Deutsche Futtergerste gibt unter Erntedruck der neuen Ernte leicht nach
Die Preise für deutsche Futtergerste geben mit fortschreitender Ernte leicht nach, während ukrainische Gerste trotz Risiken im Schwarzen Meer wettbewerbsfähig bleibt. Kurzfristiger Ausblick leicht bärisch.
Preise
Auf Basis der jüngsten Notierungen wird deutsche Futtergerste (14 % Feuchte, EXW Drentwede) mit etwa 183 EUR/t indiziert, nach rund 187 EUR/t am 13. Juli, was einem Rückgang der lokalen Spotpreise um rund 2 % im Wochenvergleich entspricht. Ukrainische Gerste für Inlands- und Exportkanäle wird überwiegend in einer Spanne von 160–175 EUR/t angegeben – abhängig von Qualität und Logistik – weitgehend im Einklang mit den gestrigen Indikationen und als Bestätigung einer Stabilisierung nach vorheriger Schwäche.
FOB-Referenzpreise für Gerste aus dem Schwarzmeerraum bewegen sich um 223 USD/t, was beim aktuellen Wechselkurs etwa 205–210 EUR/t entspricht. Dies signalisiert, dass ukrainische CPT/FOB-Angebote weiterhin leicht mit Abschlag gegenüber den breiteren regionalen Werten gehandelt werden. Relativ betrachtet liegt die Preisdifferenz zwischen deutscher und ukrainischer Futtergerste vergleichbarer Qualität in einer Größenordnung von 10–20 EUR/t – ausreichend, um die Herkunft Schwarzmeer für preissensible Futter- und Mittelmeer-Märkte in der EU trotz höherer Frachten und Risikoprämien wettbewerbsfähig zu halten.
Angebot & Nachfrage
In der Ukraine läuft die Ernte inzwischen in allen Regionen, allein in der Oblast Odessa wurden bis zum 14. Juli bereits rund 729.000 Tonnen Gerste gedroschen – ein Hinweis auf einen frühen und recht dynamischen Start der neuen Erntekampagne. Jüngste Branchenschätzungen sehen die ukrainische Gerstenernte 2026 bei rund 5,2 Mio. Tonnen nach 4,9 Mio. Tonnen im Jahr 2025, mit einem Exportpotenzial von 2,2–2,3 Mio. Tonnen. Damit dürfte das Schwarzmeerangebot im kommenden Vermarktungsjahr wettbewerbsfähig bleiben.
Trotz einer robusten Produktion lagen die ukrainischen Gerstenexporte in der vergangenen Saison im Jahresvergleich deutlich niedriger, bedingt durch logistische Engpässe. Diese prägen weiterhin die inländische Preisbildung und begünstigen aggressive Angebote in nahegelegene Bestimmungsländer. Für die EU insgesamt bestätigen die jüngsten Getreidebilanzzahlen der Kommission eine im Allgemeinen komfortable Gerstenverfügbarkeit 2025/26, wenn auch keine ausgeprägte Überversorgung. Dies bedeutet, dass schon marginale Veränderungen bei der Exportfähigkeit aus dem Schwarzmeerraum oder der chinesischen Nachfrage die Preisspreads rasch in Bewegung bringen können.
Externe Treiber & Wetter
Die Sicherheitsrisiken im Schwarzen Meer bleiben ein wesentlicher externer Treiber: Berichte der vergangenen zwei Tage melden erneute russische Angriffe auf die Hafeninfrastruktur rund um Odessa, Tschornomorsk und den Donaukorridor. Diese erhöhen die Frachtrisikoprämien und könnten die Verladung von Gerste zeitweise verlangsamen. Bisher haben diese Störungen vor allem die Weizenfutures gestützt, doch Gerste profitiert indirekt durch Substitution in der Importnachfrage und gemeinsame Logistikketten.
Für Norddeutschland deuten die kurzfristigen Wetterprognosen für die nächsten drei Tage auf einen Mix aus Schauern und trockenen Abschnitten bei moderaten Temperaturen hin. Dies könnte zwar zu einem gewissen Stop-and-go bei der Gerstenernte führen, dürfte jedoch keine großflächigen Qualitätsverluste verursachen, sofern sich das Muster nicht verfestigt. Unter diesen Bedingungen sollte der Ernterfortschritt in einem angemessenen Tempo weitergehen und damit den Druck auf die Kassapreise für Futtergerste aufrechterhalten, zugleich aber die Ausbildung einer sofortigen Knappheitsprämie verhindern.
Handelsausblick (nächste 1–2 Wochen)
- Tendenz: Leicht bärisch bis seitwärts für deutsche Futtergerste ab Hof (EXW), da Erntedruck und eine insgesamt schwache Stimmung im Futtersegment dominieren, während das Abwärtspotenzial durch Risiken im Schwarzen Meer und eine solide Exportwettbewerbsfähigkeit begrenzt wird.
- Käufer (Mischfutterwerke, Viehhalter): In Rücksetzern in Richtung 180 EUR/t EXW in Norddeutschland eine Ausweitung der kurzfristigen Deckung erwägen; Käufe staffeln, um mögliche weitere erntebedingte Preisabschläge auszunutzen, falls das Wetter mitspielt.
- Erzeuger (DE): Für noch unbepreiste Mengen kurzfristige Anstiege, die durch Nachrichtenlage im Schwarzen Meer oder Weizenrallys ausgelöst werden, nutzen, um zusätzliche Absicherungen aufzubauen – insbesondere, wenn lokale Gebote wieder in den mittleren bis hohen 180er-Bereich EUR/t steigen.
- Händler: Den Spread zwischen deutscher und ukrainischer Futtergerste im Blick behalten: Solange Schwarzmeer-CPT/FOB-Gerste 10–20 EUR/t unter vergleichbaren EU-Werten gehandelt wird, bleiben grenzüberschreitende Ströme in defizitäre EU-Regionen und in den MENA-Raum attraktiv und begrenzen tiefere Preiskorrekturen.
3‑Tage-Preisindikation (Deutschland & Schwarzmeerregion)
- N-Deutschland (EXW Futtergerste): Leicht nachgebende Tendenz erwartet, bei etwa 182–184 EUR/t in den nächsten drei Tagen, vorausgesetzt, der Erntefortschritt bleibt stetig und es gibt keine größeren witterungsbedingten Rückschläge.
- Ukraine Inland (FCA/CPT Gerste): Weitgehend seitwärts in EUR gerechnet, mit Preisen in einer breiten Spanne von 160–170 EUR/t, da Erntedruck durch Logistikrisiken im Schwarzen Meer aufgewogen wird.
- Schwarzmeer-FOB-Gerste: Stabil bis leicht fester bei rund 205–210 EUR/t äquivalent, wobei die Notierungen eher den geopolitischen Schlagzeilen und der allgemeinen Getreidemarkstimmung folgen als den reinen Gerste-Fundamentaldaten.