Deutscher Roggen stabil, aber fest, da neue Ernte und EU-Futternachfrage den Ton angeben
Deutsche Roggenpreise halten sich um 210 EUR/t EXW bei komfortabler EU-Versorgung, weichen Referenzpreisen und gemischtem, aber logistikneutralem Wetter in Norddeutschland.
Preise
Deutscher Futterroggen (EXW Drentwede) wird bei etwa 210 EUR/t indiziert, unverändert gegenüber dem 11. September, aber rund 4–5 % höher als Ende August, als die Preise nahe 200 EUR/t lagen. Im Gegensatz dazu ist ukrainischer Roggen FOB Odessa im Wochenvergleich geringfügig gefallen, was den anhaltenden Exportwettbewerb aus dem Schwarzmeerraum unterstreicht.
Die EU-Referenzpreise für Futterroggen im Raum München liegen für September bei knapp 172 EUR/t, 4,6 % unter August und etwa 17–18 % unter dem Vorjahr. Dies bestätigt, dass der breitere EU-Markt trotz der jüngsten Erholung von lokalen Tiefstständen weiterhin unter leichtem Abwärtsdruck steht.
Angebot & Nachfrage
Der deutsche Bundeserntebericht weist auf eine Getreideernte insgesamt leicht unter dem Durchschnitt hin, jedoch ohne akute Engpässe. Bei den Brotgetreiden heben die offiziellen Einschätzungen nur moderate Qualitätsprobleme hervor; die Roggenmengen werden als ausreichend beschrieben, mit regionalen Unterschieden nach Phasen sommerlicher Trockenheit.
Jüngste Ernteberichte auf Länderebene (z. B. Sachsen) betonen erkennbare Ertragseinbußen durch Wetterextreme in einigen ostdeutschen Regionen, die jedoch weitgehend durch robustere Ergebnisse in Teilen Nord- und Westdeutschlands ausgeglichen werden. Auf EU-Ebene signalisiert die Getreidebilanz 2026 weiterhin eine komfortable Roggenverfügbarkeit, und Brüsseler Daten zeigen steigende kumulative Roggen-Ausfuhrlizenzen für 2025/26, die jedoch im Verhältnis zum Gesamtangebot gering bleiben. Damit bleibt der Großteil der deutschen Produktion im inländischen Futter- und Industriebereich gebunden.
Fundamentaldaten & Wetter
Mittelfristige Strukturdaten zeigen, dass Deutschland und Polen zusammen über 70 % der EU-Roggenfläche stellen und dass die EU-Roggenernte in den letzten Saisons vor allem durch einen reduzierten Flächenumfang in Deutschland begrenzt war, weniger durch Ertragseinbrüche. Dies prägt den aktuellen Markt: Die Versorgung ist nicht übermäßig üppig, aber ausreichend, um die Nachfrage zu den bestehenden Preisen zu decken und damit das Aufwärtspotenzial zu begrenzen.
Für die nächsten drei Tage ist in Niedersachsen (zentrale Roggenregion) wechselhaftes, aber mildes Wetter zu erwarten: heute überwiegend bewölkt bei rund 21 °C, gefolgt von Regenphasen am 13. September und erneut meist bewölktem Himmel bei etwa 20 °C am 14. September. Da die Haupternte bereits abgeschlossen ist, hat dieses Muster kaum direkten Einfluss auf die Erträge; der Haupteffekt liegt bei der Logistik, wo kurzzeitige, regenbedingte Verzögerungen die Ab-Hof-Verkäufe und Lkw-Bewegungen vorübergehend bremsen können, ohne die Versorgung materiell zu verknappen.
Handelsausblick
- Futterkäufer (DE): Eine kurzfristige Absicherung um 210 EUR/t EXW wirkt vernünftig, doch der Abschlag von EU-Roggen gegenüber anderen Getreiden lässt Spielraum für weitere Optimierung der Rationen. Ein gestaffeltes Vorgehen auf kleineren Rücksetzern bietet sich an, falls der Konkurrenzdruck von Mais und Gerste die Roggenanteile in den Rationen verringert.
- Erzeuger (DE): Da die EU-Benchmarks weiterhin deutlich unter dem Vorjahr liegen und die lokalen Kassapreise in einer engen Spanne verharren, erscheinen schrittweise Verkäufe bei Kursstärken über etwa 210–215 EUR/t sinnvoll, während eine Restmenge für mögliche Herbst-Rallyes im Futtergetreidekomplex zurückgehalten werden kann.
- Händler: Schwarzmeer-Offerten sind genau zu beobachten; leichte Abschwächungen der ukrainischen FOB-Werte begrenzen die EU-Exportchancen und sprechen kurzfristig für einen Schwerpunkt auf inländischen Absatz.
3‑Tage-Preisindikation (DE)
- N-Deutschland Futterroggen EXW: Seitwärts in einer Spanne von rund 205–212 EUR/t in den nächsten drei Handelstagen, mit wetterbedingten Logistikgeräuschen, aber ohne starken fundamentalen Impuls.
- EU-Referenz (München): Leichter Abwärtstendenz in Richtung hoher 160er EUR/t, falls der breitere Futtergetreidekomplex unter Druck bleibt; etwaige Erholungen dürften im sehr kurzen Zeitfenster im Bereich von 175 EUR/t gedeckelt bleiben.