Gerstenmarkt legt nach Rallye Pause ein, während EU-Futtermittelnachfrage robust bleibt
Analyse des Gerstenmarkts: unveränderte australische SFE-Futtergersten-Futures, nachgebende Kassapreise in Deutschland und der Ukraine sowie Ausblick auf die EU-Futtermittelnachfrage.
Prices
Das SFE-Futtergersten-Strip ist zum 4. August 2026 unverändert, alle gehandelten Kontrakte schlossen tagessaldo unverändert bei keinem gemeldeten Umsatz. Die Kurve befindet sich weiterhin im Contango: etwa 308 AUD/t für Sep 2026, ansteigend auf 342 AUD/t für Mai–Jul 2027 und 354 AUD/t für Jan 2028 und Jan 2029. Umgerechnet in Euro (≈0,61 EUR/AUD) entspricht dies grob 188 EUR/t für Sep 2026 und rund 209–216 EUR/t für Lieferungen von Mitte 2027 bis Anfang 2029.
Am europäischen Kassamarkt sind die jüngsten Angebote für deutsche Futtergerste ab Lager (EXW) Drentwede zwischen dem 30. Juli und dem 4. August 2026 von etwa 0,214 EUR/kg auf 0,206 EUR/kg zurückgegangen (≈206 EUR/t), nachdem sie sich seit Mitte Juli zuvor kontinuierlich von rund 0,186–0,195 EUR/kg nach oben bewegt hatten. Angebote für ukrainische Futtergerste und Futtergerste für Rinder (FCA/FOB/CPT Odessa und Kiew) liegen überwiegend in einer Spanne von 0,16–0,178 EUR/kg (160–178 EUR/t) und damit um einige Euro pro Tonne niedriger als vor zwei Wochen, was die Wettbewerbsfähigkeit der Herkunft Schwarzmeer unterstreicht.
Supply & Demand
Die flache SFE-Sitzung mit null gehandeltem Volumen deutet darauf hin, dass ein Großteil der jüngsten bullischen Neubewertung bei Gerste bereits erfolgt ist und die Marktteilnehmer nun abschätzen, wie groß die Ernte der Nordhalbkugel letztlich ausfallen wird. Die EU-Daten deuten für 2025/26 weiterhin auf eine relativ komfortable Versorgung mit Gerste hin, mit steigender Produktion und etwas höheren Endbeständen im Vergleich zu den Vorjahren, während die Exporte dank wettbewerbsfähiger Preise gegenüber anderen Futtergetreiden robust bleiben. In Europa bringt der Erntefortschritt in Deutschland und den umliegenden Regionen zusätzlich Futtergerste auf den Markt und erhöht damit den kurzfristigen Angebotsdruck. Ukrainische Angebote bleiben sowohl im Binnenhandel (FCA) als auch im Seeverkehr (FOB/CPT) aggressiv, was darauf hinweist, dass Schwarzmeer-Gerste weiterhin um Marktanteile in Export- und regionalen Futtermittelmärkten kämpft. Auf der Nachfrageseite dürfte eine robuste Futterverwendung in der EU und den angrenzenden Viehsektoren einen großen Teil des Angebots absorbieren, doch Käufer können derzeit den Wettbewerb zwischen den Herkünften zu ihrem Vorteil nutzen.
Fundamentals & Weather
Fundamental betrachtet unterstreicht die aufwärtsgerichtete SFE-Forward-Kurve von etwa 188 EUR/t (Äquivalent Sep 2026) auf über 210 EUR/t in den Jahren 2028–2029 die Sorgen um die mittelfristige Verfügbarkeit sowie Risikoprämien im Zusammenhang mit Wetter und Handelsströmen. Der jüngste Rückgang der Kassapreise in Deutschland und der Ukraine im Wochenvergleich zeigt jedoch, dass das kurzfristige Angebot derzeit ausreichend hoch ist, um die Preise vorerst zu begrenzen.
In den vergangenen Wochen kam es in Teilen West- und Mitteleuropas zu Hitze- und Trockenperioden, unterbrochen von lokalen Gewittern, was die Ertragsvariabilität erhöht, bislang jedoch noch keinen akuten Versorgungsschock bei Gerste ausgelöst hat. Der Markt blickt weiterhin aufmerksam auf anhaltende Dürresignale in Teilen Englands und Mitteleuropas und darauf, wie sich diese Bedingungen auf die endgültige Kornqualität sowie die Aufteilung zwischen Futter- und Braugerste auswirken. Für die kommenden Tage zeigen die Wetterprognosen weiterhin warme, teils heiße Bedingungen in Teilen Deutschlands und der Ukraine mit begrenzten flächendeckenden Niederschlägen, was die Spätabreife einzelner Bestände beeinträchtigen könnte, aktuell jedoch vor allem andere Getreidearten stärker betrifft, da die Gerstenernte bereits weit fortgeschritten ist.
Outlook & Trading Ideas
- Kurzfristig (nächste 1–3 Wochen): Bei unveränderten SFE-Futures und leicht nachgebenden Kassapreisen in Deutschland und der Ukraine ist für nahe Termine von einer seitwärts bis leicht weicheren Tendenz bei Futtergerste auszugehen, insbesondere dort, wo der Erntedruck anhält.
- Absicherung Q4 2026: Verbraucher mit noch ungesicherten Futterbedarfen können die aktuellen Rücksetzer bei deutschen und ukrainischen Preisen nutzen, um einen Teil ihres Bedarfs für Q4 zu decken, sollten jedoch angesichts der komfortablen europäischen Angebotslage eine Überabsicherung vermeiden.
- Erzeuger: Landwirte, die sich am unteren Ende der aktuellen Handelsspanne wiederfinden, können gestaffelte Verkäufe bei Erholungen in Richtung der Hochs vom Ende Juli in Betracht ziehen, sollten aber einen Teil der Menge unbepreist lassen, falls erneute Wetter- oder Makroschocks den gesamten Getreidekomplex nach oben treiben.
In den nächsten drei Handelstagen dürften die SFE-Gerste-Futures dem allgemeinen Getreidesentiment mit einer stabilen Tendenz folgen, während die deutschen EXW- und ukrainischen FOB/CPT-Indikationen in Euro gerechnet eng seitwärts pendeln sollten. Größere Intraday-Schwankungen sind ohne neue Wetter- oder politische Schlagzeilen nur in begrenztem Umfang zu erwarten.