Vietnam: Kaffee-FOB-Preise geben nach, während London-Robusta wieder anzieht
Die vietnamesischen Kaffee-FOB-Preise geben trotz einer kräftigen Erholung der Londoner Robusta-Futures leicht nach. Der kurzfristige Ausblick bleibt angesichts des reichlichen brasilianischen Angebots und des stabilen Wetters in Vietnam gemischt.
Preise
Die vietnamesischen FOB-Preise (Hanoi, VN, FOB) weisen zum 26. September einen breiten, aber moderaten Rückgang gegenüber der Vorwoche auf:
| Produkt | Spezifikation | Preis (EUR/kg, FOB) | Veränderung 1 Woche |
|---|---|---|---|
| Kaffeebohnen | Robusta, grün, nasspoliert (scr18) | 4.4 | ▼ von 4.45 |
| Kaffeebohnen | Robusta, grün, nasspoliert (scr16) | 4.1 | ▼ von 4.15 |
| Kaffeebohnen | Robusta, grüne Bohnen, ungewaschen (scr18) | 4.05 | ▼ von 4.1 |
| Kaffeebohnen | Robusta, grüne Bohnen, ungewaschen (scr16) | 3.95 | ▼ von 4 |
| Kaffeebohnen | Robusta, grüne Bohnen, ungewaschen (scr13) | 3.9 | ▼ von 3.95 |
| Kaffeebohnen | Robusta, grüne Bohnen, nasspoliert (scr13) | 4.25 | ▼ von 4.3 |
| Kaffeebohnen | Arabica, grüne Bohnen, Güteklasse 2 | 6.75 | ▼ von 6.8 |
| Kaffeebohnen | Arabica, grüne Bohnen, Güteklasse 1 | 7.8 | ▼ von 7.85 |
Im Gegensatz dazu schlossen die Londoner Robusta-Futures (ICE Europe) für den Frontmonat am 25. September bei rund 3.367 USD/Tonne, ein Plus von 2,43 % gegenüber dem Vortag, nachdem sie zu Wochenbeginn ein neues Dreimonatstief erreicht hatten. Diese Erholung hat sich bislang noch nicht in höheren vietnamesischen FOB-Angeboten niedergeschlagen, wodurch die Differentials gegenüber Mitte September leicht nachgegeben haben.
Angebots- und Nachfragetreiber
Der vietnamesische Robusta-Inlandsmarkt stand in der vergangenen Woche anhaltend unter Abwärtsdruck. Hauptgründe waren das reichliche exportfähige Angebot aus Brasilien und die steigenden globalen Lagerbestände. Jüngste lokale Analysen weisen darauf hin, dass die Rekordproduktion von brasilianischem Robusta (Conilon) und die starken Exportströme die Weltmarktpreise auf Mehrmonatstiefs gedrückt haben. Dies zog auch die vietnamesischen Inlandspreise auf ihren niedrigsten Stand seit etwa drei Monaten, bevor sich die Futures am Freitag erholten.
Im zentralen Hochland Vietnams, dem wichtigsten Anbaugebiet, lagen die Erzeugerpreise Ende September weiterhin deutlich unter den Anfang 2026 verzeichneten Höchstständen. Dies verstärkt den Widerstand der Bauern, auf dem aktuellen Niveau zu verkaufen. Lokale Berichte verweisen bis zum 25. September auf tägliche Rückgänge der Inlandsnotierungen, gefolgt von einer nur moderaten Stabilisierung, als die Londoner Futures anzogen. Diese Zurückhaltung der Produzenten trägt zusammen mit den relativ niedrigen Übertragsbeständen nach den umfangreichen Lieferungen zu Jahresbeginn derzeit dazu bei, das weitere Abwärtspotenzial der FOB-Preise zu begrenzen.
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Wetter- und Erntebedingungen (Vietnam)
Das Wetter im zentralen Hochland Vietnams – der Kernregion für Robusta – war Ende September weitgehend saisonüblich. In den vergangenen Tagen wurden vereinzelte Schauer, jedoch keine größeren Wetterextreme gemeldet. Die Prognosen für die kommende Woche deuten auf typische Bedingungen der späten Regenzeit mit intermittierenden Niederschlägen und moderaten Temperaturen hin. Diese sind der Entwicklung der Kaffeekirschen zuträglich und stellen derzeit keine Gefahr für die Produktion dar.
