Deutsche Futterhaferpreise unverändert bei 195 €/t, Märkte blicken über Schwarzmeer-Risiken hinweg
Die Futterhaferpreise in Norddeutschland liegen bei rund 195 €/t EXW. Reichliches EU-Angebot, begrenzter Schwarzmeer-Einfluss und überwiegend seitwärts gerichteter 3-Tage-Ausblick.
Preise
Futterhafer in Norddeutschland wird mit rund 195 €/t EXW für Schüttgutlieferungen bewertet, unverändert gegenüber den vergangenen zwei Wochen und etwa 7 €/t über dem Niveau von Anfang August. Dies signalisiert einen stabilen, aber festen Preisboden. Regionale Übersichten der Futterpreise für die Woche vom 31. August bis 6. September zeigen überwiegend stabile Getreidenotierungen, mit nur geringfügigen Bewegungen bei kleineren Futtergetreidearten. An den internationalen Märkten handeln nahe Termine der CBOT-Haferfutures nahe dem Gegenwert von 320–330 €/t, leicht schwächer zur Vorwoche, ohne starken Aufwärtstrendimpuls für die Kassapreise in der EU.
Angebot & Nachfrage
Der deutsche Erntebericht 2026 bestätigt eine gemischte Getreidesaison mit Wetterextremen, aber insgesamt ausreichender Getreideproduktion, sodass kurzfristige Sorgen um die inländische Verfügbarkeit von Futtergetreide begrenzt bleiben. Obwohl Hafer nur einen kleinen Anteil an der gesamten Getreideerzeugung hat, melden regionale Genossenschaften ausreichende Mengen der neuen Ernte in Norddeutschland. Zudem können Käufer bei Bedarf in der Fütterung auch auf Gerste und Weizen ausweichen.
In der Ukraine bleiben die Getreideexporte über Odessa und benachbarte Schwarzmeerhäfen durch russische Angriffe und eine faktische Blockade stark eingeschränkt, was die Seeausfuhren auf dem Höhepunkt der Ernte deutlich reduziert. Die Logistik verlagert sich zwar auf die Donau und westliche Landwege, insgesamt liegen die Ausfuhren aber weiterhin deutlich unter dem Normalniveau. Dies drückt die Inlandspreise in der Ukraine, begrenzt jedoch gleichzeitig den direkten Wettbewerbsdruck Richtung EU. Für den deutschen Hafer ergibt sich daraus ein neutrales bis leicht stützendes Umfeld: Die Störungen im Schwarzmeerraum erhöhen die allgemeinen Risikoprämien für Getreide, doch das reichliche EU-Angebot an Hafer und alternativen Getreidearten verhindert eine ausgeprägte Preisrallye.
Fundamentaldaten & Wetter
Die jüngste EU-Ernteüberwachung zeigt, dass die Getreideerträge in vielen Regionen, einschließlich Deutschland, durch Wetterextreme im Frühjahr und Frühsommer begrenzt wurden, insgesamt aber nahe dem Fünfjahresdurchschnitt liegen. Dies stützt das Bild eines weder deutlich knappen noch überversorgten Futtergetreidemarktes. Im deutschen Futterkomplex geben Weichweizen und Gerste weiterhin den Ton an, während Hafer je nach Logistik und lokaler Nachfrage mit einem moderaten Abschlag oder auf Parität gehandelt wird.
Agrarmeteorologische Prognosen für Norddeutschland in den kommenden Tagen deuten auf überwiegend trockenes bis schauerartiges Wetter mit moderaten Temperaturen hin, was für die letzten Feldarbeiten und den Getreidetransport günstig ist, die Ertragssituation des bereits geernteten Hafers jedoch nicht mehr beeinflussen wird. Da Silomais früher als üblich die Reife erreicht, werden die Mischfutterwerke bald Zugriff auf frischen Mais haben, der als zusätzliche Alternative zu Hafer in den Rationen dient und den Aufwärtsspielraum bei den Haferpreisen begrenzt.
Kurzfristiger Ausblick & Handelsideen
- Seitwärts bis leicht fester: Bei stabilen Preisen für deutschen Futterhafer um 195 €/t und ohne akuten Versorgungsdruck werden überwiegend seitwärts tendierende Notierungen erwartet, mit leichtem Aufwärtspotenzial, falls die breiteren Getreidemärkte auf weitere Eskalationen im Schwarzmeerraum reagieren.
- Für Käufer (Mischfutterwerke, Integratoren): In Rücksetzern kann eine Deckung des kurzfristigen Bedarfs erwogen werden; eine übermäßige Vorwärtsdeckung sollte jedoch vermieden werden, da alternative Futtergetreide und früher Silomais das Aufwärtsrisiko begrenzen.
- Für Verkäufer (Landwirte, Erfassungsbetriebe): Angesichts stabiler Basiskomponenten und anhaltender geopolitischer Risiken im Hintergrund kann das Halten eines Teils der Bestände bis in den Herbst hinein einen moderaten Lagerertrag bieten. Starke Preissprünge erscheinen jedoch unwahrscheinlich, solange kein breiter Getreideschock eintritt.
3-tägige regionale Preisindikation (Deutschland)
- Norddeutschland (EXW, Futterhafer): Seitwärts um 195 €/t, enge Geld-Brief-Spannen, geringe Volatilität in den kommenden drei Handelstagen erwartet.
- West- & Mitteldeutschland: Preise weitgehend im Einklang mit dem Norden, geringfügige regionale Abweichungen von ±2 €/t, die eher durch Frachtkosten als durch Fundamentaldaten bedingt sind.
- Exportparität (nahegelegene EU-Ziele): Stabil im hohen 190er-€/t-Bereich (lieferungsäquivalent); kurzfristig ist kein starker Exportzug zu erwarten.