Deutscher Futterroggen stabil, da Erntedruck Wetterrisiken ausgleicht
Deutsche Roggenpreise halten sich bei rund 0,19 EUR/kg EXW unter Erntedruck, komfortabler EU-Versorgung und günstigem Wetter. Kurzfristiger Ausblick: seitwärts bis leicht schwächer.
Preise
In Drentwede (Niedersachsen, ab Hof/EXW) wird Futterroggen (max. 14 % Feuchtigkeit) bei rund 0,19 EUR/kg indiziert, seit dem 3. August unverändert, nachdem er von etwa 0,20 EUR/kg Ende Juli zurückgekommen ist. Dies spiegelt eine allmähliche Korrektur von 5–6 % gegenüber den Höchstständen Mitte Juli wider, bei gleichzeitigem Nettogewinn gegenüber dem Niveau zu Monatsbeginn.
Ukrainischer Roggen FOB Odessa bleibt deutlich günstiger (umgerechnet etwa 0,12 EUR/kg), doch Logistik und Konkurrenz durch Weizen und Mais begrenzen kurzfristig direkte Arbitragemöglichkeiten nach Deutschland. Der Binnenmarkt wird daher in erster Linie von lokalen Erntemengen und der regionalen Futternachfrage bestimmt, nicht von Importdruck.
Angebot & Nachfrage
Die EU-Roggenbilanz zu Beginn des Vermarktungsjahres 2025/26 zeigt, dass der kumulierte Roggenhandel und -verbrauch über dem Vorjahresniveau liegen, was auf eine insgesamt komfortable, aber sich im Vergleich zu 2023/24 leicht verengende Versorgungslage hindeutet. Roggen bleibt dabei ein Nischengetreide, wobei Deutschland ein wichtiger Produzent und Verbraucher ist, und die Ströme überwiegend innerhalb der EU und weniger global verlaufen.
In Deutschland bringen die laufenden Wintergetreideernten frische Mengen auf den Markt, insbesondere in den nördlichen Regionen, was kurzfristige Versorgungsbedenken entschärft. Die Nachfrage der Mischfutterindustrie ist stabil, aber preissensibel, mit teils zunehmender Substitution durch Gerste und Mais, wo diese preislich wettbewerbsfähig sind. Dies begrenzt vorerst das Aufwärtspotenzial für Roggen, trotz eines insgesamt festen Getreidekomplexes.
Wetter & Ernte (Region: Deutschland)
Für Niedersachsen und die angrenzenden norddeutschen Regionen deutet die 3-Tage-Prognose um den 5.–8. August auf überwiegend trockene bis teils wolkige Bedingungen mit moderaten Temperaturen und nur vereinzelten leichten Schauern hin. Dieses Muster ist vorteilhaft für den Abschluss der Roggen- und übrigen Getreideernte und dient der Sicherung der Kornqualität, ohne neue Ertragsrisiken zu schaffen.
Da die Phase der Hauptertragsbildung bereits lange abgeschlossen ist, beeinflusst das kurzfristige Wetter nun vor allem das Erntetempo und die Logistik. Die günstige Prognose spricht für weiterhin reibungslose Druscharbeiten, unterstützt anhaltende Bauernverkäufe und sorgt für einen leicht bärischen Grundton bei den kurzfristigen Preisen – sofern unerwartete Niederschläge die Arbeiten nicht stören.
Fundamentaldaten & Treiber
- EU-Handelsdaten: Die neuesten wöchentlichen EU-Zahlen für Roggen in 2025/26 zeigen stärkere kumulierte Ströme als vor einem Jahr. Dies bestätigt eine aktive Nutzung und einen lebhaften grenzüberschreitenden Handel, bei weiterhin überschaubaren absoluten Volumina.
- Konkurrenz durch andere Getreidearten: Gerste und Mais bleiben die Hauptkonkurrenten in Futterrationen; die aktuellen relativen Preisdifferenzen rechtfertigen derzeit keinen deutlichen Aufschlag für Roggen und begrenzen damit den Spielraum für eine starke Preiserholung.
- Schwarzmeer-Kontext: Die ukrainische Exportlogistik über Odessa und alternative Korridore ist weitgehend auf Weizen und Mais ausgerichtet. Der nur marginale Anteil von Roggen im Exportprogramm begrenzt seinen direkten Einfluss auf die Ursprungspreise in Deutschland in der sehr kurzen Frist.
Handelsausblick (nächste Tage)
- Käufer (Futter & Industrie): Eine schrittweise, bedarfsorientierte Eindeckung (Hand-to-mouth) zu den aktuellen EXW-Niveaus um 0,19 EUR/kg ist zu erwägen; Erntedruck und gutes Wetter sprechen für begrenztes Abwärtspotenzial, bei gleichzeitig geringem Risiko eines kurzfristigen starken Preissprungs.
- Landwirte (Verkäufer): Da die Preise von den jüngsten Höchstständen zurückgekommen, historisch aber weiterhin ordentlich sind, kann ein gestaffelter Verkauf in Kursanstiege hinein sinnvoll sein – insbesondere bei knappen Lagerkapazitäten am Hof und anhaltend erntefreundlichem Wetter.
- Händler: Vorsichtige Positionierung beibehalten; die Basiskonditionen dürften gegenüber Gerste und Mais wettbewerbsfähig bleiben, doch die geringe Liquidität im Roggenmarkt spricht für diszipliniertes Risikomanagement.
3-Tage-Preisindikation (Region: DE)
- Deutschland, Norden (z. B. Drentwede, EXW): Seitwärts bis leicht schwächer; indikative Spanne 0,185–0,192 EUR/kg in den nächsten drei Tagen, unter der Annahme eines weiterhin reibungslosen Ernteverlaufs und stabiler Nachfrage.
- Deutschland, andere Roggenregionen: Ähnliche Tendenz, mit lokalen Basisunterschieden, die vor allem von Logistik und Konkurrenz durch Gerste und Weizen bestimmt werden.