Die ukrainische Erbsenernte ist nahezu abgeschlossen, doch die Exportlogistik ist eingefroren und die Preise in Odessa sind flach. Knapp gefasster Markt- und Preisausblick für Juli 2026.
Die frühe Erbsenernte in der Ukraine ist praktisch abgeschlossen und weist solide Erträge auf, doch die Exporte sind nahezu zum Erliegen gekommen, da Schließungen von Schwarzmeerhäfen und stark steigende Frachtkosten die Logistik ersticken. Die Inlandspreise halten sich nominell stabil, weil Landwirte sich gegen tiefere Abschläge wehren, während die Ukraine auf dem globalen Erbsenmarkt eher Preisnehmer als Preistreiber bleibt.
Der Markt steht nun vor einem Patt: Angebot aus der neuen Ernte ist vorhanden, doch die Exportkanäle sind stark eingeschränkt und die inländische Nachfrage ist begrenzt. Die Logistik über die Schwarzmeerhäfen ist weitgehend ausgesetzt oder arbeitet mit stark reduzierter Kapazität, nachdem die Angriffe auf den Hafencluster von Odessa intensiviert wurden. Dies treibt die Frachtraten auf wichtigen Short-Sea-Routen um 7–12 EUR/t in die Höhe und erzwingt Umleitungen über die Donau und EU-Häfen. Dies begrenzt die ukrainischen Erbsenexporte deutlich stärker als fundamentale Produktionsfaktoren und dürfte die Preisvorstellungen auf Erzeugerebene bis zum Beginn der Saison 2026/27 belasten.
Die Preisdifferenz zwischen ukrainischem FCA und britischem FOB macht deutlich, dass Logistik und Risikoaufschläge – und nicht das intrinsische Erbsenangebot – die aktuelle Preisbildung dominieren. Da die Ukraine im Erbsensektor nicht als marginaler globaler Preissetzer agiert, spiegeln die Inlandsofferten vor allem die Kosten des Zugangs zu alternativen Exportrouten und die Bereitschaft der Landwirte, Abschläge zu akzeptieren, wider.
Preise
Die Erbsenpreise in Odessa (FCA, nicht biologisch, 98 % Reinheit) sind per 30. Juli 2026 im Wochenvergleich stabil bei rund 0,21 EUR/kg für gelbe Erbsen und 0,30 EUR/kg für grüne Erbsen, nach einem moderaten Rückgang der gelben Qualitäten zu Monatsbeginn. Britische FOB-London-Angebote liegen deutlich höher, was eine stärkere Importnachfrage und den normalen Seezugang widerspiegelt, mit grünen Erbsen nahe 0,97 EUR/kg und Marrowfat-Erbsen bei rund 1,27 EUR/kg.
BASIC
Marktdaten-Tabelle
Schwarzer Pfeffer6.850 €/t+2,3 %
Koriander1.240 €/t−0,8 %
Kreuzkümmel2.100 €/t+1,5 %
Zimt (Cassia)8.900 €/t+0,4 %
Kurkuma3.200 €/t−1,2 %
Kardamom grün18.500 €/t+3,1 %
Ingwer (getr.)1.850 €/t+0,9 %
Chili (getr.)2.750 €/t−0,5 %
Schwarzer Pfeffer6.850 €/t+2,3 %
Koriander1.240 €/t−0,8 %
Kreuzkümmel2.100 €/t+1,5 %
Zimt (Cassia)8.900 €/t+0,4 %
Kurkuma3.200 €/t−1,2 %
Kardamom grün18.500 €/t+3,1 %
Ingwer (getr.)1.850 €/t+0,9 %
Chili (getr.)2.750 €/t−0,5 %
Die vollständige Tabelle mit aktuellen Preisen und Trends findest du auf CMBroker.
