Sesammarkt spaltet sich: Pakistans starke Ernte trifft auf Engpässe in Afrika
Der globale Sesammarkt weist gegensätzliche Ernten auf: Pakistans größere und qualitativ bessere Ernte gleicht Engpässe in Sudan, Tansania und Mosambik aus, während chinesische Käufer die Preise nach unten drücken.
Preise
Die physischen Sesampreise spiegeln das Tauziehen zwischen reichlich vorhandenem, wettbewerbsfähigem Angebot aus Asien und der zunehmenden Knappheit in Teilen Afrikas wider. In Europa wird geschälter Sesam mit Ursprung Tschad (FCA Berlin, 99,95 % Reinheit) derzeit mit 1,51 EUR/kg angegeben. Der Preis ist gegenüber der letzten Notierung unverändert und nach einer moderaten Abschwächung gegenüber früheren Niveaus im vergangenen Monat weitgehend stabil geblieben.
Die indischen FOB-Niveaus zeigen in den jüngsten Aktualisierungen eine leicht festere Tendenz: Geschälter Sesam mit 99,90 % Reinheit (FOB Neu-Delhi) wurde zuletzt mit etwa 1,45 EUR/kg gehandelt und liegt damit über den früheren September-Indikationen. Premium-Schwarzer Sesam wie „super z black“ mit 99,95 % Reinheit (FOB Neu-Delhi) liegt bei etwa 1,94 EUR/kg. Dies unterstreicht die anhaltende Differenzierung zwischen gängigen weißen Qualitäten und Spezial- beziehungsweise farbspezifischen Segmenten.
Angebot & Nachfrage
Das globale Angebotsbild ist stark fragmentiert. Die Sesamproduktion im Sudan wird für 2026 auf 320.000–390.000 Tonnen geschätzt und liegt damit deutlich unter den rund 485.000 Tonnen des Jahres 2025. Die Exportleistung war 2026 bislang mit etwa 113.000 Tonnen im ersten Halbjahr relativ stark, unterstützt durch Übertragsbestände aus einer größeren vorherigen Ernte. Die niedrigere Erzeugung der neuen Ernte sowie anhaltende Wetter-, Logistik- und politische Unsicherheiten dürften die Exportkapazität des Sudan im weiteren Saisonverlauf jedoch begrenzen.
Pakistan bildet das wichtigste Gegengewicht auf der Angebotsseite. Obwohl die Anbaufläche schätzungsweise um 10–15 % zurückgegangen ist, dürften verbesserte Hybridsorten und eine bessere Agronomie die Produktion 2026 auf 325.000–350.000 Tonnen steigern, gegenüber etwa 310.000 Tonnen im Jahr 2025. Die Erträge sind von zuvor rund 320 kg auf etwa 370–400 kg je Acre gestiegen, während sich die Qualität bei FFA, Feuchtigkeit und Parametern der Lebensmittelsicherheit verbessert hat. Mit Exporten von rund 230.000 Tonnen im Jahr 2025, von denen etwa 60–61 % nach China gingen, ist Pakistan gut positioniert, um zusätzliche Nachfrage zu bedienen, sofern die Exportpolitik unterstützend bleibt.
Andernorts in Afrika ist der Produktionsdruck deutlich sichtbar. Die Erzeugung in Burkina Faso belief sich 2025 nach späten Niederschlägen, die die Erträge auf etwa 400 kg/Hektar drückten, auf näherungsweise 180.000 Tonnen statt der ursprünglich prognostizierten 214.000 Tonnen. Niedrige Preise könnten die Anbaufläche im kommenden Zyklus verringern, während die Inlandspolitik durch neue Vorgaben für Lizenzierung und Lagerkonformität verschärft wurde. Die relativ kleine Eigenproduktion Togos von 25.000–30.000 Tonnen verdeckt seine größere Rolle als Transitdrehscheibe für Sesam aus Burkina Faso. Dadurch haben regionale Handels- und Steuerregelungen in Burkina Faso einen überproportionalen Einfluss auf die westafrikanischen Handelsströme.
Das Sesamangebot Tansanias wird für 2026 auf lediglich 150.000–155.000 Tonnen geschätzt. Wetterbedingte Ertragseinbußen verringern die Verfügbarkeit sowohl gemischter als auch hochwertiger südlicher Qualitäten. In Mosambik ist die Lage noch angespannter: Die Ernte 2026 ist nach schwacher Pflanzenentwicklung und unsicheren Wetterbedingungen stark auf etwa 50.000–60.000 Tonnen gefallen, mehr als 50.000 Tonnen unter der Vorjahressaison. Verpflichtende lokale Prüfungen, ein Exportzoll von 2,5 %, Treibstoffengpässe und höhere Inlandstransportkosten haben das exportierbare Angebot zusätzlich verknappt und die CNF-Werte erhöht.
