Gerstenmarkt stabilisiert sich: Terminstruktur festigt sich und EU-Kassapreise ziehen leicht an
Kompaktes Gerstenmarkt-Update Juli 2026: SFE-Futures werden in den längeren Fälligkeiten fester, während deutsche und ukrainische Kassapreise divergieren – mit leicht bullischem Kurzfristausblick.
Preise
Die SFE-Futtergerstenkurve vom 22. Juli 2026 zeigt stabile nahe Preise mit moderaten Aufschlägen auf längere Sicht. Die Fälligkeiten September und November 2026 schlossen beide bei 308 AUD/t, unverändert zum Vortag. Ab Januar 2027 legte der Markt rund 5 AUD/t zu, mit Januar 2027 bei 317 AUD/t und März–Juli 2027 bei 324–327 AUD/t. Januar 2028 und Januar 2029 wurden bei 339 AUD/t gestellt, ebenfalls plus 5 AUD/t, was eine allmählich ansteigende Kurve unterstreicht.
Am EU-Kassamarkt stieg der Preis für Futtergerste EXW Drentwede in Deutschland von etwa 0,18 EUR/kg Ende Juni auf rund 0,196 EUR/kg bis zum 21. Juli 2026 (≈196 EUR/t), ein Plus von rund 9 % in drei Wochen. Die ukrainischen Angebote entwickelten sich uneinheitlicher: Odesa FCA gab von etwa 0,20 EUR/kg Ende Juni auf 0,18 EUR/kg Mitte Juli nach, während Rinderfutter FOB Odesa von 0,177 EUR/kg auf 0,184 EUR/kg zurückkam. Das Ergebnis ist eine geringere Preisdifferenz zwischen Deutschland und der Ukraine für Futterqualitätsgerste.
Angebot & Nachfrage
Die unveränderten SFE-Kontrakte am kurzen Ende in Verbindung mit einem festeren 2027–2028-Streifen deuten darauf hin, dass das aktuelle weltweite Angebot an Futtergerste im Großen und Ganzen ausreichend ist, wobei die Aufmerksamkeit stärker auf die Verfügbarkeit und Kosten im mittleren Zeithorizont gerichtet ist. Frühe Erntezuflüsse auf der Nordhalbkugel, insbesondere aus der EU, begrenzen die Spotpreise, während die weiter vorne liegenden Termine eine Risikoprämie für potenzielle Witterungsrisiken, Logistikengpässe und unsichere makroökonomische Inputkosten einpreisen.
In Europa signalisiert der moderate Anstieg der deutschen EXW-Preise, dass lokale Mischfutterhersteller ihre Deckung wieder aufbauen, da die Verfügbarkeit der neuen Ernte klarer wird und der Wettbewerb mit Mais und Weizen neu bewertet wird. Im Schwarzmeerraum deuten die weicheren FCA-Notierungen aus der Ukraine Mitte Juli auf exportorientierten Verkaufsdruck hin, aber die anschließende Erholung der FOB-Preise für Rinderfutter zeigt, dass die Nachfrage nach preisgünstigen protein- und energiehaltigen Futtermitteln stabil bleibt – insbesondere aus MENA-Ländern, die empfindlich auf Preisdifferenzen gegenüber Futterweizen und Mais reagieren.
Fundamentaldaten
Die Kombination aus unveränderten nahen SFE-Kontrakten und höheren Terminpreisen weist auf ein komfortables kurzfristiges Gleichgewicht und einen etwas engeren Ausblick über 2026 hinaus hin. Der Aufschlag von 5 AUD/t ab März 2027 und insbesondere das flache Niveau von 339 AUD/t für Januar 2028 und Januar 2029 spiegeln die Erwartung wider, dass strukturelle Faktoren (Inputkosten, Fracht und Konkurrenz mit anderen Kulturen) die Gerstenpreise stützen werden, selbst wenn die aktuellen Ernten zufriedenstellend ausfallen.
Regional gesehen deutet der jüngste Anstieg der deutschen Preise um 10–15 EUR/t vor dem Hintergrund nur moderater Anpassungen bei den ukrainischen Angeboten darauf hin, dass westeuropäische Käufer bereit sind, für nahe, sichere Herkunft eine Prämie zu zahlen. Schwarzmeerherkünfte bleiben in Euro gerechnet die günstigste Quelle, aber die sich verringernde Spanne gegenüber Deutschland zeigt, dass Fracht, Risikoprämien und Qualitätsaspekte zunehmend eingepreist werden. Dieses Umfeld begünstigt anhaltende Lieferströme aus der Ukraine in die Mittelmeer- und Nahostmärkte, während es den EU-Preisen etwas Spielraum lässt, fester zu tendieren, ohne die Nachfrage sofort abzuwürgen.
Prognose & Handelsausblick
Kurzfristig dürfte der Gerstenmarkt in einer Spanne bleiben, jedoch mit leichtem Aufwärtstempo, wie die Terminstruktur und die steigenden deutschen Kassapreise bereits signalisieren. Das mittelfristige Risikoprofil ist moderat bullisch, wobei die Forward-Struktur an der SFE Erwartungen intensiveren Wettbewerbs im Futtergetreidesektor und potenzieller witterungs- oder politikbedingter Angebotsschocks widerspiegelt. Dennoch sollten reichliche frühjährige EU-Mengen und die anhaltende Exportverfügbarkeit aus dem Schwarzmeerraum einen abrupten Preissprung verhindern – vorausgesetzt, es tritt kein neues Störereignis ein.
- Futterkäufer (EU): Erwägen Sie, für den Bedarf Q4 2026–Q1 2027 schrittweise Deckung zu den aktuellen deutschen Niveaus um 195–200 €/t EXW aufzubauen, wobei eine gewisse Flexibilität erhalten bleiben sollte, um von möglichen Erntedruck-Dellen zu profitieren.
- Erzeuger (EU & Schwarzmeerraum): Nutzen Sie die festere 2027–2028-SFE-Kurve und die jüngste Stärke der EU-Kassapreise, um auf einen Teil der künftigen Produktion Margen zu sichern, insbesondere dort, wo die Lagerkapazität auf dem Hof begrenzt ist.
- Händler: Beobachten Sie die Preisspanne zwischen Deutschland und der Ukraine; eine anhaltende Konvergenz könnte Arbitragemöglichkeiten in defizitäre EU-Regionen eröffnen, während eine erneute Ausweitung auf neue Logistik- oder geopolitische Risikoprämien hindeuten könnte.
Kurzfristige Preisindikation (nächste 3 Tage)
- SFE-Futtergerste (Australien): Seitwärts bis leicht fester; Terminmonate dürften einen moderaten Aufschlag gegenüber den nahen Fälligkeiten beibehalten.
- Deutschland, EXW-Futtergerste: Leicht aufwärtsgerichtete Tendenz bei begrenztem Abwärtspotenzial, angesichts der jüngst disziplinierten Verkäuferseite der Landwirte und stabiler Mischfutter-Nachfrage.
- Schwarzmeer (Ukraine) FOB/CPT: Leicht festere Tendenz von den Tiefstständen Mitte Juli aus, insgesamt jedoch weiterhin die wettbewerbsfähigste Herkunft in EUR gerechnet, was aktives Spotgeschäft begünstigt.