Cashew-Markt festigt sich durch indische Festtagsnachfrage, während Vietnam Gegenwind spürt
Cashew-Preise festigen sich, da indische Festtagskäufe auf ein engeres afrikanisches Rohwarenangebot treffen, während Vietnam mit schwacher Kernnachfrage und neuen US-Zöllen zu kämpfen hat.
Preise
Die Nachfrage nach vietnamesischen Kernen bleibt schwach, mit begrenzten W320‑Abschlüssen um USD 3,00/lb und W240 bei USD 3,45–3,60/lb, was nur selektive Käufe der höheren Sortierungen erkennen lässt. Der indische Markt für Rohcashewnüsse hingegen zeigt Stärke, da die Bestände in Hafenlagern sinken und Verarbeiter sich für die anstehende Festtagsnachfrage eindecken.
Angebote für auf EUR basierte Kerne bestätigen einen schrittweisen Festigungstrend. Rechnet man indikative USD‑Notierungen zu etwa EUR 0,92/USD um, entsprechen vietnamesische W320 bei rund USD 6,60/kg in etwa EUR 6,10/kg FOB und liegen damit grob im Rahmen der aktuellen, auf die EU ausgerichteten Indikationen. Jüngste niederländische FCA‑Angebote für WW320 liegen bei rund EUR 5,10/kg, Bio‑WW320 bei etwa EUR 6,20/kg, während indische W320 FOB mit etwa EUR 7,15/kg höher notieren – ein Spiegel stärkerer inländischer Kosten und Margen.
Angebot & Nachfrage
Die indischen Importe von Rohcashewnüssen im Juli werden auf 100.000–125.000 Tonnen geschätzt, doch die Gesamtjahresanlieferungen aus Côte d’Ivoire und Togo dürften unter dem Vorjahresniveau bleiben. Da die Bestände in Hafenlagern dünner werden und ein Container mit Ursprung Burkina Faso in Tuticorin rasch verkauft wurde, belohnt der Markt klar sofort verfügbare RCN.
Inländische Großhändler und Repacker in Indien füllen ihre Bestände vor der Festtagsperiode wieder auf, während Verarbeitungsbetriebe in Kollam kurzfristig für Onam geschlossen waren und am 1. September den Betrieb wieder aufnehmen sollen. Dieser vorübergehende Stillstand verknappt das kurzfristige Kernelangebot etwas, stärkt aber die Erwartung eines robusteren Konsums im vierten Quartal, sobald die Werke wieder anlaufen und die Festtagsaufträge ihren Höhepunkt erreichen.
In Vietnam sanken die Importe von Rohcashews in der ersten Augusthälfte im Jahresvergleich um 33 % auf rund 94.652 Tonnen, während der durchschnittliche Importpreis um 8,1 % auf USD 1.572/Tonne stieg. Die Kernel-Exporte gingen im selben Zeitraum um 8,3 % auf 30.308 Tonnen zurück, und die kumulierten Ausfuhren bis Mitte August lagen nur geringfügig unter dem Vorjahr. Die schwache internationale Nachfrage, insbesondere aus den USA, wo neue Section‑301‑Zölle auf vietnamesische Cashews umgesetzt werden, veranlasst Käufer dazu, ihre Eindeckung zu verzögern oder Volumen auf alternative Ursprünge zu verlagern.
Côte d’Ivoire bleibt im Angebotsbild zentral. Zwischen April und Juli exportierte das Land 444.683 Tonnen RCN, darunter 367.983 Tonnen nach Vietnam und 76.700 Tonnen nach Indien, während lokale Verarbeiter weitere 750.000–800.000 Tonnen aufkauften. Die europäische Nachfrage stützt weiterhin afrikanische Schälbetriebe; die EU‑Kernelimporte aus Afrika stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 43,5 % auf 26.165 Tonnen, angeführt von Côte d’Ivoire. Allerdings haben höhere Bestände und gestiegene Preise den europäischen Einkauf ab Mai zunehmend gebremst.
Fundamentaldaten
Die Fundamentaldaten für RCN und Kerne entwickeln sich auseinander. Die sich verknappende RCN‑Verfügbarkeit aus Westafrika und die feste Zurückhaltung der Farmer stützen die Rohwarenpreise, obwohl Kernelkäufer höheren Angeboten Widerstand entgegensetzen. Am deutlichsten zeigt sich dieser Druck in Vietnam, wo Verarbeiter mit höheren Inputkosten konfrontiert sind, diese aber angesichts der schwachen Exportnachfrage und neuer US‑Zölle nicht vollständig weitergeben können.
