Futtergerste stabil, während Hitzewelle in Europa Wetterrisikoprämie erhöht
Die Preise für Futtergerste bleiben weitgehend stabil, während eine rekordstarke Hitzewelle in Westeuropa die Ertragsrisiken erhöht und kurzfristig eine moderate Wetterprämie hinzufügen könnte.
Preise
Die Forwardkurve für Futtergerste ist im Kern flach bis leicht ansteigend, mit Notierungen von Juli 2026 bis März 2027 in einer engen Spanne und etwas höheren Werten in späteren Jahren. Die jüngsten Handelssitzungen zeigen keine Veränderung und unterstreichen das aktuelle Gleichgewicht zwischen Angebotserwartungen und Nachfrage.
Physische Angebote bestätigen dieses Bild einer leichten Festigkeit. In der Ukraine liegt Futtergerste (Futterqualität) im Raum Odessa (FOB/CPT) bei etwa 0,19–0,20 EUR/kg, während FCA-Angebote in Odessa und Kiew im Juni von 0,22–0,23 auf etwa 0,19–0,20 EUR/kg nachgegeben haben. In Deutschland (EXW Drentwede) ist Futtergerste von rund 0,181 auf 0,186 EUR/kg leicht gestiegen und liegt damit im Rahmen der EU‑Futtergerste‑Benchmarks von etwa 176–198 EUR/t Mitte Juni.
Angebot & Nachfrage
Die aktuelle Hitzewelle in Europa ist der dominierende kurzfristige Treiber für Getreide. Frankreich und große Teile West- und Mitteleuropas stehen unter einem anhaltenden Hitmedom, mit Temperaturen von bis zu 14–18°C über dem Normalniveau und weit verbreiteten roten Warnstufen. Dies folgt auf einen bereits rekordheißen Frühling in Frankreich und fällt in eine Phase, in der Getreidebestände in empfindliche Stadien der Kornfüllung und der Vorernte eintreten.
Bei Weizen bleiben die Bonituren in Frankreich mit rund drei Vierteln „gut bis ausgezeichnet“ noch relativ hoch, doch die Hitze hat bereits zu einer leichten Verschlechterung geführt. Dasselbe Wetterrisiko trifft Sommergerste und spät entwickelte Wintergerste, insbesondere auf leichten Böden und in Regionen mit Wasserstress. Ein Wiederholen der extremen Ertragsverluste von 2003 ist jedoch derzeit nicht absehbar, und die aktuellen Sorgen betreffen eher lokale Schäden und potenzielle Qualitätsprobleme als einen systemischen Gerstenmangel in der EU.
Auf der Exportseite prägen Ursprünge aus dem Schwarzen Meer weiterhin das Preisumfeld. Die Ukraine bleibt ein wichtiger Anbieter wettbewerbsfähiger Futtergerste, auch wenn der anhaltende Konflikt und Angriffe auf Infrastruktur am Schwarzen Meer die Logistik einschränken und Fracht- sowie Risikoprämien erhöhen. Gleichzeitig sind russische und andere Weizenangebote aus dem Schwarzen Meer sehr aggressiv, was die globalen Futtergetreidepreise deckelt und begrenzt, wie weit Gerste allein aufgrund des Wetters steigen kann.
Fundamentaldaten & Cross‑Market‑Verflechtungen
Gerste handelt derzeit im Schatten von Weizen. Die hitzegetriebene Rallye bei Pariser Weizenfutures spiegelt Befürchtungen für die französischen und westeuropäischen Ernten wider, während Chicago-Weizen durch starken Wettbewerb aus dem Schwarzen Meer und höhere Exportprognosen für die Ukraine und Russland belastet wird. Diese Divergenz verengt den Gerste‑Weizen‑Spread in Europa, macht Gerste aber zugleich in einigen Futterrationen relativ attraktiv, sofern die Logistik es erlaubt.
EU‑Referenzpreise für Futtergerste im Bereich der mittleren 170er EUR/t im Juni, nur geringfügig unter Futterweizen an mehreren Lieferpunkten, verdeutlichen diese enge Verknüpfung. Gleichzeitig zeigen physische Angebote aus der Ukraine, dass Erzeuger- und Hafenpreise bereits gegenüber Monatsbeginn nach unten angepasst wurden – ein Spiegel begrenzter Exportkapazitäten und starken Wettbewerbs auf den Zielmärkten. In der Summe ergibt sich ein Markt, in dem die Fundamentaldaten für Gerste solide sind, aber externe Preisanker (Weizen, Frachtraten, Kriegsrisiko) entscheidend bleiben.
Wetterausblick (Schlüsselregionen für Gerste)
- Westeuropa (Frankreich, Deutschland, Benelux): Prognosen deuten darauf hin, dass die aktuelle Hitzewelle über weite Teile der Woche anhält, mit Tageshöchstwerten häufig über 35–38°C und wenig Niederschlag. Der Stress für Gerste und andere Getreide bleibt damit hoch.
- Zentral- & Osteuropa: Die Hitze aus dem Westen greift auf Deutschland und Teile Mitteleuropas über, doch die Bedingungen bleiben gemischt, mit der Möglichkeit lokaler Wärmegewitter. Insgesamt ist kein unmittelbares großflächiges Ernteversagen bei Gerste erkennbar, aber das Ertragspotenzial wird an den Rändern beschnitten.
- Schwarzes Meer (Ukraine, Südrussland): Das Wetter bleibt wechselhaft, mit örtlicher Trockenheit, aber derzeit keinem flächendeckenden Extremereignis. Für die Ukraine sind Logistik- und Sicherheitsrisiken rund um die Häfen momentan entscheidender für das verfügbare Exportvolumen an Gerste als die Feldbedingungen allein.
Handelsausblick & 3‑Tage‑Perspektive
- Für Gerstenkäufer (Mischfutter, Tierhaltung): In Betracht ziehen, den kurzfristigen Bedarf in der Phase stabiler Preise zu decken, insbesondere in Regionen mit hoher Exponierung gegenüber weiteren hitzebedingten Herabstufungen der Ernte. Gleichzeitig Flexibilität bewahren, um zu profitieren, falls sich der Wettbewerb aus dem Schwarzen Meer verschärft und die Preise deckelt.
- Für Landwirte in Westeuropa: Die wetterbedingte, weizengetriebene Rallye nutzen, um einen Teil der Gerstenernte 2026 zu preisen, vor allem dort, wo das Ertragsrisiko hoch ist. Einen Teil der Tonnage unbepreist lassen, falls die Hitzewelle anhält oder sich ausweitet.
- Für Händler: Den Gerste‑Weizen‑Spread sowie Fracht- und Risikoprämien aus dem Schwarzen Meer beobachten. Kurzfristig erscheint eine moderate Wetterprämie gerechtfertigt, doch für einen anhaltenden Aufwärtstrend dürfte es klarer Belege für Ertragsverluste über Frankreich und die Nachbarstaaten hinaus bedürfen.
3‑Tage‑Richtungsausblick (EUR‑Basis):
- EU‑Futtergerste (Spot, Hauptumschlagsplätze): Leicht fester Tendenz, folgt Weizen vor dem Hintergrund der anhaltenden Hitzewelle.
- Deutschland EXW Futtergerste: Überwiegend stabil bis leicht fester, mit lokalem Aufschlag gestützt durch Wetter- und Logistikfaktoren.
- Ukraine FOB/CPT Gerste: Weitgehend seitwärts; weitere Anstiege sind durch Exportbeschränkungen und starken Wettbewerb anderer Getreide aus dem Schwarzen Meer begrenzt.