Deutsche Futtergerste fester wegen Wetter und Risiko im Schwarzen Meer
Die Preise für deutsche Futtergerste ziehen an, während Störungen im Schwarzen Meer die ukrainischen Werte belasten. Kurzfristiger Ausblick, Wetter und 3-tägige Preisrichtung.
Preise
Alle Preise umgerechnet in EUR/t (1 EUR = 1,10 USD angenommen, wo erforderlich).
Angebot & Nachfrage
Die EU-Gerstenerzeugung 2025/26 wird auf rund 55–56 Mio. t geschätzt, deutlich über der vorangegangenen Saison, sodass das gesamte EU-Angebot trotz leicht rückläufiger Erntefläche komfortabel bleibt. Die Endbestände dürften moderat zunehmen, was auf keine strukturelle Knappheit auf EU-Ebene hindeutet. Der Futterverbrauch dürfte zulegen, da Gerste im Vergleich zu anderen Getreidearten preislich wettbewerbsfähig bleibt.
Für die Ukraine hatten Analysten relativ stabile Gerstenexportmengen erwartet, doch wiederholte russische Drohnen- und Raketenangriffe auf den Hafen Odessa und andere Infrastrukturen im Schwarzen Meer im Juli haben die Logistik stark beeinträchtigt und die Lagerkapazitäten reduziert, sodass viele Reeder das Gebiet meiden. Dies hat die Hafennachfrage faktisch beschnitten und mehr Gerste im Binnenland festgesetzt, was ukrainische CPT/FOB-Preise unter Druck setzt und gleichzeitig einen Risikoaufschlag für EU-Herkünfte verursacht.
Wetter- & Erntebedingungen (Fokus Deutschland)
In den nächsten drei Tagen (1.–3. August) werden in wichtigen Gerstenregionen in Norddeutschland, darunter Niedersachsen in der Nähe von Drentwede, wechselnde Bewölkung, vereinzelte Schauer und mäßige Temperaturen meist zwischen 18–23 °C erwartet. Der Niederschlag dürfte leicht bis mäßig ausfallen, mit einzelnen trockenen Zeitfenstern pro Tag, die eine Fortsetzung der Feldarbeiten ermöglichen.
Diese Bedingungen sind im Großen und Ganzen günstig für die Ertragsbildung in späteren Beständen, wenngleich vereinzelte Schauer das Dreschen verlangsamen und den Trocknungsbedarf erhöhen könnten. Kurzfristig sind keine akuten Hitze- oder Trockenstressphasen angezeigt, was einen unmittelbaren wetterbedingten Auftrieb der deutschen Preise begrenzt, zugleich aber auch überraschend bärische Ernteeffekte verhindert.
Fundamentaldaten & Handelsströme
- EU-Bilanz: Höhere EU-Erzeugung 2025/26 und etwas stärkere Futternachfrage belassen den Block in einer komfortablen exportfähigen Position, mit prognostizierten Ausfuhren von über 7 Mio. t und einem moderaten Lageraufbau.
- Ukrainische Exporte: Vor den jüngsten Angriffen war Gerste aus dem Schwarzen Meer preislich wettbewerbsfähig; Hafenturbulenzen begrenzen nun die Realisierung stärker als die theoretische Verfügbarkeit und weiten den Abstand zu deutschen Ab-Hof-Werten aus.
- Konkurrenz in Futterrationen: Gerste ist in Norddeutschland weiterhin wettbewerbsfähig gegenüber EU-Futterweizen und Mais, was die Einsatzraten in Mischfutter unterstützt und die lokale Nachfrage untermauert.
Kurzfristiger Ausblick & Handelsstrategien
- Deutsche Erzeuger: Bei Ab-Hof-Notierungen in Drentwede nahe 214 EUR/t und einem leicht aufwärtsgerichteten Trend sollte auf weiteren Anstieg um 3–5 EUR/t der Verkauf eines zusätzlichen Anteils der Ernte 2026 erwogen werden, während ein Restvolumen offen bleibt, falls sich das Risiko im Schwarzen Meer verschärft.
- Futterkäufer in Deutschland: Eine kurzfristige Absicherung auf dem aktuellen Niveau erscheint angesichts des Aufschlags gegenüber der Ukraine, aber anhaltender Logistikrisiken sinnvoll; bei Rücksetzern, insbesondere bei besserem Wetter und vorübergehend zunehmendem Erntedruck, sollte die Deckung bis in den frühen Herbst ausgedehnt werden.
- Importeure in EU & MENA: Ukrainische FOB-/Odessa-Angebote genau beobachten; die aktuellen Abschläge sind attraktiv, aber Ausführungs- und Transportrisiken bleiben erhöht, was für eine diversifizierte Herkunftsstrategie spricht (Deutschland/Frankreich plus begrenzte Ukraine-Exponierung).
3-tägige Preisrichtung (1.–3. August, indikativ)
- Deutschland, Drentwede EXW Futtergerste: Leicht festerer Bias (+1–3 EUR/t), da der Erntedruck nachlässt und das Risiko im Schwarzen Meer anhält.
- Ukraine, Kyiv FCA Futtergerste: Weitgehend stabil (0 bis -2 EUR/t) bei schwacher Hafennachfrage, aber bereits niedrigen Erzeugerpreisen.
- Ukraine, Odessa CPT/FOB Gerste: Leicht abwärts oder unverändert (0 bis -3 EUR/t) bei logistischen Einschränkungen und vorsichtigem internationalen Kaufinteresse.