Deutsche Futterroggenpreise ziehen an, da das Wetter kühler und nasser wird
Die Preise für Futterroggen in Deutschland steigen angesichts witterungsbedingter Ertragssorgen und zurückhaltender Verkäufe der Landwirte leicht an. Ausblick für die Region DE in den nächsten 3 Tagen: fest bis leicht fester.
Preise
Ab-Hof-/Futterroggen in Norddeutschland ist in den letzten Sitzungen gestiegen. Die jüngste Indikation für Futterroggen (14% Feuchte, EXW Drentwede) liegt bei rund 197 €/t, etwa 6–7 % höher als die Niveaus nahe 185 €/t eine Woche zuvor und spiegelt eine Erntezeit-Risikoprämie sowie zurückhaltende Verkäufe der Landwirte wider.
Ukrainischer Roggen FOB Odessa wird bei rund 119 €/t Äquivalent eingeschätzt, leicht schwächer im Wochenvergleich und mit einem weiterhin sehr großen Abschlag gegenüber deutscher Herkunft. Handelsdaten zeigen jedoch, dass Roggen im Schwarzmeer-Exportmix ein Randprodukt bleibt: Ukrainische Roggenexporte machen bislang in der Vermarktungssaison 2025/26 nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Getreideausfuhren aus, wodurch sein Preiseinfluss auf die deutschen Futtermärkte begrenzt bleibt.
Angebot & Nachfrage
Aktuelle Einschätzungen deutscher Genossenschaften heben hervor, dass Hitzewellen zu Beginn des Sommers die Erträge bei Wintergetreide, insbesondere auf leichten Böden, nach unten gedrückt haben, wobei Roggen zu den stärker exponierten Kulturen zählt. Während offizielle Ertragszahlen noch ausstehen, verfestigen sich die Erwartungen hin zu einer leicht unterdurchschnittlichen deutschen Roggenernte 2026.
Auf EU-Ebene geht die jüngste Kurzfristprognose weiterhin von insgesamt ausreichenden Getreidevorräten aus, mit nur lokal begrenzten Witterungsschäden und keiner erwarteten systemischen Knappheit. Speziell beim Roggen bedeutet sein relativ kleiner Anteil an der gesamten Getreidefläche, dass sich selbst moderate Produktionsschwankungen rasch in regionalen Engpässen in Futterzentren wie Norddeutschland niederschlagen können – insbesondere, wenn Landwirte den Verkauf in der Hoffnung auf höhere Preise hinauszögern.
Importalternativen bleiben begrenzt. Das ukrainische Getreideexportprofil im laufenden Vermarktungsjahr wird von Mais und Weizen dominiert, während die Roggenexporte bis Mitte Juni bei nur rund 0,2 Tsd. Tonnen gemeldet wurden – faktisch vernachlässigbar für die EU-Bilanz. Damit bleiben deutsche und benachbarte EU-Herkünfte die Hauptlieferanten für Futtermittelhersteller im deutschen Markt.
Wetter & Bestandsentwicklung (DE)
Nach einem auffallend trockenen und heißen Juli-Beginn in weiten Teilen Deutschlands beschreiben Meteorologen die erste Sommerhälfte als geprägt von Phasen der Trockenheit und sehr niedrigen Flusspegeln, was Sorgen über Ertragseinbußen und höhere Transportkosten für Massengüter ausgelöst hat. Diese Belastungen dürften das Ertragspotenzial von Roggen auf flachen und sandigen Böden in den nördlichen Regionen begrenzt haben.
Im Kernanbaugebiet rund um Niedersachsen (einschließlich Drentwede) deutet die Kurzfristprognose für den 21.–23. Juli auf relativ milde Temperaturen (Tageshöchstwerte um 20–24 °C) mit zeitweiligem Regen und Bewölkung hin. Dieses Muster unterstützt die Schlussphase der Ernte- und Logistikarbeiten, hilft bei der Auffüllung der Bodenfeuchte ohne extreme Hitze und sollte die Qualität der noch stehenden Bestände stabilisieren, auch wenn es die vorausgegangenen Hitzeschäden nicht vollständig rückgängig machen kann.
Auch das EU-weite Erntemonitoring stellt fest, dass die Getreideaussichten trotz regionaler Wasserstressphasen im Saisonverlauf insgesamt „fair“ bleiben; jüngste kühlere und nassere Witterungsabschnitte in Mitteleuropa gelten als überwiegend vorteilhaft für später entwickelte Kulturen.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- Volatilität während der Erntephase: Die laufende Roggenernte in Deutschland sorgt für kurzfristiges Zusatzangebot, trifft jedoch auf selektive Verkäufe seitens der Landwirte und stützt damit die Basisniveaus in den nördlichen Regionen.
- Futternachfrage: Die Nachfrage der Mischfutterindustrie ist stabil; Roggen bleibt attraktiv gegenüber teurerem Futterweizen und -gerste und unterstützt den Einsatz in Rationen, wo die lokale Verfügbarkeit dies zulässt.
- Exportwettbewerb: Die Getreideexportströme aus dem Schwarzmeerraum werden von Weizen, Mais und Gerste dominiert, während Roggen nur einen Randanteil stellt; dadurch bleibt der externe Preisdruck auf deutschen Roggen vorerst begrenzt.
- Makro- & Wetterrisko: Die Marktstimmung reagiert weiterhin sensibel auf neue Wetter-Schlagzeilen und Bewegungen im breiteren Getreidekomplex; jede erneute Hitzewelle oder Logistikstörung auf Binnenwasserstraßen könnte die lokale Verfügbarkeit rasch verknappen.
Kurzfristiger Ausblick & Trading-Ideen
- Für Käufer (Mischfutterwerke, Tierhalter): Es bietet sich an, kurzfristigen Bedarf für das 3. Quartal schrittweise bei aktuellen EXW-Niveaus um 195–200 €/t zu decken, da die Preise bereits einen gewissen Wetteraufschlag enthalten, aber im Vergleich zu anderen Futtergetreiden wettbewerbsfähig bleiben.
- Für Landwirte/Verkäufer: Der jüngste Preisanstieg eröffnet die Möglichkeit, einen Teil der noch nicht bepreisten Roggenmengen vorzukuvertieren, insbesondere dort, wo die Erträge als unterdurchschnittlich bestätigt sind. Ein Restvolumen kann für potenzielle weitere Wetter- oder logistikbedingte Preisspitzen zurückgehalten werden.
- Für Händler: Basisbewegungen zwischen norddeutschen Binnenstandorten und Häfen im Blick behalten; etwaige erneute Niedrigwasserphasen an Rhein oder Elbe könnten die Binnenprämien ausweiten und Kurzstrecken-Transportchancen per Lkw eröffnen.
3-Tages-Preisindikation (Region DE)
- EXW Norddeutschland (Futterroggen, 14%): Seitwärts bis leicht fester Tendenz; erwartete Spanne bei rund 195–202 €/t in den nächsten drei Tagen, unter der Annahme eines stabilen Erntefortschritts und ohne neue Wetterüberraschungen.
- FOB Schwarzes Meer (UA-Roggen, Referenz): Weitgehend unverändert bei 115–120 €/t in Euro gerechnet, mit begrenztem direkten Einfluss auf die aktuellen Kassapreise in Deutschland.