export‑Drehscheiben sind. Doch auch hier bleibt das Einkaufsverhalten kurzfristig ausgerichtet, mit geringem Interesse an längerfristiger Deckung angesichts makroökonomischer und frachtbezogener Unsicherheit.

Wetter- & Logistikausblick

Wetter ist inzwischen eher ein Treiber der Spät­saison‑Qualität als der Volumina. Saisonale Regenfälle in Westafrika wirken sich bereits auf die RCN‑Qualität aus – sichtbar an den unter 40 lbs liegenden Ausbeuten in Ghana und einer allgemeinen Verschlechterung in Côte d’Ivoire und Benin. Dies dürfte jede kurzfristige Erholung der Rohwarenwerte für verbleibende Bestände begrenzen, da Käufer witterungsgeschädigte Partien zunehmend mit Abschlag bewerten oder meiden.

Demgegenüber ist Logistik das dominierende externe Risiko. Die Krise in der Straße von Hormus ist weiterhin ungelöst, die Schifffahrtsströme liegen noch immer drastisch unter Normalniveau und die Kriegsrisiko‑Versicherungskosten sind extrem hoch. Jüngste Berichte zeigen, dass nur ein Bruchteil der Vorkriegs‑Schiffszahlen die Passage nutzt und zehntausende Seeleute in der weiteren Golfregion festsitzen. Vor diesem Hintergrund steigen Frachtkosten und Transitzeiten für Cashew‑Sendungen, die an Golf‑Hubs oder entsprechende Routen gekoppelt sind – ein Argument für Sicherheitsbestände am Bestimmungsort und eine sorgfältige Vertragsgestaltung.

Markt- & Handelsausblick

Der kurzfristige Ausblick ist gemischt. Es wird erwartet, dass die RCN‑Preise weiter nachgeben, wenn die westafrikanische Saison ausläuft und verbleibende qualitätsschwächere Bestände liquidiert werden. Dies wird jedoch nicht automatisch zu deutlich niedrigeren Kernelpreisen führen, solange die Verarbeiter diszipliniert bei der Rohwarenaufnahme bleiben und weiterhin selektiv Partien mit hoher Ausbeute einkaufen. W240 dürfte strukturell knapp bleiben – begrenzte Bestände und Sorgen über niedrigere Erträge in Côte d’Ivoire und Ghana sprechen für einen anhaltenden Aufschlag gegenüber W320.

Die Nachfragerisiken sind nach unten gerichtet, insbesondere aus den Golfmärkten, wo wirtschaftliche Gegenwinde und Handelsstörungen zusammenfallen. Gleichzeitig sollten eine wachsende Nachfrage in der Türkei, in Japan und Teilen der EU sowie politische Unterstützung – etwa durch India–Oman‑CEPA und neue Verarbeitungsinitiativen in Ghana – das strukturelle Wachstum im mittleren Zeithorizont stützen. Wechselkursentwicklungen, insbesondere die jüngste Erholung der indischen Rupie nach einem Allzeittief, werden in den kommenden Wochen ebenfalls Einfluss auf die lokalen Preise und die Exportwettbewerbsfähigkeit haben.

Handelsempfehlungen

  • Industriekäufer / Röster: Halten Sie – wie von Marktexperten empfohlen – eine Vorwärtsdeckung von 3–4 Monaten in W320 und W240, und priorisieren Sie W240 dort, wo die Spezifikationen es erfordern, angesichts sehr niedriger Bestände und anhaltender Knappheit.
  • Markenartikler im Einzelhandel: Nutzen Sie die aktuelle Schwäche bei Bruch- und Kleinstück‑Graden (LWP, SWP, LP, SP), um kostengünstige Rohware für Value‑ und Zutatenlinien zu sichern, staffeln Sie die Käufe jedoch, um von einer möglichen weiteren RCN‑getriebenen Abschwächung zu profitieren.
  • Importeure in Golf‑gebundenen Märkten: Kalkulieren Sie Puffer für Fracht- und Versicherungskosten in die Landekosten ein und erwägen Sie eine Diversifizierung der Löschhäfen und Routen, um Hormus‑bedingte Störungen zu begrenzen.
  • Händler aus westafrikanischen Ursprüngen: Priorisieren Sie die rasche Vermarktung und klare Differenzierung der verbleibenden hochwertigen Bestände, bevor witterungsbedingte Qualitätseinbußen weiter zunehmen – auch wenn dies mit leicht niedrigeren absoluten Preisniveaus einhergeht.

3‑Tage-Preisrichtung im Überblick (EUR)

  • Indien, Neu-Delhi (FCA Kerne): W240 um 6,9–7,0 EUR/kg, W320 bei 6,8–6,9 EUR/kg; Tendenz: seitwärts bis leicht fester bei W240, seitwärts bei W320.
  • Vietnam, Hanoi (FOB Kerne): WW240 etwa 7,7 EUR/kg, WW320 rund 6,8 EUR/kg; Tendenz: stabil, mit begrenztem Aufwärtspotenzial wegen schwacher Nachfrage.
  • EU-Hub, Niederlande (FCA Kerne): WW320 etwa 4,8–5,0 EUR/kg; Tendenz: leicht weich bei vorsichtigem Abverkauf und ausreichendem Nahangebot.
BASIC
Live-Chart
Den interaktiven Chart findest du auf CMBroker.
Charts öffnen →
PREMIUM
KI-Agent
Was treibt aktuell die Chilli-Prämie?
Knappe Guntur-Bestände, feste EU-Exportnachfrage und geringere Andhra-Anlieferungen — volle Analyse in deinem Dashboard.
Frag die CMB-KI zu Preisen, Marktreibern und Handelsströmen — trainiert auf den Daten unserer Redaktion.
KI-Agent öffnen →