Deutsche Futterhaferpreise halten sich nahe 0,21 €/kg, da Wetterrisiken nachlassen
Die deutschen Futterhaferpreise in Niedersachsen liegen nahe 0,21 €/kg, gestützt durch ein knapperes Getreideangebot 2026 und moderate Wetterrisiken; kurzfristig wird eine Seitwärtsbewegung erwartet.
Preise
Futterhafer ab Hof in Drentwede (Niedersachsen, EXW) wird mit rund 0,205 EUR/kg bewertet und liegt damit etwa 5 % über den Werten von Ende August nahe 0,195 EUR/kg. Dies spiegelt einen festeren Trend seit Anfang September wider. Umgerechnet auf Tonnenbasis entspricht dies etwa 205 EUR/t und liegt damit deutlich über der deutschen nationalen Durchschnittsindikation für Futterhafer von ungefähr 130–135 EUR/t, die für Anfang September 2026 gemeldet wurde. Dies unterstreicht die starken regionalen Prämien in Norddeutschland für Qualität und kurze Lieferwege.
Ukrainischer Futterhafer ab Odessa (FCA) liegt mit etwa 0,19 EUR/kg (≈190 EUR/t) weiterhin unter den deutschen physischen Werten, doch der Abstand hat sich in den vergangenen Wochen verringert. Dadurch wird Importarbitrage unter Einbeziehung von Fracht- und Risikoprämien begrenzt. Da die deutschen Getreidepreise insgesamt durch wetterbedingte Ernteverluste und erhöhte Inputkosten gestützt werden, wird Hafer im oberen Bereich seiner EU-Preisspanne gehandelt, jedoch ohne klare Ausbruchssignale auf sehr kurze Sicht.
| Markt | Qualität / Termin | Indikativer Spotpreis (EUR/kg) | Trend gegenüber Ende August |
|---|---|---|---|
| Drentwede, DE | Futterhafer, EXW | 0.205 | ▲ ~+5% |
| Deutschland Durchschn. | Futterhafer, nationaler Durchschnitt | ≈0.13–0.14 | ▶ stabil / leicht fest |
| Odessa, UA | Futterhafer, FCA | 0.190 | ▶ unverändert |
Angebot & Nachfrage
Die deutsche Getreideernte 2026 insgesamt liegt nach einer trockenen Frühjahrsperiode und einem heißen Sommer, die die Erträge verringerten, rund 7 % unter dem Vorjahresniveau und leicht unter dem Mehrjahresdurchschnitt. Dies verengt die allgemeine Versorgungslage bei Futtergetreide und verleiht Hafer strukturelle Unterstützung. Regionale Berichte aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen beschreiben die Getreideerträge trotz extremer Wetterbedingungen jedoch als „solide“, was darauf hindeutet, dass die lokale Haferverfügbarkeit im Nordwesten nicht kritisch knapp ist.
Auf EU-Ebene bleibt die Haferanbaufläche aufgrund der im Vergleich zu anderen Sommergetreiden ordentlichen Rentabilität relativ hoch, auch wenn für das Wirtschaftsjahr 2026/27 ein moderater Flächenrückgang erwartet wird. Der Futtermittelverbrauch dürfte im Einklang mit einer geringeren Ernte leicht zurückgehen, während die Lebensmittel- und Industrienachfrage, insbesondere nach Haferdrinks und Haferflocken, weiter steigt und die mittelfristigen Fundamentaldaten stützt. Für deutsche Futterkäufer bedeutet dies einen geringeren Puffer durch Importe und eine stärkere Abhängigkeit von inländischen sowie nahegelegenen EU-Ursprüngen.
