Gerstenmarkt: Flache SFE-Kurve, schwächere Schwarzmeer-Spotpreise und Wetterrisiken voraus
Update Gerstenmarkt Juni 2026: flache SFE-Futtermittelgerstenfutures, weichere Kassapreise im Schwarzmeerraum, schwächere ukrainische Exporte und frühe Erntewetterrisiken.
Preise
Der SFE-Futtermittelgersten-Strip zeigt kaum Preisunterschiede entlang der Kurve: Juli 2026 wird bei 310 AUD/t gehandelt und steigt nur leicht auf 320 AUD/t bis Mai 2027, bevor weiter laufende Fälligkeiten bei 336 AUD/t im Januar 2028 und Januar 2029 notieren. Alle Kontrakte blieben am 19. Juni 2026 unverändert, ohne gehandeltes Volumen, was ein sehr ruhiges Terminmarksumfeld unterstreicht.
Umgerechnet zu etwa 1 AUD = 0,60 EUR impliziert der Juli–Mai-Strip rund 186–192 EUR/t, was darauf hindeutet, dass australische Forward-Notierungen leicht über den aktuellen Kassapreisen im Schwarzmeerraum liegen. Jüngste Angebote für ukrainische Futtergerste (Saatgut für Futter- und Rinderfütterung) liegen bei etwa 0,19–0,20 EUR/kg FCA/FOB (entspricht 190–200 EUR/t), mit einer leichten Abschwächung der FCA-Inlandspreise seit Anfang Juni. Deutsche EXW-Indikationen für Futtergerste um 0,185 EUR/kg (185 EUR/t) sind seit Mitte Juni stabil.
Angebot & Nachfrage
Auf der Exportseite haben die ukrainischen Getreideausfuhren in 2025/26 bis zum 19. Juni fast 36 Mio. t erreicht, rund 10 % weniger als in der Vorsaison. Die Gerstenexporte sind dabei im Jahresvergleich um etwa 35 % auf rund 1,5 Mio. t zurückgegangen, was die schwächere Rolle der Gerste im Exportmix des Landes sowie den Einfluss von Konkurrenzdruck und Logistikengpässen bestätigt.
Trotz des Rückgangs bei den Gerstenexporten bleiben die ukrainischen Seeverkehre bedeutend: Von Januar bis Mitte Juni 2026 sind dank des funktionierenden maritimen Korridors über 20 Mio. t Getreide über ukrainische Häfen abgeflossen – trotz anhaltender Sicherheitsbedrohungen. Dies deutet darauf hin, dass Gerste zwar im Vergleich zu Weizen und Mais mit relativen Nachfrage- und Liquiditätsproblemen konfrontiert ist, das Gesamtangebot aus dem Schwarzmeerraum für den Weltmarkt jedoch weiterhin umfangreich bleibt.
Fundamentaldaten & Wetter
Weltweit bewegt sich die Fundamentallage für Gerste innerhalb eines insgesamt engeren Getreidegleichgewichts, wie es in jüngsten Agribusiness-Ausblicken hervorgehoben wird, ohne jedoch auf akute Versorgungsengpässe hinzuweisen. Der erste Ausblick für 2026/27 zeigt auf eine insgesamt geringere Getreideproduktion und historisch niedrige Maisbestände, was den Futtergetreidepreisen, einschließlich Gerste, eine gewisse Unterstützung bietet. Gleichzeitig melden Europa und der Schwarzmeerraum weiterhin ausreichende Bestände und einen starken Exportwettbewerb bei Futtergetreiden.
Witterungsseitig beschleunigt frühe Sommerhitze in Teilen Osteuropas und des Balkans zwar die Erntebereitschaft, erhöht aber auch das Stressrisiko für Sommerkulturen. In Nordamerika ist die Aussaat von Gerste in den wichtigsten kanadischen Provinzen weitgehend abgeschlossen, und die Zustandsbewertungen der Bestände sind überwiegend gut, was bei anhaltend günstiger Witterung normale bis überdurchschnittliche Verfügbarkeiten erwarten lässt. In den USA müssen anhaltende Dürreherde beobachtet werden, sind aber noch kein entscheidender Faktor für die globale Gerstenbilanz.
Ausblick & Trading-Sicht
Die flache SFE-Futtermittelgerstenkurve in Kombination mit weicheren Kassanotierungen im Schwarzmeerraum deutet auf eine seitwärts bis leicht schwächere Preisentwicklung bis zur Ernte auf der Nordhalbkugel hin, sofern keine größeren Wetter- oder geopolitischen Schocks eintreten. Die Handelsaktivität in der Altware ist begrenzt, der Fokus verlagert sich zunehmend auf die Neuzertifikatverfügbarkeit und die Nachfrage wichtiger Importeure im Nahen Osten und in Asien.
Logistische und geopolitische Risiken rund um den Schwarzmeerkorridor bleiben ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor. Anhaltende Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur könnten die effektive Exportkapazität begrenzen und die FOB-Preise vorübergehend stützen, doch die aktuellen Daten sprechen weiterhin für robuste Getreideflüsse und starken Wettbewerb aus Russland und der EU.
Handelsempfehlungen
- Mischfutterhersteller / Importeure: Nutzen Sie die derzeitige Schwäche der Kassapreise im Schwarzmeerraum und in der EU (rund 185–200 EUR/t), um die Deckung für Q3–Q4 2026 auszuweiten, insbesondere dort, wo Gerste in Rationen mit Mais und Weizen konkurriert.
- Erzeuger in Europa & Schwarzmeerraum: Angesichts der flachen Forward-Kurve und schwächerer ukrainischer Exportdaten sollten Absicherungen oder Vorverkäufe eher in wettergetriebenen Rallys als auf dem aktuellen Niveau schrittweise aufgebaut werden.
- Händler: Beobachten Sie die Schwarzmeerlogistik und die chinesische Nachfragedynamik; ein erneutes chinesisches Interesse an ukrainischer oder australischer Gerste könnte Spreads kurzfristig verengen und Chancen für kurzfristige Originierungs- und Spreadstrategien eröffnen.
3-Tage-Preistendenz (indikativ)
- Schwarzmeerraum (FOB Futtergerste, Odessa): Rund 0,19–0,20 EUR/kg, Tendenz: seitwärts bis leicht schwächer unter Erntedruck.
- Deutschland (EXW Futtergerste): Rund 0,185 EUR/kg, Tendenz: stabil mit leichtem Abwärtsrisiko bei anhaltend gutem Erntewetter.
- Australien (SFE-Futtermittelgerstenfutures): Entspricht entlang der Kurve ungefähr 186–192 EUR/t, Tendenz: seitwärts, im Einklang mit der globalen Futtergetreidestimmung.