Deutsche Futtergerste behauptet sich, während Neupressur aus dem Schwarzen Meer zunimmt
Die Preise für deutsche Futtergerste halten sich nahe 187 EUR/t, da die neue Gerstenernte in der Ukraine rund um Odessa an Fahrt gewinnt, das Aufwärtspotenzial begrenzt, aber den kurzfristigen Ausblick stabil lässt.
Preise
Auf Basis jüngster Offerten wird deutsche Futtergerste in Niedersachsen bei rund 0,187 EUR/kg EXW (≈ 187 EUR/t) gehandelt, im Wesentlichen unverändert zur Vorwoche und etwa 2 EUR/t über dem Stand von Ende Juni. Ukrainische Futtergerstenangebote bündeln sich grob zwischen 165–190 EUR/t je nach CPT-, FCA- oder FOB-Konditionen und halten damit einen klaren Abschlag gegenüber den deutschen Binnenpreisen, jedoch mit geringer Tag-zu-Tag-Volatilität.
Online-Handelsplattformen für Getreide in Deutschland melden relativ enge Spannen zwischen Gerste und anderen Futtergetreiden, wobei Futterweizen in süddeutschen Umschlagplätzen weiterhin nahe 180 EUR/t notiert und damit einen insgesamt stabilen Futterkomplex unterstreicht. Landwirte zeigen nur begrenzte Verkaufsbereitschaft unter den psychologischen Schwellenwerten aus der Saison 2025/26, was dazu beiträgt, die Kassapreise trotz günstigerer Importalternativen zu stützen.
Angebot & Nachfrage
In Deutschland und der übrigen EU wird für 2026/27 von einem komfortablen Gerstenangebot ausgegangen, nach einer soliden Etablierung der Winterkulturen und nur lokal begrenzten Witterungsproblemen. Jüngste EU-Politikbeiträge zur Verringerung des Pflanzeneiweißdefizits im Block verweisen auf eine anhaltend strukturelle Nachfrage nach heimischen Futtergetreiden und Proteinen in der Nutztierfütterung, was die zugrunde liegende Gerstennutzung stützt.
In der Ukraine ist die Ernte 2026 rund um Odessa in vollem Gange, wobei die Regionalbehörden bereits über mehr als 1 Mio. t gedroschene Frühgetreide, einschließlich Gerste, berichten. Dieser schnelle Start, gekoppelt mit funktionierenden Exportkanälen am Schwarzen Meer, schlägt sich in einer anhaltend hohen Exportverfügbarkeit zu wettbewerbsfähigen Preisen nieder. Für EU-Käufer bleiben ukrainische Futtergetreide eine wichtige ausgleichende Bezugsquelle, doch die eigene Produktions- und Lagerposition Deutschlands reduziert den Druck, zur Erntemitte zusätzliche Mengen aggressiv zu verfolgen.
Wetter & Bestandsentwicklung (Fokus DE)
Kurzfristige Wetterprognosen für Norddeutschland, einschließlich Niedersachsen, deuten auf moderate Temperaturen und vereinzelte Schauer in der kommenden Woche hin, ohne längere Hitzeperioden. Dieses Muster wirkt insgesamt unterstützend für Gerstenbestände, die sich der Ernte nähern oder bereits im Drusch sind, da es das Risiko von Auswuchs begrenzt und gleichzeitig übermäßige Feuchtigkeit vermeidet, die die Erntearbeiten verzögern könnte.
Angesichts des fortgeschrittenen Entwicklungsstadiums der Bestände stehen nun eher Erntelogistik und Qualitätssicherung als die eigentliche Ertragsbildung im Vordergrund der Wetterrisiken. Bislang gibt es keine eindeutigen Hinweise auf großflächige Qualitätsabstufungen oder Lager in den Kernanbaugebieten für Gerste in Deutschland, was die Erwartung eines normalen bis leicht überdurchschnittlichen Angebotsbildes für Futtergerste vor Ort unterstützt.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- Stabile deutsche Futternachfrage: Solide, aber nicht überhitzte Margen in der Schweine- und Rindfleischerzeugung halten den Gerstenanteil in den Rationen stabil, wobei Mischfutterhersteller sorgfältig zwischen Gerste, Futterweizen und Mais arbitrageieren.
- Konkurrenz aus dem Schwarzen Meer: Die frühe und umfangreiche Getreideernte der Ukraine rund um Odessa, kombiniert mit anhaltender Exportaktivität, zieht eine Obergrenze für die EU-Gerstenpreise ein, indem sie vergünstigte Alternativen in Küstenmärkte liefert.
- Komfortable EU-Bilanz: Jüngste Marktberichte der EU und nationaler Stellen deuten weiterhin auf eine ausreichende Getreideverfügbarkeit 2026/27 hin und begrenzen Befürchtungen einer Verknappung bei Gerste, trotz lokal variabler Witterung.
Handelsausblick & 3-Tage-Perspektive
- Für deutsche Landwirte: Bei EXW-Geboten um 185–190 EUR/t und einem stabilen Wetterausblick erscheint das kurzfristige Abwärtsrisiko begrenzt, während das Aufwärtspotenzial durch Angebote aus dem Schwarzen Meer gedeckelt wird. Schrittweise Verkäufe in kleine Preisanstiege hinein sind empfehlenswert, um den Erntedruck zu steuern.
- Für Futterkäufer: Die Spotdeckung für Juli–August ist auf dem aktuellen Niveau angemessen. Es bietet sich an, wo logistisch möglich, zwischen lokaler Gerste und Importen aus der Ukraine zu diversifizieren, jedoch ohne sich vor klareren Erntedaten Ende Juli übermäßig langfristig festzulegen.
- Für Händler: Beibehalten einer leicht bärischen bis seitwärts gerichteten Einschätzung für deutsche Gerste im Vergleich zu anderen Futtergetreiden, bei genauer Beobachtung möglicher Störungen der Exporte aus dem Schwarzen Meer, die die Spannen rasch verengen könnten.
3-Tage-Regionale Preisindikation (EUR, Tendenz):
- Deutschland (Niedersachsen, EXW ab Hof): ~185–190 EUR/t, seitwärts bis leicht schwächer, falls Ernteverkäufe zunehmen.
- Ukraine (Odessa, CPT Exportkorridor): ~165–170 EUR/t, stabil, da Exporteure die neuen Erntemengen aufnehmen.
- Ukraine (Odessa, FOB Futtergerste): ~175–180 EUR/t, leichtes Abwärtsrisiko, falls sich Frachtraten und Nachfrage im Nahbereich abschwächen.