Deutsche Roggenpreise geben leicht nach, da Angebot der neuen Ernte zunimmt
Die deutschen Roggenpreise in Niedersachsen gaben auf etwa 0,188 EUR/kg nach, unter Erntedruck und verhaltener Futternachfrage. Ausblick: überwiegend seitwärts bis leicht weicher.
Preise
In Niedersachsen (EXW Drentwede) sind die Futterroggenpreise von rund 0,20 EUR/kg Ende Juli auf etwa 0,188 EUR/kg am 4. August 2026 zurückgegangen, ein Rückgang von etwa 6 % binnen drei Wochen, da der Erntedruck zunimmt und der Ab-Hof-Verkauf steigt. In den letzten Tagen hat sich das Tempo des Rückgangs verlangsamt, was auf eine sich abzeichnende kurzfristige Unterstützung hindeutet, da die erste Erntewelle durch die lokale Futter- und Handelsnachfrage aufgenommen wird.
Im Vergleich zu anderen Getreidearten bleibt Roggen gegenüber Brotweizen und Gerste im Abschlag, was das Interesse von Futterkäufern stützt, aber das Aufwärtspotenzial begrenzt. EU‑Getreidehandelsstatistiken bestätigen, dass Roggen im Vergleich zu Weizen und Gerste nur eine geringe Rolle in den gesamten Exportströmen spielt, sodass deutsche Roggenpreise hauptsächlich vom regionalen Gleichgewicht und weniger von globalen Marktschwankungen getrieben werden.
Angebot & Nachfrage
Deutschland ist der weltweit größte Roggenproduzent und ein wichtiger Lieferant innerhalb der EU, sodass die inländische Ernte die regionalen Preise stark verankert. Aktuelle EU‑Analysen heben insgesamt reichliche Getreidevorräte für die Saisons 2025/26 und 2026/27 hervor, mit hohen Endbeständen nach vorherigen sehr guten Ernten, was einen strukturellen Druck auf die Futtergetreidemärkte, einschließlich Roggen, ausübt.
Auf der Nachfrageseite schrumpfen die Schweine- und Rinderbestände in der EU weiter, was das Wachstum der Futtergetreidenachfrage insgesamt dämpft. Offizielle Eurostat‑Daten für 2025 zeigen anhaltende Rückgänge der EU‑Viehbestände, insbesondere im Schweinesektor, während ein Markt‑Factsheet zu Fleisch und Eiern vom Juni 2026 nur einen moderaten Anstieg der Futterkosten ausweist, was darauf hindeutet, dass es nur begrenzten Spielraum für stark steigende Futtergetreidepreise gibt, ohne dass es zu einer Nachfragerationierung kommt.
Deutschland exportiert auch einen Teil seines Roggenüberschusses, doch zeigen jüngste EU‑Getreideexportberichte, dass die Roggenmengen aus Deutschland im Vergleich zu Weizen und Gerste moderat sind, sodass die Exportkanäle kurzfristig voraussichtlich keine große inländische Überversorgung rasch aufnehmen können.
Wetter & Pflanzenzustand (DE)
Für Norddeutschland, einschließlich Niedersachsen, ist der kurzfristige Wetterausblick für den 6.–9. August 2026 im Allgemeinen günstig für die Ernte: Es wird eine Mischung aus warmen Temperaturen und nur vereinzelten Schauern erwartet, ohne längere Regenphasen, die die Feldarbeiten erheblich stören oder die Getreidequalität gefährden würden. (Lokale landwirtschaftliche und meteorologische Prognosen, die in den letzten drei Tagen konsultiert wurden.)
Bereits im Juli führte eine schwere europäische Hitzewelle zu geschätzten Ernteausfällen in Höhe von 2 Mrd. EUR in Teilen Europas, wovon insbesondere Weizen und Sommergerste in Regionen wie Süddeutschland, Österreich, Polen und Ungarn betroffen waren. Wintergetreide in Norddeutschland, einschließlich Winterroggen, hatte jedoch die hitzeempfindlichsten Entwicklungsphasen weitgehend hinter sich, bevor die Höchsttemperaturen erreicht wurden, sodass die dort gemeldeten Ertragsverluste im Vergleich zu den südlichen Zonen begrenzt erscheinen.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- Erntedruck: Die laufende Roggenernte in Norddeutschland erhöht das Spotangebot und drückt die Preise von den Niveaus Ende Juli nach unten, zeigt aber Anzeichen einer Stabilisierung, da die erste Angebotswelle eingepreist wird.
- Beschränkungen auf der Futterseite: Die anhaltende Schrumpfung der EU‑Viehbestände und weiterhin enge Margen in der Schweine- und Geflügelwirtschaft begrenzen den Spielraum für eine starke nachfragegetriebene Rallye bei Futterroggen.
- Konkurrenz durch andere Getreidearten: Reichliche Weizen- und Gerstevorräte in der EU, insbesondere nach vorherigen guten Ernten, halten Futterkäufer flexibel und untermauern die Rolle von Roggen als rabattierte, opportunistische Komponente in Futterrationen statt als Preisführer.
- Exportkanal: Die Roggenexporte Deutschlands verschaffen der inländischen Bilanz etwas Entlastung, doch aufgrund ihres relativ geringen Anteils an den gesamten EU‑Getreideexporten ist kurzfristig nicht zu erwarten, dass sie einen deutlich größeren lokalen Überschuss ausgleichen können.
Handelsausblick (3–5 Tage)
- Futterkäufer (Deutschland): Eindeckungen für August und Anfang September erscheinen auf dem aktuellen EXW‑Niveau um 0,188 EUR/kg attraktiv, da der Erntedruck bereits teilweise eingepreist ist und die Wetterrisiken für die nächsten Tage begrenzt sind.
- Erzeuger: Verkäufe eher staffeln als aggressiv im Spot zu verkaufen; die stärksten erntebedingten Abschläge scheinen hinter uns zu liegen, und der relative Wert gegenüber Weizen und Gerste könnte sich später verbessern, falls sich die Futterkomplexe verengen.
- Händler: Fokus auf kurzfristige Basis-Chancen zwischen norddeutschen Herkünften und benachbarten Defizitregionen; das Aufwärtspotenzial beim Flatpreis scheint sehr kurzfristig begrenzt, aber logistikgetriebene Spreads könnten Wert bieten.
3‑Tage‑Indikation für regionale Preisrichtung
- Deutschland – Niedersachsen (EXW Futterroggen, Drentwede): Um 0,185–0,190 EUR/kg in den nächsten drei Tagen; Tendenz: seitwärts bis leicht weicher, da verbleibende Erntemengen auf den Markt kommen, wobei jedoch weiterer deutlicher Abwärtsraum begrenzt erscheint.
- Deutschland – andere nördliche Roggenregionen (EXW, Futterqualität): Voraussichtlich im Gleichlauf mit Niedersachsen mit kleinen lokalen Abschlägen/Aufschlägen; Tendenz: überwiegend stabil bei ähnlichen Wetter- und Angebotsbedingungen.