Die Lieferströme aus dem Schwarzen Meer bleiben ein wichtiger Referenzpunkt: Die Ukraine ist weiterhin ein bedeutender Getreidelieferant für den EU-Futtermittelsektor, doch strengere Handelsmaßnahmen und logistische Risiken begrenzen den Spielraum für sehr günstige Zuflüsse. Bei Hafer sind ukrainische Angebote auf dem Papier zwar wettbewerbsfähig, werden jedoch durch Fracht- und Risikoprämien eingeschränkt. Dies erklärt, warum norddeutsche Gebote eine deutliche Prämie halten können, ohne große Ersatzmengen anzuziehen.
Wetter & Fundamentaldaten
Die Wetterdaten für Drentwede vom 18.–20. September zeigen milde Temperaturen mit Tageshöchstwerten von etwa 19–20 °C, häufige Bewölkung, windige Bedingungen und vereinzelte Schauer. Da die Getreideernte 2026 in Niedersachsen weitgehend abgeschlossen ist, sind diese Bedingungen für die Erträge nur von begrenzter Bedeutung, können jedoch Feldarbeiten sowie die Trocknung oder Verladung auf den Betrieben während kurzer nasser Phasen verlangsamen. Größere logistische Störungen werden angesichts der erwarteten relativ geringen Niederschlagsmengen jedoch nicht erwartet.
Nationale Erntebewertungen weisen darauf hin, dass ein trockenes Frühjahr und ein sehr heißer, trockener Sommer die Abreife beschleunigten und in einigen Regionen die Getreideerträge reduzierten, während die Qualität bei Brotgetreide überwiegend solide bleibt. Bei Hafer zeigen regionale Versuchsdaten eine angemessene Leistung der Hauptsorten, und es wurde kein flächendeckendes Qualitätsproblem gemeldet. Dies deutet darauf hin, dass das Angebot an Futterqualität ausreichend, wenn auch nicht üppig ist. Zusammen mit den hohen Energie- und Düngerkosten begünstigt dieses Umfeld, dass Produzenten versuchen, die aktuellen Preisniveaus zu verteidigen, statt die Ware aggressiv in die Futtermittelkette zu geben.
3-Tage-Preisausblick (DE, EXW Futterhafer)
- 18. September: Seitwärts. Lokale Gebote in Niedersachsen werden nahe 0,205 EUR/kg erwartet; leichte Schauer können die Verladungen verlangsamen, dürften die Verfügbarkeit jedoch nicht wesentlich beeinträchtigen.
- 19. September: Seitwärts bis leicht fest. Überwiegend bewölkte, windige Bedingungen und feste EU-Getreidebenchmarks stützen das aktuelle Niveau; Verkäufer stehen nur unter begrenztem Druck, zusätzliche Mengen zu bewegen.
- 20. September: Seitwärts. Da über das Wochenende keine wichtigen marktbewegenden Nachrichten erwartet werden und das Wetter weiterhin nur mäßig wechselhaft ist, dürften die regionalen EXW-Indikationen nahe 0,205 EUR/kg bleiben.
Handelsausblick
- Futterkäufer (Deutschland): Es empfiehlt sich, den unmittelbaren Bedarf auf dem aktuellen Niveau zu decken. Die regionalen Preise liegen zwar über den nationalen Durchschnittswerten, erscheinen jedoch durch die Fundamentaldaten gut gestützt und dürften kurzfristig nicht stark korrigieren.
- Produzenten (Niedersachsen): Angesichts eines Preisgewinns von rund 5 % seit Ende August und fehlender klarer bärischer Faktoren erscheint ein schrittweiser Verkauf bei kleinen weiteren Anstiegen über 0,205 EUR/kg sinnvoll, während ein Teil der nicht preisgebundenen Mengen für die Winternachfrage zurückgehalten werden sollte.
- Importeure / Händler: Der schrumpfende Abstand zu ukrainischen FCA-Angeboten begrenzt eine unkomplizierte Importarbitrage. Der Fokus sollte auf opportunistischen Ladungen statt auf großen strukturellen Positionen liegen, sofern Fracht- oder Risikoprämien am Schwarzen Meer nicht nachlassen.