Deutsche Futtergerste tendiert weicher, während Schwarzes-Meer-Risiken den Preisen einen Boden geben
Die Preise für deutsche Futtergerste sind Mitte September 2026 leicht weicher, aber weitgehend stabil. Wichtige Preisniveaus, EU-Kontext, Wetter und 3‑Tage-Ausblick in EUR/t im Überblick.
Prices
EXW-Futtergerste in Norddeutschland (z. B. Niedersachsen) wird derzeit bei rund 175–190 EUR/t gehandelt, entsprechend etwa 0,18–0,19 EUR/kg, basierend auf regionalen Richtpreisen von 16,8–19,75 EUR je 100 kg für Futtergerste im September. Dies entspricht nationalen Durchschnittsnotierungen von etwa 155–195 EUR/t für September, abhängig von Standort und Qualität.
Export- und Import-Benchmarks rahmen weiterhin den Binnenmarkt ein. EU-Futtergerste CIF Köln für September–Dezember wird mit rund 227 EUR/t angezeigt, während Wintergerste ab Süd-Holland bei etwa 224 EUR/t bewertet wird. Dies setzt, unter Einbeziehung der Frachtkosten, eine obere Grenze für die Binnennotierungen in Deutschland. Französische Futtergerste FOB Creil wird mit etwa 218–220 EUR/t gehandelt, leicht schwächer gegenüber der Vorwoche, was die deutschen Preise wettbewerbsfähig, aber gebremst hält.
Supply & Demand
Deutschland und die EU insgesamt starten mit einer relativ komfortablen Gerstenversorgung in die Saison 2026/27. Die EU-Gerstenproduktion 2026 wird deutlich über dem jüngsten Fünfjahresdurchschnitt geschätzt und bietet damit einen Puffer für die heimischen Futtergetreidemärkte. Dies hat dazu beigetragen, die Preise trotz zeitweiliger Witterungssorgen im Saisonverlauf zu begrenzen.
Das Abwärtspotenzial ist jedoch durch eingeschränkte Schwarzmeer-Exporte begrenzt. Aktuelle Kommentare verweisen auf neue Risiken für ukrainische und russische Getreideexporte über das Schwarze Meer, da Angriffe auf Hafeninfrastruktur und Schifffahrtsrouten die Unsicherheit hinsichtlich Exportströmen und Versicherungen erhöhen. Zwar ist dies nicht gerstenspezifisch, stützt aber alle Futtergetreide in Europa, da die wahrgenommene Verfügbarkeit von preislich wettbewerbsfähiger Ware aus dem Schwarzmeerraum sinkt.
Weather & Logistics (DE Focus)
Für Niedersachsen und andere wichtige norddeutsche Gerstenregionen zeigt die kurzfristige Prognose für den 16.–20. September 2026 milde Temperaturen um 17–21 °C mit vereinzelten, meist leichten Regenereignissen und trockenen Abschnitten dazwischen. Die Niederschlagsmengen sind moderat, und länger anhaltende Starkniederschläge werden nicht angezeigt.
Dieses Muster ist insgesamt neutral bis leicht unterstützend für die Logistik nach der Ernte: Felder und Hoflager sollten gut erreichbar bleiben, und die Qualitätsrisiken für eingelagerte Ware sind begrenzt, sofern Trocknung und Belüftung am Hof gut gesteuert werden. Da die Ernte weitgehend abgeschlossen ist, ist das Wetter nicht mehr der primäre Preistreiber; stattdessen werden Frachtkosten, Lagerentscheidungen und die grenzüberschreitende Nachfrage in den kommenden Tagen stärker ins Gewicht fallen.
Fundamentals & Market Drivers
- EU-Getreidekomplex uneinheitlich: Jüngste EU-Markteinschätzungen zeigen Anfang September uneinheitliche Getreidepreise, mit moderat schwächerer Gerste neben Weizen und Mais, jedoch stabilisierend nach früheren wetterbedingten Kursanstiegen.
- Wettbewerbsfähige, aber gedeckelte Importe: EU-Futtergerste CIF und ab Hafen notiert bei rund 224–227 EUR/t setzt, nach Einrechnung der Logistikkosten, eine Obergrenze für Binnennotierungen in Deutschland und begrenzt das Aufwärtspotenzial, solange die Weltmarktpreise nicht steigen.
- Risikoprämie Schwarzmeerraum: Anhaltende Störungen und Sicherheitsrisiken im Schwarzmeer-Korridor fügen europäischen Futtergetreiden weiterhin eine moderate Risikoprämie hinzu und gleichen den Druck durch das reichliche EU-Angebot teilweise aus.
Trading Outlook
- Mischfutterhersteller: In Erwägung ziehen, einen moderaten Anteil des Q4-Bedarfs an Gerste zu den aktuellen EXW-Niveaus von rund 175–190 EUR/t zu decken, da die Kombination aus EU-Angebot und Schwarzmeer-Risiko auf begrenztes Abwärtspotenzial, aber einen möglichen Boden nahe den aktuellen Preisen hindeutet.
- Landwirtschaftliche Verkäufer: Mit weitgehend abgeschlossener Ernte und stabiler Spotnachfrage könnten gestaffelte Verkäufe in kurzfristige Preisspitzen hinein, in Richtung Hafengleichstand (~220–230 EUR/t geliefert), den Erlös gegenüber einem sofortigen Komplettverkauf optimieren.
- Exporteure/Händler: Beobachtung der FOB- und CIF-Spannen gegenüber Frankreich und den Niederlanden; deutsche Gerste bleibt wettbewerbsfähig, aber die Margen sind eng, sodass in der sehr kurzen Frist eher Basisanpassungen als Bewegungen im Flat-Price im Vordergrund stehen dürften.
3‑Day Price Indication (Germany, DE)
- Norddeutschland (Niedersachsen, EXW-Futtergerste): Seitwärts bis leicht weiche Tendenz, gesehen in einer Spanne von etwa 175–190 EUR/t in den nächsten drei Tagen, sofern es nicht zu abrupten Bewegungen an den globalen Getreideterminmärkten kommt.
- Westdeutschland (Rhein/Ruhr, geliefert Futtergerste): Stabil um Pari bis leicht über den norddeutschen EXW-Niveaus, orientiert an CIF Köln und Hafen-Benchmarks, mit begrenztem Spielraum über 200 EUR/t im kurzfristigen Horizont.