Die Produktion Äthiopiens wird auf 200.000–220.000 Tonnen geschätzt. Anhaltende Konflikte und politische Störungen beeinträchtigen jedoch weiterhin seine historische Referenzrolle für hochwertigen Sesam, obwohl Käufer wie Israel für ausgewählte Herkünfte nach wie vor Prämien zahlen. Der Tschad gewinnt dagegen auf der Exportkarte deutlich an Bedeutung: Für 2026 wird eine Ernte von schätzungsweise 220.000 Tonnen erwartet, wobei rund 90 % der Produktion für Auslandsmärkte bestimmt sind. Hohe Exportsteuern, Logistikkosten und Währungsvolatilität bleiben jedoch wichtige Einschränkungen.
Auf der Nachfrageseite verdeutlichen Chinas Importe das derzeit preissensible Umfeld. Die Sesamimporte von Januar bis Juli 2026 erreichten 810.563 Tonnen und waren damit gegenüber 811.104 Tonnen im Vorjahr praktisch unverändert. Der Importwert sank jedoch um 19 %, während der Durchschnittspreis im selben Zeitraum 2025 von etwa 1.404 USD/MT auf 1.144 USD/MT fiel. Die Juli-Einfuhren von 110.349 Tonnen lagen 10 % über dem Vorjahreswert, doch die Durchschnittspreise waren weiterhin 7 % niedriger. Dies bestätigt, dass die Käufer weiterhin aggressiv auf Preisnachlässe drängen.
Südkorea liefert ein gegenläufiges Signal. Während die Importe von Januar bis August 2026 mit rund 44.413 Tonnen um 11 % unter dem Vorjahreswert lagen, stiegen die Einfuhren allein im August um 89 % auf 14.332 Tonnen. Der durchschnittliche Importpreis im August erhöhte sich dabei auf rund 1.662 USD/MT. China war 2026 bislang mit knapp 19.290 Tonnen Südkoreas größter Lieferant, gefolgt von den USA, Indien, Pakistan und Nigeria. Dies deutet auf eine diversifizierte Beschaffungsstruktur und die Bereitschaft hin, in bestimmten Segmenten Prämien für Qualität und Konformität zu zahlen.
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Fundamentaldaten & Wetter
Die Fundamentaldaten werden durch eine Verschiebung des Standorts verlässlicher exportierbarer Überschüsse geprägt. Die besseren Erträge und die höhere Qualität Pakistans sowie die wachsende Exportrolle des Tschad gleichen einen Teil der Verluste in Sudan, Tansania und Mosambik aus, jedoch nicht unbedingt bei genau den Qualitäten oder Logistikprofilen, die hochwertige Abnehmer bevorzugen. Historische Premiumherkünfte wie Humera und Wollega in Äthiopien genießen weiterhin hohe Anerkennung. Angebotsinstabilität und Konformitätsrisiken begrenzen jedoch ihre Verwendung als Referenzen für die Preisbildung.
Aktuelle Wetterprognosen für die weitere Region Sudan und Südsudan deuten bis September auf gemischte Niederschlagsbedingungen hin, mit lokal starken Schauern und Trockenperioden. Diese können die Feldarbeiten und den Transport am Saisonende beeinträchtigen, dürften die derzeitige Erntegröße jedoch nicht wesentlich verändern. Im küstennahen Ostafrika zeigen kurzfristige Prognosen für Tansania und den Norden Mosambiks vor den nächsten Niederschlägen saisonal trockene bis wechselhafte Bedingungen. Dies begrenzt die Aussichten auf eine kurzfristige Erholung der Erträge und sorgt weiterhin für ein insgesamt knappes Gleichgewicht in Ostafrika.
