Hafermarkt stabil, da CBOT-Kurve anzieht und EU-Kassapreise unverändert bleiben
Die Haferpreise bleiben stabil, mit einer leicht festeren CBOT-Kurve und unveränderten Kassawerten in Deutschland und der Ukraine. Schwarzes-Meer-Risiken treiben Weizen, doch Hafer bleibt ausgeglichen.
Preise
Die Hafer-Futures an der CBOT zeigen eine leicht festere Struktur. September 2026 handelt nahe 342,50 US-Cent/bu, Dezember 2026 bei 371,00 und März 2027 bei 383,00 US-Cent/bu, alle mit leichten Aufschlägen in den letzten Sitzungen. Das begrenzte Volumen in den nahen Fälligkeiten und die stetig ansteigende Kurve in Richtung 2027 deuten eher auf eine Neubewertung des Risikopremiums als auf eine unmittelbare Knappheit hin.
Am Kassamarkt werden deutscher Futterhafer in Drentwede mit etwa 0,195 EUR/kg EXW bewertet, was rund 195 EUR/t entspricht, unverändert seit Mitte August. Ukrainischer Futterhafer frei verladen Odessa (FCA) wird bei rund 0,19 EUR/kg (etwa 190 EUR/t) gesehen, ebenfalls unverändert in den letzten Wochen. Europäische Referenzindizes für Hafer bündeln sich nahe 190–195 EUR/t und bestätigen, dass die aktuellen Futures-Niveaus in etwa den physischen Benchmarks entsprechen.
Angebot & Nachfrage
Die globalen Getreideströme werden weiterhin von der Unsicherheit rund um das Schwarze Meer dominiert, wo erneute Störungen der ukrainischen und russischen Exporte die Weizenpreisschwankungen deutlich erhöht haben. Für Hafer ist der direkte Einfluss jedoch begrenzt: Die Handelsvolumina sind kleiner, und Käufer können leichter zwischen EU- und regionalen Herkünften wechseln. Jüngste ukrainische Daten zeigen zwar eine Woche-für-Woche-Erholung der Getreideexporte, diese liegen aber weiterhin deutlich unter Vorkriegsniveaus und halten so einen grundlegenden Risikopreisaufschlag im breiteren Getreidekomplex aufrecht.
In Europa hat die Getreideernte 2026 die lokalen Futtervorräte wieder aufgefüllt, und die Nachfrage von Mischfutterherstellern wird als verhalten beschrieben. Die EU-Haferfläche für 2026/27 wird nur leicht unter dem Vorjahr erwartet und bleibt historisch hoch, da Landwirte Hafer im Vergleich zu anderen Sommergetreiden weiterhin als relativ profitabel einstufen. Der menschliche Verbrauch nimmt dank Haferdrinks und Frühstücksprodukten weiter zu, doch der Futtereinsatz ist schwach. Insgesamt bleibt die Bilanz damit komfortabel, mit verfügbaren Exportüberschüssen.
Fundamentaldaten & Wetter
Die aktuelle Hafer-Forwardkurve spiegelt Fundamentaldaten wider, die weder stark bullisch noch ausgeprägt bärisch sind. Stabile Kassamärkte, leicht festere Terminpreise in den fernliegenden Fälligkeiten und konstante Basisniveaus in Deutschland und der Ukraine deuten darauf hin, dass das Angebot für den kurzfristigen Bedarf ausreichend ist. Das Open Interest in den Kontrakten Ende 2026 und 2027 ist begrenzt und unterstreicht, dass Hafer weiterhin ein Nischenmarkt mit geringer Liquidität ist, in dem es bei plötzlichen fundamentalen Veränderungen zu starken Preissprüngen kommen kann.
Das Wetter in den wichtigsten europäischen Haferregionen ist saisonal durchwachsen, aber nicht bedrohlich. In Deutschland und den Nachbarländern deuten die Bedingungen Anfang September auf kühleres, teils schauerartiges Wetter hin, das insgesamt für die späte Feldarbeit und die Lagerlogistik günstig ist. In der Ukraine wird die hauptsächliche Wettersorge für Getreide derzeit von logistischen und Sicherheitsrisiken überlagert, nicht von den Erträgen zu diesem Zeitpunkt der Saison. Speziell für Hafer ist kurzfristig kein größerer witterungsbedingter Angebotsschock erkennbar.
Handelsausblick
- Erzeuger (EU): Bei stabilen deutschen EXW-Notierungen um 195 EUR/t und CBOT Dezember 2026 bei rund 195–200 EUR/t Äquivalent sind schrittweise Vorverkäufe bei kleineren Preisspitzen weiterhin sinnvoll, insbesondere wenn der lokale Basisaufschlag fest bleibt. Ein Teil der Mengen sollte unbepreist bleiben, falls die Spannungen im Schwarzen Meer stärker auf Hafer übergreifen.
- Verbraucher (Futter- & Lebensmittelindustrie): Die Kombination aus flachen Kassapreisen und einer sanft ansteigenden Terminstruktur spricht für eine Hand-zu-Mund-Strategie im Spot-Geschäft, mit selektiver Absicherung des Bedarfs für Q1–Q2 2027 bei Rücksetzern. Aggressive Vorwärtsdeckung auf dem aktuellen Niveau sollte vermieden werden, es sei denn, Weizen und Gerste ziehen deutlich an und beginnen, Hafer mit nach oben zu ziehen.
- Händler: Basishandel zwischen deutscher und Schwarzmeer-Herkunft bleibt attraktiv, solange ukrainischer Hafer nur mit einem geringen Abschlag angeboten wird und die Logistik beherrschbar ist. Eine weitere Eskalation der Angriffe im Schwarzen Meer ist genau zu beobachten, da sie Spannen ausweiten oder eine risikogetriebene Rallye bei Nebengetreiden auslösen könnte.
3-Tage-Richtungstendenz
- CBOT-Hafer: Leicht fester bis seitwärts. Unterstützung durch die Stärke im breiteren Getreidekomplex und das Risiko im Schwarzen Meer, jedoch mit begrenzten neuen, haferspezifischen Impulsen. Es wird ein Handel in der aktuellen Spanne erwartet.
- Deutschland (EXW Futterhafer, Norden): Stabil nahe 195 EUR/t in den nächsten drei Tagen, mit nur geringen, standortbezogenen Abweichungen aufgrund lokaler Nachfrage und Frachtkosten.
- Ukraine (FCA Odessa Futterhafer): Notierungen dürften nahe 190 EUR/t bleiben, wobei das Hauptrisiko eher auf der Logistikseite als beim absoluten Preisniveau liegt.