Deutscher Roggen gibt leicht nach, da Erntedruck auf stabile Futter-Nachfrage trifft
Deutsche Roggenpreise treten von den Hochs Anfang September leicht zurück, vor dem Hintergrund laufender Ernte, stabiler Futter-Nachfrage und freundlichen Wetterbedingungen in Niedersachsen.
Preise
In den vergangenen drei Wochen ist Futterroggen EXW Drentwede von rund 0,196 EUR/kg Mitte August auf ein Hoch von etwa 0,215 EUR/kg Anfang September gestiegen, bevor die Notierungen wieder auf rund 0,207 EUR/kg zurückkamen. Damit liegen die Preise weiterhin rund 5–6 % über dem Niveau von Mitte August, allerdings mit etwas nachlassender Aufwärtsdynamik im kurzfristigen Bild.
Angebot & Nachfrage
In Norddeutschland geht die Ernteaktivität in ihre Schlussphase, wobei die jüngsten kühlen und überwiegend trockenen Bedingungen in Niedersachsen die noch ausstehenden Feldarbeiten begünstigen. Das Ausbleiben von Starkregen in den nächsten drei Tagen dürfte die Logistik unterstützen, Qualitätsverluste begrenzen und das Spotangebot in der Region ausreichend halten.
Auf der Nachfrageseite bleibt Roggen in erster Linie ein Futtergetreide, das mit Futterweizen, Gerste und Mais konkurriert. Da in den vergangenen Tagen weder größere neue Störungen noch politische Änderungen im innergemeinschaftlichen EU-Handel oder bei Schwarzmeer-Verschiffungen gemeldet wurden, können Käufer sowohl auf lokale als auch auf Importherkünfte zurückgreifen. In diesem Umfeld erscheint der leichte Rückgang der deutschen Preise vor allem als technische Korrektur von den jüngsten Hochs und weniger als Beginn eines ausgeprägten Abwärtstrends.
Fundamentaldaten & Wetter
Das kurzfristige fundamentale Bild in Niedersachsen ist geprägt von stabiler bis leicht verbesserter Erntequalität und komfortablen Beständen auf den Betrieben. Prognosen für Drentwede deuten auf Tageshöchstwerte von rund 19–22 °C hin, mit nur kurzen, vereinzelten Schauern in den nächsten 72 Stunden – Bedingungen, die sowohl für die Feldarbeiten als auch für die Getreidelagerung günstig sind.
Wetter ist damit kurzfristig kein bullischer Treiber. Die weitere Preisrichtung hängt vielmehr davon ab, wie offensiv Mischfutterhersteller ihre Absicherung in das vierte Quartal hinein ausdehnen und ob konkurrierende Getreide (insbesondere Futterweizen und Mais) deutlich in die eine oder andere Richtung ausschlagen. Der relativ günstige ukrainische FOB-Roggen um 0,12 EUR/kg begrenzt den Aufwärtsspielraum für kontinentale Preise weiterhin, insbesondere wenn Fracht und Logistik reibungslos bleiben.
Handelsausblick (nächste 1–2 Wochen)
- Für Käufer (Mischfutterwerke, Integratoren): Nutzen Sie den aktuellen Rücksetzer unter die jüngsten Hochs, um die kurzfristige Deckung zu verlängern, vermeiden Sie jedoch übermäßige Vorwärtsverkäufe, solange Erntedruck anhält; Spielraum für leicht niedrigere Spotniveaus kann nicht ausgeschlossen werden.
- Für Erzeuger: Bei Preisen, die weiterhin deutlich über dem Niveau von Mitte August liegen, bieten sich gestaffelte Verkäufe verbleibender Alt- und Neuerntenbestände an, insbesondere wenn Lagerraum knapp ist, während ein Teilvolumen für einen möglichen späteren saisonalen Wiederanstieg offengehalten wird.
- Für Händler: Beobachten Sie die Spreads zwischen deutschem EXW- und Schwarzmeer-FOB-Roggen; weitet sich die Differenz weiter aus, könnte die Importparität das Aufwärtspotenzial zunehmend begrenzen und kurzfristige Spread-Strategien gegenüber reinen Richtungspositionen begünstigen.
3-tägige regionale Preisindikation (DE)
- Drentwede EXW Futterroggen: Bei stabilem, erntefreundlichem Wetter und komfortabler Spotverfügbarkeit dürften die Preise in den nächsten drei Tagen seitwärts bis leicht weicher tendieren, grob in einer Spanne von etwa 0,205–0,210 EUR/kg.
- Gesamttendenz deutscher Roggenmarkt: Kurzfristig leichter Abwärtsdruck, jedoch bislang keine Anzeichen für einen ausgeprägten Ausverkauf, da die Nachfrage stabil bleibt und Exportalternativen eine Untergrenze bilden.