Deutscher Futterroggen bleibt nahe Erntetiefs stabil, während Störungen im Schwarzen Meer drohen
Die Preise für deutschen Futterroggen in Drentwede bewegen sich seitwärts nahe 0,19 EUR/kg. Stabiles EU-Angebot, günstiges Wetter in Deutschland und Exportrisiken im Schwarzen Meer prägen den Ausblick.
Preise
Jüngste Notierungen für konventionellen Futterroggen (14 % Feuchte, EXW Drentwede, DE) haben nur leicht geschwankt und wurden zuletzt bei rund 0,196 EUR/kg angegeben (nach 0,197 EUR/kg Ende letzter Woche). Damit liegen die Werte im Mittelfeld der Spanne von 0,188–0,202 EUR/kg, die seit Ende Juli zu beobachten ist, und signalisieren einen stabilen, aber sensiblen Markt.
Der Abschlag von ukrainischem FOB-Roggen gegenüber deutschem EXW (selbst unter Berücksichtigung von Fracht- und Risikoprämien) bleibt erheblich, doch Hafenstörungen und das höhere Risiko in Bezug auf die Zuverlässigkeit von Verschiffungen aus dem Schwarzen Meer begrenzen den tatsächlichen Druck dieser Offerten auf die deutschen Binnenpreise.
Angebot & Nachfrage
Deutschland ist der weltweit größte Roggenproduzent und ein wichtiger Lieferant innerhalb der EU. Die aktuellen Kurzfristprognosen der Europäischen Kommission deuten für 2026 auf insgesamt relativ ausgeglichene Getreidebilanzen hin, wobei die Roggenproduktion auf EU-Ebene nur leicht unter dem Vorjahresniveau erwartet wird. Insgesamt erscheint die inländische Verfügbarkeit in Norddeutschland komfortabel, gestützt durch einen weitgehend normalen Erntefortschritt und das Ausbleiben gravierender Witterungsschocks während der entscheidenden Kornfüllungsphase.
Auf der Nachfrageseite bleibt Roggen in vielen deutschen Rationen ein sekundäres Futtergetreide im Vergleich zu Gerste und Mais, doch die Preiswettbewerbsfähigkeit um 0,19 EUR/kg macht ihn für lokale Mäster attraktiv. Die wöchentlichen EU-Handelsstatistiken weisen bisher moderate Roggenexportmengen in der Kampagne 2025/26 aus, was darauf hindeutet, dass ein erheblicher Teil der verfügbaren Mengen voraussichtlich im Binnenmarkt verbleibt. Diese binnenorientierte Ausrichtung schirmt die deutschen Preise etwas von globaler Volatilität ab, bindet sie aber dennoch an die übergeordneten Trends der Getreidepreise.
Der wichtigste externe Faktor ist die Ukraine, wo wiederholte russische Angriffe auf Exportinfrastruktur im Raum Odessa die Getreideexportkapazität stark eingeschränkt haben. Aktuelle Einschätzungen aus der Ukraine und der EU legen nahe, dass die gesamten Agrarexporte 2026/27 bei anhaltender Blockade gegenüber früheren Erwartungen um etwa die Hälfte zurückgehen könnten, da alternative Land- und Flussrouten voraussichtlich frühestens bis Ende August oder darüber hinaus nur teilweise kompensieren können. Obwohl Roggen nur einen relativ kleinen Teil in der ukrainischen Getreidemischung ausmacht, sorgt die insgesamt geringere Verfügbarkeit von Futtergetreide aus der Region im Hintergrund für Unterstützung der EU-Preise, einschließlich Roggen.
Wetter & Bestandsentwicklung (Region: Deutschland)
Für Drentwede und die umliegenden Teile Niedersachsens sagen die 3‑Tages-Prognosen (19.–21. August) für heute leichte Schauer voraus, gefolgt von teils sonnigem und windigem Wetter am 20. August und überwiegend bewölkten Bedingungen mit etwas leichtem Regen am 21. August. Die Tageshöchstwerte werden bei etwa 20–22 °C erwartet, die Tiefstwerte bei etwa 10–12 °C.
Diese Bedingungen sind im Allgemeinen günstig für die späte Ernte und frühe Nachernte-Logistik: Die Böden könnten durch vereinzelte Schauer etwas Oberflächenfeuchte aufnehmen, doch anhaltend starke Regenfälle oder Hitzestress sind nicht in Sicht. Für bereits gedroschenen Roggen sollte das Muster ausreichend Spielraum für Trocknungs- und Einlagerungsarbeiten bieten, Qualitätsverluste begrenzen und so das Angebot an Futterware kurzfristig stabil halten.
Fundamentale Faktoren & externe Treiber
- EU-Bilanzen: Jüngste EU-Marktausblicke deuten für 2026 auf weitgehend ausgeglichene Getreidemärkte hin, mit nur geringfügigen Änderungen bei Roggenfläche und -erträgen im Vergleich zu den letzten Jahren; ein struktureller Mangel ist nicht erkennbar.
- Risikoprämie Schwarzes Meer: Russische Angriffe auf die ukrainische Exportinfrastruktur im Raum Odessa und sich verschärfende Rahmenbedingungen für Getreideexporte sowohl aus der Ukraine als auch aus Russland erhöhen das Logistikrisiko und die Frachtkosten und stützen damit trotz komfortabler Bestände die Getreidepreise in der EU.
- Futtersubstitution: Da auch Gerste und Mais infolge regionaler Angebots- und Risikofaktoren unter Aufwärtsdruck stehen, behält Roggen in einigen Rationen einen Kostenvorteil und stützt damit eine Untergrenze für deutsche Roggenpreise.
Handelsausblick
- Futterkäufer (Deutschland): Nutzen Sie die aktuelle Seitwärtsbewegung um 0,19 EUR/kg, um den Bedarf für 1–2 Monate zu decken, insbesondere in Regionen mit höheren Frachtkosten von Häfen oder bei Abhängigkeit von Futtermitteln ukrainischen Ursprungs.
- Erzeuger (Deutschland): Da der Erntedruck allmählich nachlässt und das geopolitische Risiko eher nach oben gerichtet ist, sollten Verkäufe nicht aggressiv auf oder unter dem aktuellen Niveau getätigt werden; erwägen Sie gestaffelte Verkäufe bei kleineren Aufschlägen, mit Flachpreisen um oder über 0,20 EUR/kg als erste Auslöseschwelle.
- Händler: Verfolgen Sie die Entwicklungen rund um Odessa und die russischen Exportterminals genau; jede weitere Eskalation, die die Exportströme aus dem Schwarzen Meer reduziert, könnte die Stimmung bei EU-Futtergetreide rasch verknappen und Chancen für kurzfristige Long-Positionen in Roggen und verwandten Getreiden bieten.
3‑Tages-Preisindikation (Region: DE)
Basierend auf den aktuellen Fundamentaldaten, dem Wetter und der Logistik:
- Deutschland, Drentwede EXW Futterroggen: Die Preise dürften in den nächsten drei Handelstagen in einer engen Spanne von 0,19–0,20 EUR/kg bleiben, mit leichtem Aufwärtspotenzial, falls sich die Nachrichtenlage zum Korridor im Schwarzen Meer weiter eintrübt.
- Deutscher Inlandsspread vs. ukrainischer FOB-Roggen: Der breite Abstand dürfte angesichts der Export- und Sicherheitsrisiken im Schwarzen Meer bestehen bleiben und das Abwärtspotenzial für deutsche Binnenpreise auf sehr kurze Sicht begrenzen.