Jordaniens neue Gerstenausschreibung signalisiert robuste Importnachfrage bis in 2026/27
Jordaniens neue Ausschreibung über 120.000 t Futtergerste stützt die Nachfrage bis Q4 2026 und stabilisiert die Preise im Schwarzmeerraum trotz jüngster Schwäche in der Ukraine. Kompakter Marktüberblick.
Preise & Ausschreibungssignale
Die neue Ausschreibung Jordaniens folgt auf eine frühere Ausschreibung über 120.000 t Futtergerste, die zwar Interesse anzog, aber ohne Abschluss blieb – ein Hinweis auf Preisresistenz oder Probleme bei nicht-preislichen Konditionen. Die Neuauflage mit längeren Lieferfenstern im Zeitraum September–Oktober 2026 könnte wettbewerbsfähigere Ursprungsangebote anziehen und gleichzeitig Jordaniens Vorwärtsdeckung für den Viehfuttersektor absichern.
In der Ukraine bleiben indikative Futtergerstenangebote in Euro betrachtet niedrig. Aktuelle inländische Notierungen um 180 USD/t FOB/Hafen für Gerste am 9. Juni entsprechen grob 167–170 EUR/t, je nach Wechselkurs. Dies deckt sich mit den dortigen Binnenangeboten FCA aus der Ukraine, wo Futtergerstensaaten nahe 210–220 EUR/t FCA für Odessa und Kiew quotiert werden (nach Umrechnung von EUR/kg auf EUR/t) und Gerste für Rinderfutter bei rund 190 EUR/t FOB Odessa liegt. Der moderate Rückgang seit Mitte Mai deutet auf eine komfortable kurzfristige Versorgung hin, selbst wenn sich eine Vorwärtsnachfrage von Importeuren wie Jordanien abzeichnet.
Angebot, Nachfrage & Geopolitik
Jordaniens gleichzeitige Ausschreibungen für Futtergerste und Mahlweizen unterstreichen die fortlaufende Strategie, strategische Getreidereserven aufzubauen und die Futtermittelsicherheit bis in die Saison 2026/27 hinein zu gewährleisten. Der Viehsektor ist stark von importierter Futtergerste abhängig; das Ausbleiben von Abschlüssen in der vorangegangenen Ausschreibung dürfte den Handlungsdruck erhöht haben. Das größere Lieferfenster im September–Oktober sollte Verkäufern mehr Flexibilität bei der Schiffsplanung und Ursprungswahl geben.
Auf der Angebotsseite bleiben Exporteure aus dem Schwarzmeerraum – insbesondere Ukraine und Russland – zentral für Jordaniens Beschaffungsstrategie. Die Gerstenpreise an ukrainischen Häfen haben sich in den letzten Tagen deutlich nach unten korrigiert, während kriegsbedingte Risiken im weiteren Schwarzmeerraum anhalten, darunter Drohnen- und Raketenaktivitäten in der Nähe wichtiger Häfen und Energieinfrastruktur. Diese Kombination aus reichlichem regionalem Angebot, aber erhöhtem logistischem und geopolitischem Risiko spricht für ein Szenario, in dem FOB-Angebote nach Jordanien preislich wettbewerbsfähig bleiben, jedoch einen Risikoaufschlag in Fracht und Basis enthalten.
Fundamentaldaten & Wetter
Fundamental betrachtet wirkt die Gerstenbilanz in Richtung 2026/27 relativ komfortabel: Exporteure aus dem Schwarzmeerraum und der EU dürften über exportierbare Überschüsse verfügen, während traditionelle Importeure in MENA und Asien eine solide Futternachfrage aufrechterhalten. Vorausblickende Analysen heben hervor, dass bei einer schwächeren Produktion in Australien ukrainische und breiter gefasste Schwarzmeer-Gerste Marktanteile in wichtigen Nahost- und Asienmärkten gewinnen könnten, wodurch Ausschreibungen wie die Jordaniens für regionale Exporteure strategisch wichtig werden.
Das Wetter in den wichtigsten Ursprungsregionen bleibt beobachtenswert. Die Juni-Prognosen für Europa signalisieren ein insgesamt wärmer als normal ausfallendes Muster, wobei der Schwarzmeerraum (einschließlich Ukraine und Rumänien) einem gemischten Regime aus Wärme, Gewittern und lokal intensiven Niederschlägen gegenübersteht. Kurzfristig sieht sich die Ukraine um den 12. Juni mit Gewittern, Hagel und starken Windböen konfrontiert – Bedingungen, die späte Feldarbeiten und Logistik kurzzeitig stören können, aber die Aussichten für die neue Gerstenernte voraussichtlich nicht wesentlich verändern.
Markt- & Handelsausblick
- Preisuntergrenze durch Nachfrage: Jordaniens erneute Ausschreibung über 120.000 t Futtergerste für September–Oktober 2026 dürfte nach der jüngsten Schwäche der ukrainischen Binnenpreise dazu beitragen, die Exportwerte im Schwarzmeerraum abzustützen.
- Ursprungswettbewerb: Anbieter aus dem Schwarzmeerraum (Ukraine/Russland) und der EU werden voraussichtlich aggressiv über den FOB-Preis konkurrieren; jede witterungsbedingte Ernteverschlechterung in der EU oder in Australien später in dieser Saison würde die Gerstenbilanz rasch verknappen und höhere Angebotspreise unterstützen.
- Risikoprämie: Geopolitische und logistische Risiken im und rund um den Schwarzmeerraum deuten darauf hin, dass attraktive Nominalpreise dennoch eine Prämie bei Fracht, Versicherung und Timing enthalten können; Käufer sollten die Gesamtkosten frei Bestimmungsort und nicht nur FOB betrachten.
Für Importeure bietet das Ausschreibungsfenster die Chance, Vorwärtsdeckung zu noch moderaten Euro-Preisen zu sichern – jedoch mit Aufwärtspotenzial bei einer Verschlechterung von Wetter oder Geopolitik. Für Verkäufer sprechen die aktuellen Signale für einen ausgewogenen Ansatz: Volumina über Jordaniens Ausschreibung absichern und zugleich einen Teil der Exponierung gegenüber einem möglichen Preisanstieg im weiteren Verlauf der Kampagne 2026/27 beibehalten.
3‑Tage-Richtungsausblick (EUR)
- Schwarzmeer FOB-Gerste: Leicht fester Bias, da Händler sich auf Jordaniens Frist am 17. Juni positionieren und das geopolitische Risiko in der regionalen Logistik bewerten.
- Ukraine Binnen-FCA (Odessa, Kiew): Weitgehend stabil bis leicht höher nach der jüngsten Korrektur, mit witterungsbedingtem Logistikrauschen, aber ohne größere fundamentale Verschiebung.
- EU-Futtergerste (Exportparität): Seitwärts bis leicht fester, im Fahrwasser von Weizen und mit Blick auf Ausschreibungsaktivitäten in MENA als Richtungsimpuls.