Gerstenmarkt bleibt fest, da Neusaison-Kontrakte leichte Aufwärtstendenz signalisieren
Analyse des Gerstenmarkts: SFE-Futtergersten-Futures unverändert, Barpreise in EU und Schwarzem Meer ziehen an. Kurzfristausblick, Wetterrisiken und Handelsideen auf einen Blick.
Preise
Die SFE-Futtergersten-Futures für Sep 2026 bis Jul 2027 schlossen am 28. Juli 2026 unverändert, ohne registriertes Handelsvolumen, was eher auf einen stabilen, widerstandsfähigen Preisboden als auf aktiven Verkaufsdruck hindeutet.
Wichtige Abrechnungskurse in AUD/t liegen gebündelt zwischen 308 (Sep 26) und 342 (Mai/Jul 27) und steigen weiter auf 354 für Jan 2028 und Jan 2029, was trotz fehlender Tagesbewegungen auf eine leicht ansteigende Forwardkurve hinweist.
Umgerechnet in EUR/t (unter Verwendung eines indikativ angenommenen Kurses von 1 AUD ≈ 0,60 EUR) liegen die kurzfristigen SFE-Werte grob bei 185–205 EUR/t. Dies bietet eine Referenzspanne für internationale Futtergerstenpreise und hilft, physische Gebote zu verankern.
In Deutschland ist die EXW-Futtergerste Drentwede von etwa 0,188 EUR/kg Anfang Juli auf 0,204 EUR/kg am 27. Juli gestiegen, was eine festere lokale Nachfrage und begrenzte Verkaufsbereitschaft der Landwirte nach der Ernte widerspiegelt.
In der Ukraine bleibt die FOB-Rinderfuttergerste in Odessa mit 0,184 EUR/kg stabil, während die Binnennotierungen CPT um 0,161 EUR/kg nur leicht nachgeben – ein Hinweis auf wettbewerbsfähige Angebote aus dem Schwarzen Meer ohne aggressive Abschläge.
Angebot & Nachfrage
Unveränderte SFE-Futures und das Ausbleiben von Handelsvolumen deuten darauf hin, dass australische Marktteilnehmer derzeit keinen Bedarf sehen, das Angebot neu zu bepreisen. Dies passt zu ausreichenden Vorräten auf den Betrieben und weitgehend ausbalancierten Exportprogrammen.
Die leichte Contango-Struktur von Sep 2026 in Richtung 2027–2028 impliziert, dass der Markt weder mit einem deutlichen Überschuss noch mit einem scharfen Defizit rechnet; Lager- und Finanzierungskosten sind gedeckt, doch es gibt keinen starken Anreiz, Verkäufe vorzuziehen.
In der EU weist der Anstieg der Kassapreise in Norddeutschland auf eine solide Nachfrage der Mischfutterhersteller hin sowie – wo die Qualität dies zulässt – auf gewisse Konkurrenz durch Mälzereien, während ukrainische Angebote die Aufwärtsdynamik in exportorientierten Regionen begrenzen.
Fundamentaldaten
Die unveränderten täglichen SFE-Abrechnungskurse über alle gelisteten Kontrakte am 28. Juli 2026, kombiniert mit null gemeldetem Volumen, unterstreichen ein ruhiges Terminmarktumfeld, in dem physische Fundamentaldaten und nicht spekulative Ströme die Gerstenpreisentwicklung bestimmen.
Der Aufwärtsschub bei den deutschen EXW-Preisen im Juli (rund +0,016 EUR/kg bzw. etwa +8–9 %) deutet auf eine sich verengende lokale Verfügbarkeit oder verbesserte Nachfrageerwartungen hin, möglicherweise im Zusammenhang mit den Margen in der Viehhaltung und der Rationsgestaltung im Vergleich zu Weizen und Mais.
In der Ukraine spiegelt die Divergenz zwischen stabilen FOB-Preisen und leicht schwächeren CPT-Notierungen eher einen Margendruck in Logistik und Umschlag wider als einen Einbruch der vorgelagerten Erzeugerpreise, sodass die Netback-Ökonomie fein austariert bleibt.
Wetter- & Risikoausblick
Für den wesentlichen kurzfristigen Horizont stehen bei Gerste weniger unmittelbare Ernteverluste im Fokus als vielmehr potenzielle Qualitätsabstufungen oder logistische Störungen, insbesondere bei Exporten aus dem Schwarzen Meer und im EU-Binnenverkehr.
Da die SFE-Kurve bereits einen moderaten Carry in Richtung 2027–2028 einpreist, könnten negative Wettereinflüsse in spät bestellten Regionen oder Transportengpässe rasch in festere nahe physische Prämien münden.
Handelsausblick (nächste 1–2 Wochen)
- Futterkäufer (EU): Erwägen Sie, einen Teil des Bedarfs für Q4 2026 zu aktuellen deutschen Niveaus von 200–205 EUR/t abzusichern, da der Aufwärtstrend und enge Logistik gegen das Abwarten auf nennenswert niedrigere Preise sprechen.
- Erzeuger (EU): Nutzen Sie die jüngste Aufwärtsbewegung, um verkaufsseitig gestaffelt auf Basis eines prozentualen Ernteanteils zu agieren, während Sie einen Teil der Position für potenzielle witterungs- oder frachtgetriebene Preisspitzen offenlassen.
- Importeure (MENA/Asien): Beobachten Sie den Spread zwischen ukrainischen FOB/CPT-Notierungen und SFE-Werten; die derzeitige Parität signalisiert begrenztes Abwärtspotenzial, sodass gestaffelte Käufe eine sinnvolle Risikomanagementstrategie darstellen.
3-Tage-Richtungstendenz
- SFE-Futtergerste (alle gelisteten Fälligkeiten): Seitwärts bis leicht fester in EUR, wobei Währungsschwankungen voraussichtlich wichtiger sind als Änderungen der Futures selbst.
- Deutschland (EXW-Futtergerste): Leicht festerer Bias, da die Nachfrage lebhaft bleibt und Landwirte zusätzliche Mengen zurückhalten.
- Ukraine (FOB/CPT-Futtergerste): Überwiegend stabil, mit kleineren Anpassungen in Abhängigkeit von Frachtkosten und der regionalen Stimmung am Getreidemarkt.