Gerstenmarkt folgt Futterweizen-Rally, da Hitzewelle EU-Erträge bedroht
Update Gerstenmarkt 26. Juni 2026: EU-Hitzewelle, Ukraine-CPT-Preise nahe 205 EUR/t, starke Futter Nachfrage und vorsichtige Verkäufe der Landwirte stützen einen festen, aber nervösen Markt.
Preise
Die ICE-Futterweizenfutures, der zentrale Benchmark für europäische Futtergetreide einschließlich Gerste, gaben am 25. Juni leicht nach; der November-2026-Kontrakt lag rund 1,3 % tiefer bei etwa 179,25 GBP/t, die Juli-2026-Position bei 176,25 GBP/t. Dieser leichte Rücksetzer folgt auf eine wettergetriebene Rally, doch die gesamte Terminstruktur bleibt historisch erhöht und bis 2028 relativ flach, was eher auf anhaltende Risikoaufschläge im Getreidebereich als auf eine klassische Baisse-Struktur hindeutet.
Umgerechnet handelt ICE-Futterweizen für November 2026 nahe 210–215 EUR/t und liefert damit einen klaren Referenzpunkt für die Bewertung von Gerste. In der Ukraine werden Kaufpreise für Gerste Spot und kurzfristig um den 25. Juni herum mit etwa 10.000 UAH/t CPT (rund 225–230 EUR/t) angegeben, im Einklang mit Forward-Exportideen von etwa 203–205 USD/t CPT Schwarzes Meer (ungefähr 190–195 EUR/t), je nach Qualität und Termin.
Angebote am physischen Markt bestätigen dieses Bild: Futtergerstensaat in der Ukraine wird mit etwa 0,19 EUR/kg FCA Kiew und 0,20 EUR/kg FCA Odessa (etwa 190–200 EUR/t) indiziert, während CPT Odessa-Werte um 0,172 EUR/kg (172 EUR/t) liegen. In Deutschland handelt Futtergerstensaat stabil bei rund 0,186 EUR/kg ab Hof Drentwede (186 EUR/t) und zeigt damit eine relativ enge Spanne zwischen EU-inländischer und Schwarzmeer-Herkunft trotz zunehmender Wetterrisi ken.
*Umrechnung von 203–205 USD/t bei ~1,05 USD/EUR.
Angebot & Nachfrage
Der Futterweizensektor ist derzeit der wichtigste Preistreiber für Gerste. Eine starke Hitzewelle in Westeuropa setzt Weizen und andere Getreide in einer empfindlichen Spätphase der Vegetation unter Stress, insbesondere in Frankreich, Deutschland und Spanien. Analysten weisen darauf hin, dass die durchschnittlichen Weizenerträge in der EU zwar weiterhin über dem Fünfjahresmittel, inzwischen aber unter dem Vorjahresniveau geschätzt werden, und dass eine zweite Hitzewelle Ende Juni weitere Herabstufungen auslösen könnte. Vor diesem Hintergrund gewinnt Gerste als naher Futterersatz an Wert und zieht mit Weizen nach.
Auf der Schwarzmeer-Seite ist die übergeordnete Getreidebilanz weniger angespannt. Die gesamte Getreide- und Ölsaatenernte der Ukraine 2026 wird auf etwa 83,6 Mio. Tonnen geschätzt, gegenüber rund 80 Mio. Tonnen im Jahr 2025, wobei die Gerstenproduktion bei etwa 5,2 Mio. Tonnen gesehen wird, nach 4,9 Mio. Tonnen im Vorjahr. Dies deutet auf etwas mehr exportierbare Gerstenmengen hin, obwohl die Sommergerstenfläche im Jahresvergleich voraussichtlich um 3 % zurückgeht.
Auch der Weizenausblick Russlands wurde nach unten angepasst; ein großer Prognostiker senkte seine Schätzung für die Weizenernte 2026/27 um 1,4 Mio. Tonnen aufgrund reduzierter Sommerweizenflächen. Obwohl die russische Produktion damit absolut betrachtet weiterhin hoch bleibt, unterstreicht dies, dass der globale Weizenüberschuss nicht unbegrenzt ist und Gerste in einigen Märkten einen größeren Teil der Futter Nachfrage tragen muss. Gleichzeitig wird die Weizenernte der Ukraine etwas höher als im Vorjahr erwartet, und lokale Analysten gehen davon aus, dass die Preise der neuen Ernte bei Erntedruck um etwa 10 USD/t nachgeben, bevor sie sich angesichts begrenzter Verkaufsbereitschaft der Landwirte wieder erholen.
Das anhaltende Interesse Chinas an ukrainischer Gerste ist ein weiterer struktureller Faktor. Frühere Analysen hoben hervor, dass China der führende Käufer ukrainischer Gerste und ein wichtiger Preistreiber zu Saisonbeginn war – eine Rolle, die es voraussichtlich beibehält, sofern die Preisrelationen gegenüber australischer und EU-Ware attraktiv bleiben. Vor diesem Hintergrund könnte ein deutlicher Wetterschock in der EU, der das Exportpotenzial einschränkt, ukrainische Gerste rasch höher bepreisen, um ausreichende Ströme anzuziehen.