Auf der politischen und kostenseitigen Ebene haben Mosambiks verpflichtende lokale Prüfungen, zusätzliche Prüfkosten von etwa 7–9 USD/MT sowie höhere interne Treibstoff- und Transportkosten die CNF-Werte schätzungsweise um 60–80 USD/MT erhöht. Die regulatorischen Änderungen in Burkina Faso vom 5. August, die Lizenzen, Mengenmeldungen und neue Anforderungen an die Lagerhaltung vorschreiben, könnten den Binnenhandel und die Exporte kurzfristig verlangsamen, insbesondere für kleinere Händler. Dies könnte die Preise für konforme und gut dokumentierte Bestände stützen. Pakistans Überlegungen zu einem Mindestexportpreis für Sesam sorgen für zusätzliche Unsicherheit bei Termingeschäften. Eine formale Umsetzung dürfte maßgeblich bestimmen, wie viel der qualitativ besseren Ernte gegenüber China, Korea und dem Nahen Osten wettbewerbsfähig bleibt.
Ausblick & Handelsempfehlungen
Mit Blick auf das späte Jahr 2026 und den Beginn des Jahres 2027 dürfte der Sesammarkt tendenziell ausgeglichen bis leicht fest bleiben, wobei die Fundamentaldaten regional stark auseinanderlaufen. Das Exporttempo der neuen Ernte Pakistans und politische Entscheidungen werden entscheidend dafür sein, wie stark der Druck auf die globalen Preise ausfällt, insbesondere bei gängigen weißen und geschälten Qualitäten. Chinas nachgewiesene Bereitschaft, die Mengen aufrechtzuerhalten, während deutlich niedrigere Durchschnittspreise gezahlt werden, deutet darauf hin, dass eine starke Rally begrenzt bleiben könnte, sofern Wetter oder Logistik die ostafrikanische Versorgung nicht zusätzlich beeinträchtigen.
Gleichzeitig dürften begrenzte Ernten und höhere Konformitätskosten in Sudan, Tansania, Mosambik und Teilen Westafrikas zusammen mit qualitätsbezogener Nachfrage aus Märkten wie Japan, Israel und Südkorea weiterhin Prämien für rückverfolgbare, pestizidkonforme und Spezialqualitäten stützen. Das strukturelle Angebotsdefizit der Türkei und die geringere Verfügbarkeit aus einigen ostafrikanischen Ursprungsländern dürften die Türkei in den kommenden Monaten zu einem aktiveren Preisbildner in westafrikanischen Handelszentren, darunter Burkina Faso und Togo, machen.
Handelsausblick
- Käufer in Europa und Asien: Eine Vorabdeckung mit hochwertigen afrikanischen Qualitäten und Premium-Schwarzem Sesam sollte erwogen werden, solange das Angebot aus Tansania, Mosambik und Äthiopien begrenzt bleibt. Moderate Prämien können dabei akzeptiert werden, um Konformität und logistische Zuverlässigkeit zu sichern.
- Auf China ausgerichtete Händler: Mit weiterhin aggressiven Preisverhandlungen chinesischer Käufer rechnen. Angebote aus Pakistan und dem Tschad sollten mit flexiblen Lieferfenstern und Qualitätsprämien strukturiert werden, statt flächendeckende Preissenkungen vorzunehmen.
- Exporteure in Pakistan und dem Tschad: Verbesserte Qualität und höhere Erträge nutzen, um wertorientierte, aber qualitätsbewusste Märkte wie Südkorea und den Nahen Osten anzusprechen. Gleichzeitig sollten mögliche Änderungen bei Mindestexportpreisen oder Steuerregelungen beobachtet werden, die die Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen könnten.
- Akteure in Westafrika: Mit einer strengeren Durchsetzung der Vorschriften in Burkina Faso und einem größeren Einfluss türkischer Nachfrage rechnen. Eine solide Dokumentation und die Einhaltung der Lageranforderungen sollten gewährleistet werden, um Exportfähigkeit und Preissetzungsmacht zu erhalten.
Preisindikation für 3 Tage & Richtungsausblick
| Markt | Produkt | Termin | Letzter Preis (EUR/kg) | Tendenz für 3 Tage |
|---|---|---|---|---|
| Berlin (DE) | Geschälter Sesam 99,95 % (Ursprung TD) | FCA | 1.51 | Seitwärts bis leicht fester aufgrund des knappen afrikanischen Angebots |
| Neu-Delhi (IN) | Geschälter Sesam 99,90 % (Ursprung IN) | FOB | 1.45 | Leicht fester aufgrund der Exportnachfrage und Qualitätsprämien |
| Neu-Delhi (IN) | Super z black sesame 99,95 % (Ursprung IN) | FOB | 1.94 | Fest, gestützt durch Nischennachfrage und begrenztes Premiumangebot |