Die Spannen zwischen den Graden bleiben ausgeprägt: Größere Ganzkerne wie W180 und W210 sind relativ fest, W240 wird mit einem klaren Aufschlag gegenüber W320 gehandelt, und Bruchware (LWP, SWP) notiert weiterhin mit deutlichen Abschlägen. Europäische Importeure, die mit höheren Lagerbeständen und erhöhten Preisen konfrontiert sind, agieren selektiver, bevorzugen preislich wettbewerbsfähige W320 und einige Bruchsorten und verschieben Premium-Eindeckungen, wo immer möglich.
Auf der Nachfrageseite ragt Indien als wichtigster Lichtblick heraus. Der festtagsbedingte Konsum stützt bereits die inländische Nachfrage von Großhändlern und Repackern, mit zusätzlichem Aufwärtspotenzial in Richtung Diwali und anderer Feiertage im vierten Quartal. In den USA und Teilen Asiens hingegen dämpfen Inflation und Zollunsicherheit die kurzfristige Konsum- und Kaufbereitschaft für Cashews im Vergleich zu anderen Nüssen.
Wetter & Ernteausblick
Aktuelle Prognosen für den Küstenstreifen Westafrikas, einschließlich Côte d’Ivoire, deuten in den kommenden Tagen auf jahreszeittypische Schauer und warme Temperaturen hin, ohne größere Auffälligkeiten, die die bereits geerntete Ernte 2026 wesentlich verändern würden. Dies bedeutet zwar keinen neuen Wetterschock auf der Angebotsseite, doch das frühere Defizit in der westafrikanischen Produktion und der langsamere Fluss der Spät‑Saison‑RCN nach Vietnam stützen den Markt weiterhin.
Die Aufmerksamkeit richtet sich allmählich auf die kommenden Ernten in Tansania und Indonesien. Erste Marktkommentare deuten darauf hin, dass die Erzeuger dort auf hohe Eröffnungspreise abzielen werden, um gestiegene Input‑ und Logistikkosten zu kompensieren, was mögliche Rückschläge bei den globalen RCN‑Werten begrenzen könnte, wenn die neuen Ursprünge auf den Markt kommen. Käufer sollten sich auf ein Szenario einstellen, in dem die Kernelpreise durch Konsumwiderstand gedeckelt bleiben, die RCN‑Preise jedoch nicht wesentlich nachgeben.
Handelsausblick
- Kurzfristig (nächste 2–4 Wochen): Tendenz fest bis stabil. Indische Festtagsnachfrage, niedrige Hafenbestände und geringere Ankünfte aus Westafrika dürften RCN und mittlere Kernelgrade stützen. Etwaige Preisrückgänge bei W320 und LWP/SWP sollten auf gute Kaufinteressen treffen.
- Q4 2026: Zu beobachten ist das Zusammenspiel zwischen der RCN‑Preisgestaltung in Tansania/Indonesien und der anhaltend schwachen US‑Nachfrage. Öffnet die neue Ernte bei erhöhten RCN‑Preisen und bleiben die US‑Einkäufe aufgrund von Zöllen gedämpft, könnten sich die Margen in Vietnam weiter einengen, was potenziell mehr Nachfrage in Richtung indischer und afrikanischer Kerne verschiebt.
- Risikofaktoren: Deutlich stärker als erwartete Abschwächung der Snacknachfrage in der EU und den USA, stärkere USD‑EUR‑Bewegungen mit Einfluss auf Importkosten oder logistische Störungen in Westafrika oder Indien könnten das Gleichgewicht rasch verändern.
3‑Tage‑Preisindikation (Richtung)
- EU (FCA NL, WW320): Seitwärts bis leicht fester um EUR 5,0–5,2/kg, da Käufer höhere Niveaus testen, aber auf Widerstand stoßen.
- Vietnam (FOB, WW320): Stabil bis leicht weicher nahe implizit EUR 6,0–6,2/kg, belastet durch schwache Exportnachfrage, aber gestützt durch feste RCN‑Preise.
- Indien (FOB/FCA, W320): Fest um EUR 6,9–7,2/kg, gestützt durch inländische Festtagsnachfrage und knapper verfügbare Rohware.