Fundamentaldaten & Wetter
Fundamentalsignale aus der Terminstruktur und vom physischen Markt deuten auf eine vorsichtige, aber nicht panische Stimmung hin. Die ICE-Futterweizen-Kurve zeigt nur einen leichten Contango von nahen zu späteren Fälligkeiten, was darauf hindeutet, dass der Markt zwar ein Risiko weiterer wetterbedingter Ertragsverluste einpreist, gleichzeitig aber von einer ausreichenden Versorgung im längerfristigen Verlauf ausgeht. Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Ukraine, wo sich Forward-Preise für Gerste und Futterweizen im Schwarzmeerraum für Erntetermine 2026 trotz leicht geringerer Sommergetreideflächen in einer relativ engen Spanne von 210–220 EUR/t (CPT-Äquivalent) gebildet haben.
Wetter bleibt das dominierende kurzfristige Risiko. Ein starkes Hochdruckgebiet hat seit etwa dem 20. Juni in Teilen Frankreichs und Deutschlands Temperaturen von nahe oder über 35–40 °C gebracht; aktuelle Prognosen deuten auf weitere Tage mit sehr heißen, überwiegend trockenen Bedingungen über zentralen Getreidegürteln hin. Die Bodenfeuchte war in einigen Regionen bereits angespannt, sodass zusätzliche Hitze die Kornfüllung beschleunigen und sowohl Weizen- als auch Gerstenerträge schmälern könnte, insbesondere auf leichteren Böden und in nicht bewässerten Lagen.
In der Ukraine sind die Wachstumsbedingungen für Gerste vergleichsweise ausgeglichener. Zwar halten lokale Trockenphasen und hoher Kostendruck bei Betriebsmitteln an, doch nationale Prognosen deuten weiterhin auf eine größere Gerstenernte als 2025 hin. Die Exportinfrastruktur rund um Odessa funktioniert ausreichend, um eine aktive Absicherung der neuen Ernte zu unterstützen, auch wenn geopolitische und logistische Risiken im Schwarzen Meer als latenter Prämienfaktor bestehen bleiben.
Kurzfristiger Ausblick & Handelsideen
Angesichts des Zusammenspiels aus hitzebedingten EU-Risiken und sich schrittweise verbessernden Schwarzmeer-Angeboten dürfte der Gerstenmarkt in den kommenden Wochen stark überschriftengetrieben bleiben.
- Mischfutterhersteller / Tierhalter (EU): Erwägen Sie, die Abdeckung bei Gerste und Futtergetreide für Q3–Q4 2026 moderat auszudehnen, solange ICE-Futterweizen nahe 210–215 EUR/t und Schwarzmeer-Gerste bei etwa 190–200 EUR/t (Äquivalent) notiert. Das Aufwärtspotenzial durch eine zweite Hitzewelle in Europa spricht für zumindest eine teilweise Vorabdeckung, allerdings ohne Überabsicherung, da die Produktionserwartungen im Schwarzmeerraum komfortabler sind.
- Exporteure (Schwarzes Meer): Bei ersten Forward-Geboten um 203–205 USD/t CPT Schwarzes Meer empfiehlt sich ein diszipliniertes Verkaufstempo. Aggressive Vorverkäufe unterhalb von 190 EUR/t (Äquivalent) könnten Potenzial verschenken, falls die Wetterschäden in der EU zunehmen und die chinesische Nachfrage nach ukrainischer Gerste robust bleibt.
- EU-Landwirte: Wo Wetterschäden signifikant sind, die Erträge aber noch nicht feststehen, erscheint eine gestaffelte Vermarktungsstrategie sinnvoll. Ziehen Sie schrittweise Verkäufe bei weiteren, weizengetriebenen Rallys in Betracht, behalten Sie jedoch einen Teil unbepreister Tonnage bis Ende Juli–August zurück, falls hitzebedingte Ertragseinbußen in Frankreich und Deutschland die Bilanz stärker verknappen als derzeit erwartet.
3-Tage-Richtungstendenz (EUR-basiert)
- ICE-Futterweizen (Proxy für EU-Futtergerste): Leicht fester Bias über die nächsten drei Sitzungen, da die Märkte das Hitzewellenrisiko in Europa weiter einpreisen; Tagesschwankungen dürften sich an Aktualisierungen der Wettermodelle orientieren.
- Ukraine CPT / FOB Gerste (Schwarzes Meer): Voraussichtlich weitgehend stabil in einer Spanne von 185–195 EUR/t, mit leichtem Aufwärtspotenzial, falls EU-Wetter-Schlagzeilen intensiver werden und zusätzliche Forward-Käufe wichtiger Importeure einsetzen.
- Inländische EU-Futtergerste (Deutschland, Benelux): Es wird ein festerer Ton erwartet, im Fahrwasser des Weizens, jedoch begrenzt durch wettbewerbsfähige Angebote aus dem Schwarzmeerraum; die Basisspannen gegenüber ICE-Futterweizen könnten sich moderat ausweiten, wenn lokale Erntebedenken zunehmen.