Deutscher Futterroggen legt zu, da Wetterrisiko Verkäufer vorsichtig hält
Deutsche Futterroggenpreise ziehen an – gestützt durch stabile Nachfrage, vorsichtige Verkäufe der Landwirte und minimale ukrainische Roggenexporte, während Wetterrisiken den Markt stützen.
Preise & Markttendenz
Futterroggen ab Hof (EXW) Norddeutschland (Drentwede) hat sich Mitte Juni moderat befestigt, was eine Kombination aus stabiler Nachfrage von Mischfutterherstellern und begrenzten Spotverkäufen der Landwirte widerspiegelt. Das aktuelle Niveau von rund EUR 0.18/kg (EUR 180/t) markiert einen kleinen, aber bemerkbaren Anstieg gegenüber dem Vortag, im Einklang mit der allgemein festeren Tendenz an den deutschen Kassamärkten für Getreide.
Am Schwarzen Meer bleiben die ukrainischen Getreidepreise insgesamt wettbewerbsfähig, doch offizielle Zolldaten zeigen, dass die Roggenexporte bisher in der Saison 2025/26 im Vergleich zum Vorjahr nahezu vernachlässigbar sind. Das bedeutet, dass deutscher Futterroggen stärker von den inländischen Futtergetreide-Spannen beeinflusst wird als von direkter Importkonkurrenz beim Roggen selbst.
Angebot, Nachfrage & Handelsströme
Marktkommentare zum EU-Getreidemarkt verweisen auf insgesamt bessere Ernteaussichten im Vergleich zum Vorjahr, jedoch mit deutlichen regionalen Wetterrisiken, die aggressives Verkaufen verhindern. In Deutschland ist Roggen im Vergleich zu Weizen und Gerste eine Nebenfrucht; die aktuelle Preisgestaltung deutet darauf hin, dass er, wo verfügbar, wettbewerbsfähig in Futterrationen eingepreist wird, insbesondere in nördlichen Regionen mit guter Logistik.
Ukrainische Zollstatistiken zeigen, dass die gesamten Exporte von Getreide und Leguminosen in 2025/26 im Jahresvergleich um etwa 12% zurückgegangen sind, wobei die Roggenexporte von rund 10,8 kt in der vergangenen Saison auf bisher nur 0,2 kt eingebrochen sind. Damit fällt die Ukraine kurzfristig faktisch als bedeutender Roggenlieferant aus, auch wenn Weizen vom Schwarzen Meer sehr wettbewerbsfähig bleibt und weiterhin die breiteren Futtergetreidewerte in Europa verankert.
Fundamentaldaten & Wetter (Fokus Deutschland)
Aktuelle Berichte zum deutschen Getreidemarkt heben hervor, dass die Getreideernte 2026 voraussichtlich insgesamt ausreichend, aber nicht überbordend ausfallen wird, wobei die Preisbildung zunehmend von kurzfristigen Wetter-Schlagzeilen getrieben wird. Europaweit warnen Analysten, dass sich die Bodenfeuchte im Vergleich zu früheren Trockenjahren zwar verbessert hat, Hitze und Trockenheit später im Juni die Erträge in einigen Regionen jedoch weiterhin schmälern könnten.
Für Deutschland ist das Wetter Mitte Juni gemischt, aber saisontypisch normal: wechselnde Schauer, kühlere Phasen und kurze Wärmeperioden. Zwar sagten einige Prognosen zu Monatsbeginn eine Abfolge von Gewittern, eine kurze kühle „Schafskälte“ und anschließend wieder Hitze und Trockenheit voraus, doch der aktuelle Drei-Tage-Ausblick zeigt weder extreme Hitze noch anhaltende Dürre. Dies stützt das Ertragspotenzial beim Roggen, ermutigt die Landwirte aber auch, mit größeren Verkaufsverpflichtungen zu warten, bis die Erntesignale klarer sind.
Marktausblick 3–7 Tage
- Preistendenz (Deutschland, Futterroggen EXW): leicht fest; bei weiter festen Futterweizen- und Gerstenpreisen und dünnen Landwirteangeboten sind moderate weitere Aufschläge möglich.
- Basis vs. Schwarzmeer: Deutscher Roggen dürfte aufgrund der vernachlässigbaren Exportströme aus der Ukraine und logistischer Reibungen seinen Aufschlag gegenüber ukrainischem FOB-Roggen behaupten, auch wenn Weizen vom Schwarzen Meer das Aufwärtspotenzial begrenzt.
- Wettereinfluss: Jede Entwicklung hin zu heißeren, trockeneren Bedingungen gegen Ende Juni würde schnell preisstützend wirken, insbesondere in traditionell ertragsstarken Roggenregionen Norddeutschlands.
Handelsempfehlungen
- Futtereinkäufer (Deutschland): Erwägen Sie, einen Teil des Q3-Bedarfs auf dem aktuellen Niveau um EUR 180/t EXW dort zu decken, wo die Logistik vorteilhaft ist. Lassen Sie ein Volumen offen, um von möglichem Erntedruck zu profitieren, falls das Wetter günstig bleibt.
- Roggenverkäufer/Landwirte: Angesichts sehr niedriger Exporte aus der Ukraine und wetterbedingt gut gestützter europäischer Getreidemärkte erscheint es sinnvoll, einen Teil der unverkauften Alt-/Neuerntemengen zurückzuhalten. Nutzen Sie kurzfristige Rallys im Zuge der breiteren Getreidemärkte, um gestaffelt Verkäufe zu tätigen.
- Händler: Beobachten Sie die Spanne Futterroggen–Futterweizen sowie deutsche gegenüber baltischen/polnischen Angeboten. Sollte Weizen vom Schwarzen Meer nachgeben, während deutscher Roggen stabil bleibt, könnte eine verstärkte Substitution in den Rationen weiteres Aufwärtspotenzial beim Roggen begrenzen.
Regionale Preisindikation 3 Tage (Tendenz)
- Deutschland (Nord, EXW Futterroggen): Leicht fester bis seitwärts; Käufer könnten den Markt mit kleineren Zusatzkäufen testen, größere Bewegungen sind jedoch ohne neue Wetterimpulse unwahrscheinlich.
- Ukraine (Odessa FOB Roggen): Stabil bis leicht weich in EUR gerechnet, was eher dünnen Handel und Konkurrenz durch andere Schwarzmeer-Getreide als eine aktive Roggennachfrage widerspiegelt.