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Angebot & Nachfrage
Bis Ende Juli hat die Ukraine rund 549,5 Tausend Tonnen frühe Erbsen von 279,5 Tausend Hektar geerntet und damit etwa 94,6 % der geplanten Fläche erreicht. Der durchschnittliche Ertrag von knapp 1,97 t/ha ist für Erbsen solide und stellt sicher, dass die physische Verfügbarkeit derzeit weder für Exportprogramme noch für inländische Nutzer ein Engpass ist. Die Exporte sind jedoch nahezu zum Stillstand gekommen, da die Schließung und faktische Aussetzung wichtiger ukrainischer Schwarzmeerhäfen, insbesondere im Großraum Odessa, Fahrpläne im Seeverkehr gestört und die Frachtkosten stark erhöht haben. Marktteilnehmer berichten von Frachtkosten zu Zielen im östlichen Mittelmeer, die je nach Route und Distanz auf das Äquivalent von 32–45 EUR/t gestiegen sind, verglichen mit Vorkrisenniveaus von unter 30 EUR/t. Diese zusätzlichen Kosten eliminieren einen Großteil der Marge bei Erbsenlieferungen, insbesondere angesichts der ohnehin niedrigen FCA-Preise. Der Inlandsverbrauch von Erbsen in der Ukraine ist im Vergleich zu Getreide und Ölsaaten relativ begrenzt, sodass ein beträchtlicher exportierbarer Überschuss entsteht, für den derzeit effiziente Absatzkanäle fehlen. Da die Ukraine die globalen Erbsenpreise nicht prägt, verlagert die Nachfrage traditioneller Importeure sich leicht auf alternative Ursprünge mit verlässlicher Logistik, was den Exportstillstand zusätzlich verfestigt.Fundamentaldaten & externe Treiber
Fundamental betrachtet wirkt die ukrainische Erbsenbilanz 2026 komfortabel: Die Ernte ist nahezu abgeschlossen, mit durchschnittlichen Erträgen und bislang ohne größere witterungsbedingte Qualitätsprobleme. Die wesentliche Einschränkung ist externer Natur: Hafenschließungen, Sicherheitsrisiken und ein Verlust von rund einem Drittel der Schwarzmeer-Exportkapazität für Getreide und Ölsaaten infolge jüngster Angriffe. Obwohl Erbsen ein kleineres Segment als Weizen oder Mais darstellen, werden sie über dasselbe Logistiksystem abgewickelt und sind daher denselben Engpässen ausgesetzt. Nach verstärktem Beschuss im Juni–Juli wurden kommerzielle Schiffsanläufe in den wichtigsten ukrainischen Schwarzmeerhäfen aus Sicherheitsgründen vorübergehend ausgesetzt oder stark eingeschränkt. Dies hat eine Verlagerung der Ströme auf Donau- und EU-Häfen wie Constanța sowie auf Landrouten ausgelöst, doch Kapazitäts- und Kostenbeschränkungen bleiben erheblich. In der Folge konzentrieren Exporteure die knappen Logistikslots auf höherwertige oder zeitkritischere Güter als Erbsen, was zum nahezu vollständigen Stopp der Erbsenexporte beiträgt. Das Wetter in den wichtigsten Anbaugebieten der zentralen und südlichen Ukraine hat sich Ende Juli saisonal warm mit zeitweiligen Schauern entwickelt und unterstützt damit den Abschluss der Feldarbeiten und die Vorbereitung der Lagerung, ohne die bereits geernteten Erbsenerträge zu beeinflussen. Kurzfristige Prognosen deuten auf typische Temperaturen für Anfang August hin, ohne extreme Hitzewelle oder lang anhaltende Niederschläge, die die nun weitgehend eingelagerten Erbsen wesentlich beeinträchtigen würden.Ausblick & Handelsstrategie
- Logistikgetriebener statt erntegetriebener Markt: Da die Ernte nahezu abgeschlossen ist und Bestände verfügbar sind, hängt die kurzfristige Richtung der ukrainischen Erbsenpreise fast vollständig davon ab, ob und wie schnell sich die Schwarzmeer-Exportkanäle oder alternative Routen normalisieren.
- Patt zwischen Landwirten und Käufern: Landwirte sind nach einer ordentlichen Ernte nicht bereit, große Preiszugeständnisse zu machen, während Händler deutlich höhere Logistikkosten einpreisen müssen. Dies spricht eher für eine Phase geringer Liquidität und breiter Geld/Brief-Spannen als für starke richtungsweisende Preisbewegungen.
- Fokus auf Nischen- und Nahnachfrage: Kurzfristig sind die realistischsten Absatzkanäle regionale Futter- und Lebensmittelabnehmer, die per Bahn oder Lkw erreichbar sind, sowie kleinteilige Exporte über Donau- oder EU-Häfen, bei denen die Logistik vorab gesichert werden kann.
Konkrete Empfehlungen
- Ukrainische Landwirte: Erwägen Sie den Verkauf zusätzlicher Mengen bei jeder Verbesserung der Logistik oder bei kurzfristiger Nahnachfrage, anstatt auf eine globale Erbsenpreisrallye zu warten. Sichern Sie Transporte frühzeitig und vermeiden Sie den Aufbau großer Lagerbestände am Hof, falls sich Sicherheits- und Lagerkosten erhöhen.
- Exporteure & Händler: Priorisieren Sie strukturierte Geschäfte mit gesicherten Donau- oder EU-Hafen-Slots und vorab vereinbarter Fracht. Wo möglich, bündeln Sie Erbsen mit margenträchtigeren Produkten, um die Schiffsauslastung zu optimieren.
- Importeure: Verlassen Sie sich im 3. Quartal 2026 nicht auf die Ukraine als Spot-Lieferant für Erbsen; halten oder erweitern Sie Ihre Deckung aus alternativen Ursprüngen und beobachten Sie zugleich jede Wiedereröffnung oder Neubewertung der Risiken ukrainischer Häfen.
3‑Tage‑Preis- & Richtungs-Ausblick (EUR)
- Ukraine, Odessa FCA – gelbe Erbsen: Rund 0,21 EUR/kg; Seitwärts-Tendenz in den nächsten drei Tagen, da die Logistik und nicht das Angebot dominiert und keine unmittelbare Hafenöffnung in Sicht ist.
- Ukraine, Odessa FCA – grüne Erbsen: Rund 0,30 EUR/kg; stabil, mit geringer kurzfristiger Handelsaktivität, aber festen Untergrenzen der Landwirte, die das Abwärtsrisiko begrenzen.
- UK, London FOB – grüne & Marrowfat-Erbsen: Nahe 0,97 EUR/kg (grün) und 1,27 EUR/kg (Marrowfat); im sehr kurzfristigen Bereich stabil, wobei die globalen Erbsenpreise weitgehend von den ukrainischen Logistikschocks abgekoppelt bleiben.
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