Deutsche Futtergerste steigt leicht, während der Druck aus dem Schwarzen Meer zunimmt
Deutsche Futtergerstenpreise ziehen dank solider Futternachfrage an, während ukrainische Gerste infolge von Exportstörungen im Schwarzen Meer stärker rabattiert wird. Kurzfristiger Ausblick in EUR.
Prices
Deutsche Futtergerste (max. 14 % Feuchtigkeit, EXW Norddeutschland) wird mit rund 0,213 EUR/kg indiziert, leicht höher als 0,210 EUR/kg Ende letzter Woche. Damit setzt sich der allmähliche Aufwärtstrend von etwa 0,188 EUR/kg Mitte Juli fort, wobei sich die Preise nun im unteren Bereich von 0,21 EUR/kg stabilisieren.
Die Werte für ukrainische Futtergerste liegen deutlich niedriger. FCA/FOB-Indikationen rund um Odessa und Kiew bewegen sich nahe 0,15–0,176 EUR/kg, wobei jüngste Abschlüsse auf eine leichte Schwäche im Wochenvergleich hindeuten, da Exporteure auf logistische Engpässe und die Notwendigkeit reagieren, Lagerkapazitäten für die neue Ernte freizumachen.
Supply & Demand
Auf EU-Ebene deutet die jüngste offizielle Prognose auf eine größere Gerstenernte 2025/26 hin, wobei die EU-Gerstenerzeugung auf über 55 Millionen Tonnen veranschlagt wird und auch der Verbrauch steigt, jedoch mit im Jahresvergleich höheren Endbeständen. Dies untermauert eine insgesamt komfortable Versorgungslage und begrenzt das Aufwärtspotenzial für Futtergerste im gesamten Block.
Deutschland profitiert von diesem breiten EU-Überschuss, doch die inländische Futternachfrage bleibt solide und die kurzfristigen Ab-Hof-Verkäufe haben sich verlangsamt, seit sich die Preise von den Tiefständen im Juli erholt haben. Diese Kombination aus guter Verfügbarkeit und etwas vorsichtigerem Verkaufsverhalten der Landwirte stützt ein leichtes Anziehen der lokalen Ab-Hof-Preise, statt eines sprunghaften Anstiegs.
In der Ukraine ist der Angebotsüberhang ausgeprägter. Das Landwirtschaftsministerium und unabhängige Analysten warnen, dass aufgrund wiederholter Angriffe auf die Häfen im Großraum Odessa und die Exportinfrastruktur die gesamten Agrarexporte 2026/27 um mehr als die Hälfte gegenüber früheren Erwartungen sinken könnten. Da die Lagerkapazitäten bis Oktober–November voraussichtlich knapp werden, haben Verkäufer starke Anreize, Gerste frühzeitig zu vermarkten, was zusätzlichen Druck auf Exportofferten ausübt.
Trade Flows & Black Sea Risk
Russische Angriffe auf den Hafenkomplex Greater Odessa haben die Exportkapazitäten im Schwarzen Meer stark reduziert und zwingen die Ukraine, verstärkt auf alternative Routen über die Donau und EU-Landkorridore zurückzugreifen. Offizielle Stellen gehen davon aus, dass diese Alternativen die benötigte Kapazität frühestens gegen Ende August erreichen und selbst dann nur etwa die Hälfte der früheren Volumina über das Schwarze Meer abdecken könnten.
Dieser Engpass ist besonders relevant für Futtergetreide wie Gerste, das stark über den Preis konkurriert. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und Bestände abzubauen, dürften ukrainische Exporteure ihre Abschläge gegenüber EU-Ursprung beibehalten, was den globalen Futtergerstenmarkt nach unten absichert, zugleich jedoch die deutschen Notierungen indirekt stützt, indem billige Importe in zentrale EU-Tierhaltungsregionen begrenzt werden.
Weather Outlook (Germany – DE)
Für Norddeutschland, einschließlich Niedersachsen, zeigen kurzfristige Wettermodelle für den 13.–16. August 2026 wechselhafte Bedingungen: moderate Temperaturen, vereinzelte Schauer und kurze sonnige Abschnitte statt extremer Hitze oder anhaltender Regenperioden. Da die Gerstenernte in den meisten Regionen weitgehend abgeschlossen ist, hat dieses Muster nur begrenzte direkte Auswirkungen auf die Erträge, unterstützt jedoch reibungslose Logistik sowie eine gute Kornqualität während Lagerung und Transport.
Das Ausbleiben größerer Wetterbelastungen in den kommenden Tagen deutet auf keinen unmittelbaren Angebotsschock für deutsche Futtergerste hin. Diese stabile Perspektive, zusammen mit bereits komfortablen EU-Beständen, spricht kurzfristig für einen vergleichsweise ruhigen physischen Markt.
Trading Outlook
- Mischfutterwerke / integrierte Tierhalter (Deutschland): Es ist zu erwägen, einen moderaten Anteil des Futtergerstenbedarfs für Q4 2026 zu aktuellen EXW-Niveaus von rund 0,21–0,215 EUR/kg abzusichern, da Aufwärtsrisiken aus anhaltenden Störungen im Schwarzen Meer und möglicher Konkurrenz durch andere Futtergetreide resultieren.
- Landwirte (Deutschland): Nach der Erholung der Preise von den Tiefständen Mitte Juli bleibt das Halten eines Teils der Bestände vertretbar, doch gestaffelte Verkäufe in die aktuelle Stärke verringern das Risiko, falls EU-Überschüsse später in der Saison stärker belasten.
- Händler: Eine leicht Long-orientierte Positionierung in nahen physischen Beständen deutscher Ware gegenüber Short-Positionen im Schwarzen Meer oder günstigerer ukrainischer Herkunft bleibt sinnvoll, um den strukturellen Abschlag und den Logistikaufschlag in EU-Binnenmärkten auszunutzen.
3‑Day Price Direction (Key Regions, EUR)
- Deutschland – EXW Norddeutschland Futtergerste: Tendenz: seitwärts bis leicht fester. Erwartete Spanne der nächsten 3 Tage: 0,210–0,218 EUR/kg, gestützt durch stabile Nachfrage und begrenzte Verkäufe seitens der Landwirte.
- Ukraine – FCA/FOB Odessa Futtergerste: Tendenz: leicht schwächer. Erwartete Spanne der nächsten 3 Tage: 0,148–0,174 EUR/kg, mit anhaltender logistischer Unsicherheit und der Notwendigkeit, Platz zu schaffen, bevor sich die Lagerknappheit verschärft.