Deutsche Futterhaferpreise bleiben stabil trotz globaler Terminmarktvolatilität
Die Futterhaferpreise in Niedersachsen bleiben trotz volatiler globaler Hafertermingeschäfte, europäischer Hitzewelle und gestörter Schwarzmeer-Getreideexporte stabil.
Preise
Futterhafer ab Hof Drentwede (Niedersachsen) wird mit rund 0,18 EUR/kg (179 EUR/t) indiziert, unverändert gegenüber dem 16.–24. Juni 2026. Ukrainischer Futterhafer ex Odesa FCA liegt indikativerweise bei rund 0,25 EUR/kg (250 EUR/t), ebenfalls seit einigen Wochen weitgehend stabil.
Weltweit haben sich die maßgeblichen Hafertermingeschäfte am 25. Juni auf etwa 285 USc/bu erholt, nachdem sie im vergangenen Monat um 22 % gefallen waren; damit liegen die Notierungen weiterhin fast 22 % unter dem Vorjahresniveau. Diese globale Schwäche steht im Kontrast zum relativ stabilen physischen Markt in Deutschland, wo Hafer zwar mit Abschlag zu anderen Getreidearten gehandelt wird, aber kaum neuen Abwärtsdruck zeigt.
Deutscher Hafer bleibt damit gegenüber anderen Futtergetreiden wettbewerbsfähig, bei allerdings begrenzter Liquidität und engen Geld-Brief-Spannen.
Angebot & Nachfrage
Jüngste Ernteeinschätzungen für die EU und das Vereinigte Königreich deuten nach vorheriger Trockenheit auf insgesamt verbesserte Getreidebedingungen hin, ohne dass über größere Schäden bei Hafer in Deutschland berichtet wird. Deutschland ist innerhalb der EU ein mittelgroßer Haferproduzent, und die gute Ernte 2024 hat bislang für eine komfortable inländische Versorgung gesorgt.
Gleichzeitig bremsen fortdauernde kriegsbedingte Störungen die ukrainischen Getreideexporte deutlich, da russische Angriffe auf Schwarzmeerhäfen und -infrastruktur die Kapazitäten einschränken und mehr Volumen auf kostenintensivere Schienenkorridore zwingen. Auch wenn Hafer nur einen kleinen Teil dieser Ströme ausmacht, stützt die insgesamt angespanntere Versorgungslage bei Grobgetreiden im Schwarzmeerraum die europäischen Futtergetreidepreise und begrenzt das Abwärtspotenzial für importierten Hafer in die EU.
Wetterüberblick – Fokus Norddeutschland
Deutschland befindet sich derzeit unter einer rekordverdächtigen Hitzewelle, wobei Modelle und Medien für den Zeitraum um den 26.–28. Juni in Teilen des Landes 35–40 °C melden. In Niedersachsen und der weiteren Norddeutschen Tiefebene beschleunigen hohe Tageshöchsttemperaturen und starke Sonneneinstrahlung die Bestandsentwicklung und trocknen die Oberböden aus.
Für Hafer, der eher kühle und feuchte Bedingungen bevorzugt, besteht kurzfristig vor allem das Risiko von Hitzestress während der Kornfüllung sowie weiterer Feuchteverluste auf leichten Böden. Derzeit deuten die Prognosen jedoch noch auf vereinzelte Gewitter und eine mögliche Abkühlung nach dem Höhepunkt der Hitze hin, sodass das Ertragspotenzial bislang noch nicht entscheidend beeinträchtigt scheint. Das Wetter bleibt im Juli ein zentraler Beobachtungsfaktor.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- Globaler Termindruck: Hafertermingeschäfte notieren trotz der jüngsten Erholung deutlich unter Vorjahr, was komfortable nordamerikanische Versorgung und verhaltene Nachfrage widerspiegelt.
- EU-Getreidekontext: Europäischer Weizen hat zuletzt nachgegeben, während Mais wegen Hitze- und Dürreängsten zulegen konnte; Hafer folgt diesem gemischten Komplex meist mit Abschlag und geringeren Handelsvolumina.
- Strukturelles Schwarzmeer-Risiko: Die reduzierte Exportkapazität der Ukraine hält einen Risikopremiumfaktor in den regionalen Futtermärkten, was die Haferpreise trotz ihrer geringen Handelsvolumina indirekt unterstützt.
Handelsausblick (nächste 1–2 Wochen)
- Für Futterkäufer: Nutzen Sie die aktuelle Stabilität um 180 EUR/t EXW, um die kurzfristige Versorgung abzusichern, staffeln Sie die Käufe jedoch angesichts schwacher globaler Futures und der Möglichkeit von Erleichterung bei den Ertragserwartungen nach der Hitzewelle.
- Für Landwirte/Verkäufer: Angesichts fragiler Schwarzmeerlogistik und sich noch entwickelnder Hitzearisiken in der EU sollten keine umfangreichen Vorwärtsverkäufe mit deutlichem Abschlag zu Weizen getätigt werden; erwägen Sie vielmehr schrittweise Verkäufe bei witterungsgetriebenen Preisanstiegen im breiteren Futtergetreidekomplex.
- Für Händler: Beobachten Sie die Wetterkarten für Norddeutschland und Skandinavien sowie Schlagzeilen zu den ukrainischen Exporten; die Basiskomponenten für Hafer könnten sich rasch verteuern, falls die Hitzewelle im Juli in bestätigte Ertragseinbußen mündet.
3‑Tage-Richtungstendenz der Preise (Deutschland, DE)
- Drentwede (EXW Futterhafer): 26.–28. Juni 2026 – Preise voraussichtlich weitgehend seitwärts um 175–185 EUR/t, mit leichtem Aufwärtspotenzial, falls die Hitze anhält und lokale Verkäufer zurückhaltender werden.
- Nationale deutsche Hafer-Referenzen: Kaum neue Spot-Notierungen, aber die relativen Werte gegenüber Weizen und Gerste dürften stabil bis leicht fester bleiben, solange die Hitzewelle die Getreideberichterstattung dominiert.