Roggenpreise ziehen an, da deutsche Hitze und ukrainische Exportrisiken aufeinandertreffen
Roggenpreise ziehen an, da die deutsche Ernte auf heißes Wetter trifft und die Exporte aus dem ukrainischen Odessa erneut gestört werden. Kurzfristiger Ausblick leicht bullisch.
Preise
Deutscher Futterroggen EXW Drentwede ist in der vergangenen Woche etwas gestiegen und wird knapp unter 0,20 EUR/kg gehandelt, was eine stabile Mischfutter‑Nachfrage und eine moderate Ernte‑Risikoprämie widerspiegelt.
Ukrainischer Roggen FOB Odessa bleibt deutlich günstiger, bei rund 0,12 EUR/kg äquivalent, doch wird der Abschlag teilweise durch deutlich höhere wahrgenommene Fracht‑ und Sicherheitskosten aufgewogen, da Reeder sich aus der Region zurückziehen.
*Ungefähre Woche‑zu‑Woche‑Veränderungen auf Basis aktueller Marktindikationen, in EUR/kg.
Supply & Demand
Die Roggennutzung in der EU im Futtermittelbereich wird etwas unter dem Niveau des letzten Vermarktungsjahres erwartet, wobei der gesamte Futterverbrauch für das Wirtschaftsjahr 2026/27 auf rund 4,2 Mio. Tonnen geschätzt wird. Dies impliziert nur ein moderates strukturelles Nachfragewachstum nach Roggen, trotz wettbewerbsfähiger Preise im Vergleich zu Gerste und Weizen.
Innerhalb der EU bleibt Deutschland der wichtigste Produzent und Exporteur; die derzeit festen Preise spiegeln eher die lokale Nachfrage aus der Tierhaltung und Vorsicht hinsichtlich der tatsächlichen Erntemenge und -qualität wider als einen klaren Mangel. Exportpotenzial ist vorhanden, steht aber in Konkurrenz zu reichlich verfügbarem Futterweizen und -gerste im gesamten Block.
Für die Ukraine sind die gesamten Getreideexportmengen über den Schwarzmeer‑Korridor durch russische Angriffe und Sicherheitsbedrohungen stark beeinträchtigt worden. Offizielle Stellen warnen, dass alternative Logistikrouten (Donau und Bahn) bis Ende August möglicherweise nur etwa die Hälfte der früheren Schwarzmeer‑Kapazität erreichen. Dies setzt den effektiven Roggenexportströmen aus Odessa eine Obergrenze, selbst wenn die theoretische Verfügbarkeit reichlich ist.
Black Sea & Trade Flows
In den letzten Tagen hat Russland Raketen‑ und Drohnenangriffe auf zivile Frachtschiffe in der Nähe des Großraums Odessa intensiviert, was viele Reeder veranlasst hat, Anläufe auszusetzen und dazu geführt hat, dass an einigen Terminals seit fast zwei Wochen keine neuen Schiffsankünfte mehr gemeldet werden.
Die Ukraine drückt weiterhin Getreide über Donauhäfen und Landkorridore, doch der Landwirtschaftsminister räumte ein, dass diese Routen bis mindestens Ende August wohl nur etwa die Hälfte der Mengen bewältigen können, die zuvor über die wichtigsten Schwarzmeerhäfen liefen.
Das Landwirtschaftsministerium hat EU‑Zuschüsse in Höhe von rund 220 Mio. EUR beantragt, um Landwirte zu unterstützen, die von der Blockade und den Hafenschäden betroffen sind. Dies unterstreicht den Druck auf die Liquidität auf Betriebsebene und das Risiko geringerer Aussaatflächen, falls die Exportwege eingeschränkt bleiben. Für Roggen führt diese Kombination aus Exportengpässen und Finanzierungsdruck zu schnellen Ab-Hof‑Verkäufen zu rabattierten FOB‑Werten, begrenzt aber zugleich das Abwärtspotenzial, da einige Mengen faktisch im Binnenland strandeten könnten.
Weather & Harvest Conditions (DE, UA)
In Norddeutschland (Region Drentwede) bringen die nächsten drei Tage (8.–10. August) überwiegend trockenes und warmes bis heißes Wetter, mit Höchstwerten um 32 °C am Sonntag, bevor die Temperaturen wieder in den mittleren 20ern liegen. Dies unterstützt einen zügigen Erntefortschritt und die Abtrocknung, doch der kurze Hitzepeak könnte verbliebene, spät reifende Bestände auf leichten Böden unter Stress setzen.
In Odessa, Ukraine, bleibt es heiß und weitgehend sonnig, mit Höchstwerten um 34 °C am 8. August, fallend auf etwa 29–30 °C bis zum 10. August. Für den 8. August gilt eine gelbe Warnung vor Gewittern, Hagel und Sturmböen, was Feldarbeiten oder Hafenlogistik vorübergehend stören kann, die Gesamtaussichten für die Ernte aber voraussichtlich nicht wesentlich verändert.
Insgesamt wirkt das Wetter kurzfristig neutral bis leicht stützend für die Preise: Gute Erntefenster in Deutschland könnten etwas Angebotsdruck bringen, während heißes, gewittriges Wetter rund um Odessa eine zusätzliche operative Risikokomponente in einem ohnehin fragilen Exportkorridor darstellt.
Trading Outlook
- Deutschland (DE): Mit EXW‑Futterroggen nahe 0,196 EUR/kg erscheint das Aufwärtspotenzial in der sehr kurzen Frist begrenzt, da der Erntedruck zunimmt. Der Markt behält jedoch einen leicht bullischen Bias aufgrund der starken Futter‑Nachfrage. Rücksetzer in Richtung 0,19 EUR/kg könnten sich für Mischfutterhersteller als Kaufgelegenheit zur Absicherung des Q4‑Bedarfs anbieten.
- Ukraine (UA): Roggen FOB Odessa um 0,119 EUR/kg ist fundamental unterbewertet im Vergleich zu EU‑Herkünften, steht jedoch unter akuten Logistik‑ und Sicherheitsrisiken. Käufer, die über die Donau oder alternative Routen verladen können, könnten Abschläge nutzen, sollten aber potenzielle Verzögerungen sowie höhere Versicherungs‑ und Frachtkosten einpreisen.
- Spread‑Strategie: Der DE–UA‑Roggenspread dürfte so lange breit bleiben, wie die Schwarzmeer‑Schifffahrt eingeschränkt ist; eine rasche Einengung würde eine sichtbare Verbesserung der Sicherheitslage und der Schiffsverfügbarkeit rund um Odessa erfordern, die derzeit nicht absehbar ist.
3‑Day Regional Price Indication (Direction)
- Deutschland – EXW Drentwede Futterroggen: Tendenz leicht fester bis seitwärts für den 8.–10. August, mit Ernteverkäufen, die Aufwärtspotenzial begrenzen, während Wetter und Futter‑Nachfrage einen Rückgang unter etwa 0,19 EUR/kg verhindern.
- Ukraine – FOB Odessa Roggen: Tendenziell fest bis leicht fester in den nächsten drei Tagen, stärker getrieben durch Logistikrisiken als durch Angebotsknappheit; die absoluten Preisbewegungen dürften moderat bleiben, solange das Schiffsaufkommen dünn ist.