Deutscher Futterroggen gibt nach, da Erntedruck auf Hitzewellenrisiko trifft
Die Preise für Futterroggen in Niedersachsen geben nach – belastet durch Erntedruck, komfortable EU‑Versorgung und eine kurze Hitzewelle. Der kurzfristige Ausblick bleibt leicht bärisch.
Preise
Die letzten Indikationen für Futterroggen (max. 14 % Feuchte) EXW Drentwede, Norddeutschland, liegen bei rund 189 EUR/t, nach etwa 193 EUR/t Ende letzter Woche und ungefähr 200 EUR/t in der zweiten Julihälfte. Dies bestätigt einen leichten, aber stetigen Abwärtstrend, da mehr Neuschrotmengen auf den Hof kommen.
Ukrainischer Roggen FOB Odessa ist weitgehend stabil bei rund 120 EUR/t (entspricht), womit ein großer Abschlag gegenüber den deutschen Inlandspreisen bestehen bleibt. Aufgrund des begrenzten grenzüberschreitenden Handels und logistischer Einschränkungen wirkt sich dies jedoch kurzfristig nur gering auf die deutschen Erzeugerpreise aus.
Angebot & Nachfrage
Aktuelle EU-Bilanzupdates zeigen, dass die Roggenbestände bis 2025/26 komfortabel bleiben, wobei die kumulierten Exporte und die industrielle Nachfrage im Vergleich zu den Hauptgetreidearten relativ gering sind. Der EU‑Roggenhandel ist bislang in 2025/26 moderat, und Deutschland fungiert weiterhin hauptsächlich als regionaler Lieferant für nahegelegene Märkte und nicht als großer Exporteur.
Die globale Roggennutzung wird von der Futter- und der industriellen Verwendung (Ethanol und Stärke) dominiert, doch die kurzfristige Futtergetreidenachfrage in der EU wird durch schwache Viehmargen und Konkurrenz von Gerste und importiertem Mais begrenzt. Dies begrenzt das Aufwärtspotenzial für Roggen, selbst wenn die Ernte ausläuft. Unter den größten Produzenten dürfte Deutschland im Vergleich zur vergangenen Saison eine stabile bis leicht höhere Ernte verzeichnen und damit die regionale Verfügbarkeit weiter erhöhen.
Wetter & Ernte
Norddeutschland, einschließlich Niedersachsen rund um Drentwede, sieht sich derzeit mit sehr warmen bis heißen Bedingungen konfrontiert, mit Tageshöchstwerten um 34 °C am 4. August und einer offiziellen starken Hitzestresswarnung. Für die kommenden Tage wird ein allmählicher Rückgang der Temperaturen erwartet, mit Höchstwerten wieder in den unteren bis mittleren 20ern °C und der Möglichkeit einiger Schauer.
Da Roggen ein früh zu erntendes Getreide ist, ist ein großer Teil der Bestände in Norddeutschland bereits gedroschen. Die aktuelle Hitzewelle stellt daher eher eine logistische und qualitätsbezogene Handlingsherausforderung dar als eine Ertragsbedrohung. Kurzzeitige Ernteunterbrechungen durch Gewitter und Schauer können die Anlieferung an die Lagerhäuser vorübergehend verlangsamen, werden das Angebot aber voraussichtlich nicht so stark verknappen, dass der jüngste Abwärtstrend bei den Preisen umgekehrt würde.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- EU‑Bilanzen: Kurzfristige EU‑Prognosen signalisieren für 2026 eine ausreichende Verfügbarkeit von Getreide und Roggen, bei nur moderatem Wachstum der Futterverwendung, sodass die Bestands‑zu‑Verbrauchs‑Verhältnisse komfortabel bleiben.
- Konkurrenz durch andere Getreidearten: Frühe Aussichten auf große Weizen- und Gerstenernten in Europa sowie stetige Maisimporte begrenzen weiterhin den Anteil von Roggen in Futterrationen.
- Wettbewerb aus dem Schwarzen Meer: Die ukrainischen Roggen‑FOB‑Werte liegen weiterhin deutlich unter den deutschen Inlandspreisen, doch logistische und qualitätsbezogene Einschränkungen begrenzen einen direkten Ersatz in der sehr kurzen Frist.
- Makro-Hintergrund: Das Wirtschaftswachstum in der EU bleibt verhalten, was die Fleischnachfrage – und damit den Gesamtverbrauch von Mischfutter – begrenzt.
Handelsausblick (nächste 3–5 Tage)
- Für Käufer (Mischfutterwerke, Händler): Kurzfristig ist die Tendenz leicht bärisch; nutzen Sie opportunistische Spot- oder kurzfristige Deckung zu den aktuellen EXW‑Niveaus, vermeiden Sie jedoch übermäßige Vorwärtskäufe, da der Erntedruck sich bis Mitte August hinziehen könnte.
- Für Landwirte/Verkäufer: Da die Kassapreise weiter nachgeben und kein klarer bullischer Impuls erkennbar ist, birgt das Halten großer unverkaufter Volumen Abwärtsrisiken; gestaffelte Verkäufe in den kommenden 1–2 Wochen können helfen, Durchschnittspreise zu sichern.
- Für Spread-/Arbitragehändler: Der große Abschlag zwischen DE‑EXW und UA‑FOB deutet auf eine theoretische Importarbitrage hin, doch die praktische Umsetzung bleibt herausfordernd; konzentrieren Sie sich auf den relativen Wert gegenüber Futtergerste und -weizen in lokalen Rationen.
3‑Tage‑Regionale Preisrichtung
- Deutschland – Drentwede EXW Futterroggen: Tendenz zu leicht weicheren bis seitwärts laufenden Preisen, da die Erntemengen weiter fließen und das Wetter weniger extrem wird.
- Schwarzes Meer – Odessa FOB Roggen: Seitwärtstendenz, die eher der regionalen Getreidestimmung und den Frachtraten folgt als dem lokalen Wetter.