Hafer legt trotz geringer Liquidität aufgrund von Wetterrisiken zu
Knappe Hafermarkt-Analyse: CBOT-Futures legen wegen Hitze in Europa und Herabstufungen der Schwarzmeer-Weizenernte zu, während deutsche und ukrainische Futterhaferpreise stabil bleiben.
Preise
Am 26. Juni wurde der Juli-2026-Haferkontrakt an der CBOT zuletzt bei etwa 278.25 USc/bu gehandelt, ein Plus von 1,64 % gegenüber dem Vortag. Dies entspricht rund 98 EUR/t, während September 2026 bei etwa 312.25 USc/bu (≈110 EUR/t) und Dezember 2026 bei rund 326.25 USc/bu (≈115 EUR/t) notiert, was auf eine moderat ansteigende Terminstruktur hindeutet.
Am physischen Markt zeigen jüngste Richtpreise unveränderte Notierungen für ukrainischen Futterhafer (FCA Odessa, konventionell, 98 % Reinheit) bei etwa 0.25 EUR/kg (~250 EUR/t), stabil seit Ende Mai. Deutscher Futterhafer (EXW Drentwede, max. 14 % Feuchtigkeit) liegt weiterhin bei rund 0.179 EUR/kg (~179 EUR/t), ohne nennenswerte Preisbewegung im Juni.
Angebot & Nachfrage im Kontext
Die wesentlichen Impulse für Hafer kommen derzeit indirekt vom Weizen. Eine anhaltende Hitzewelle in Frankreich, Spanien und Deutschland setzt EU-Getreidebestände unter Stress, was den Pariser Weizen stützt und über Spillover-Effekte auch die CBOT-Getreidekomplexe inklusive Hafer unterstützt. Der jüngste EU-Ertragsausblick sieht die Weizenerträge weiterhin über dem Fünfjahresdurchschnitt, aber unter dem Vorjahresniveau, was auf ein gewisses Wetterrisiko hinweist, jedoch bislang keinen gravierenden Versorgungsschock signalisiert.
Im Schwarzmeerraum hat SovEcon seine Schätzung für die russische Weizenernte 2026/27 aufgrund einer reduzierten Sommerweizenfläche um 1,4 Mio. t gekürzt, während die Erwartungen für die ukrainische Weizenernte leicht über dem Vorjahr liegen. Eine geringere russische Produktion und Wetterrisiken bilden einen Preisboden für globale Getreidepreise, wovon Hafer profitieren kann, auch wenn Hafer selbst ein relativ gering gehandelte Getreideart mit überwiegend regionalen Bilanzen bleibt.
Fundamentaldaten & Wetter
Die hafer-spezifischen Fundamentaldaten erscheinen derzeit relativ stabil: Weder in Deutschland noch in der Ukraine gibt es klare Signale für eine akute Knappheit an Futterhafer, was sich in den flachen EXW-/FCA-Preisen der vergangenen Wochen widerspiegelt. Das offene Interesse in den nahen CBOT-Haferkontrakten bleibt überschaubar, und die Intraday-Spannen sind eng, was die Nebenrolle von Hafer innerhalb des Getreidekomplexes unterstreicht.
Wetter bleibt der wichtigste kurzfristige Risikofaktor. In Europa könnte eine zweite Hitzewelle Ende Juni die Sommergetreide in bereits gestressten Regionen weiter belasten, derzeit liegt der Fokus jedoch stärker auf Weizen und Gerste als auf Hafer. Demgegenüber werden die US Northern Plains und die kanadischen Prärien später in der Saison entscheidend für die Hafererträge sein; aktuell achten die breiteren Getreidemärkte stärker auf die Niederschlagsaussichten in den US-Sommerweizenregionen als speziell auf Hafer.
Handelsausblick
- Kurzfristige Tendenz: leicht bullisch für CBOT-Hafer, solange die Hitze in Europa und etwas niedrigere russische Weizenerwartungen die allgemeine Getreidestimmung stützen.
- Stabile physische Preise in Deutschland und der Ukraine deuten auf begrenzte Knappheit in der Nahfrist hin; Endabnehmer können Rücksetzer weiterhin zur Absicherung nutzen, statt steigenden Kursen hinterherzulaufen.
- Erzeuger mit noch unbepreistem Hafer können die aktuelle Festigung an der CBOT als Gelegenheit nutzen, einen Teil der Produktion 2026/27 zu sichern, insbesondere wenn weitere Hitzephasen in Europa oder Schlagzeilen aus dem Schwarzmeerraum zusätzliche Aufwärtsbewegungen auslösen.
- Beobachten Sie Änderungen in den Wetterprognosen für die US Northern Plains und die kanadischen Prärien; eine Umstellung auf anhaltende Trockenheit dort könnte Hafer eine eigene, unabhängige Aufwärtsstory verschaffen.
3-Tages-Preisindikation
- CBOT-Hafer (nahe Termine): dürfte in den nächsten drei Sitzungen leicht fester bis seitwärts tendieren und damit Weizen sowie das allgemeine Risiko-Sentiment im Getreidesektor nachzeichnen.
- Deutschland EXW-Futterhafer: Preise werden in der sehr kurzen Frist voraussichtlich um das aktuelle Niveau stabil bleiben.
- Ukraine FCA-Futterhafer: kein unmittelbarer Auslöser für größere Kursbewegungen erkennbar; der Seitwärtstrend bleibt das Basisszenario.