Das Ausbleiben akuter Wetterbelastungen in Vietnam steht im Gegensatz zu früheren Marktsorgen über Störungen im Zusammenhang mit El Niño. Da auch Brasilien insgesamt günstige Bedingungen für seine Rekordernte verzeichnet, wirkt das Wetter derzeit neutral bis bearish auf die Preise. Damit bleiben Währungsbewegungen, die Positionierung der Spekulanten und das Exporttempo die wichtigsten kurzfristigen Treiber.
Fundamentaldaten und Spreads
- Futures gegenüber FOB: Die jüngste Erholung in London hat ein kleines Zeitfenster geöffnet, in dem die Futures-Preise schneller gestiegen sind als die vietnamesischen physischen Angebote. Dies verbessert die Absicherungsmöglichkeiten für Exporteure geringfügig, die auf ICE Vorverkäufe getätigt haben, aber weiterhin physische Bestände halten.
- Robusta-Arabica-Spread: Die vietnamesischen Robusta-Notierungen haben prozentual stärker nachgegeben als Arabica. Dadurch ist der Arabica-Aufschlag relativ gesehen geschrumpft, auch wenn die absoluten FOB-Preise für Arabica in Vietnam weiterhin deutlich höher liegen.
- Margen der Exporteure: Da die Inlandspreise zu Wochenbeginn schneller gefallen sind als die FOB-Angebote, hat sich der Margendruck für Exporteure etwas verringert. Dies begünstigt selektive Terminverkäufe, insbesondere bei höherwertigem nasspoliertem Robusta.
Handelsausblick (nächste 3–5 Tage)
- Röster / Importeure: Eine schrittweise zusätzliche Eindeckung mit vietnamesischem Robusta – sowohl ungewaschen als auch nasspoliert – kann erwogen werden, solange die FOB-Preise gegenüber der Erholung in London leicht vergünstigt bleiben. Der Fokus sollte auf kurzfristigen Lieferungen liegen, bei denen Verkäufe der Produzenten verfügbar sind.
- Vietnamesische Exporteure: Nutzen Sie den festeren Londoner Markt, um die Margen bestehender physischer Bestände durch schrittweise Absicherungen zu sichern, anstatt die FOB-Angebote aggressiv weiter zu senken. Vermeiden Sie umfangreiche Terminverkäufe, bis sich eine nachhaltige Erholung der Futures klarer bestätigt.
- Produzenten: Da die Inlandspreise trotz der Futures-Gewinne vom Freitag weiterhin unter den jüngsten Tiefständen liegen, erscheint es sinnvoll, einen Teil der Bestände zurückzuhalten. Bei einer anhaltend hohen Exportgeschwindigkeit Brasiliens ist jedoch Vorsicht vor weiterem globalem Druck geboten.
Regionaler Preisindikator für 3 Tage
Für vietnamesischen Kaffee auf FOB-Basis in den nächsten drei Handelstagen (28.–30. September):
- Robusta, grün, nasspoliert (scr16 & scr18), FOB Hanoi: Tendenz zu seitwärts bis leicht festeren Preisen, sofern die jüngste Erholung in London anhält. Das Aufwärtspotenzial bleibt jedoch angesichts des umfangreichen brasilianischen Angebots begrenzt.
- Robusta, grüne Bohnen, ungewaschen (scr13–18), FOB Hanoi: Voraussichtlich Handel in einer engen Spanne um das aktuelle Niveau, mit sporadischen Abschlägen, falls Exporteure Bestände niedriger Qualität abstoßen wollen.
- Arabica, grüne Bohnen (Güteklassen 1–2), FOB Hanoi: Voraussichtlich weitgehend stabil, mit geringfügigen Anpassungen, die kurzfristig eher von den Bewegungen bei New-York-Arabica als von den lokalen Fundamentaldaten bestimmt werden.