Futtergerste unter Druck: flache SFE-Kurve, schwache Schwarzmeer-Gebote
Kompaktes Gerstenmarkt-Update Juni 2026: SFE-Futtergersten-Futures, ukrainische Exportpreise, Schwarzmeer-Angebotstrends, Wetter und Handelsausblick in EUR.
Preise & Terminstruktur
Der SFE-Futtergerstenstreifen per 2. Juni 2026 zeigt eine flache bis leicht diskontierte Nähe im Vergleich zu einer zuvor steileren Forward-Kurve. Der Juli 2026 handelte bei 310 AUD/t, der September und November ebenfalls bei 315 AUD/t und unverändert zum Vortag. Weiter draußen schlossen Januar und März 2027 sowie Januar 2028 und Januar 2029 alle bei rund 308,5–324,5 AUD/t, nachdem die aufgeschobenen Kontrakte in der Sitzung um deutliche 16,5 AUD/t (rund 5 %) nach unten angepasst wurden.
Umgerechnet in EUR (bei etwa 1 AUD ≈ 0,60 EUR) liegt das SFE-Futtergerstenniveau für Juli 2026 bei rund 186 EUR/t, während die Werte für Januar 2028–29 um 195 EUR/t liegen. Diese Abflachung deutet darauf hin, dass frühere Erwartungen engerer künftiger Bilanzen zugunsten einer komfortableren mittelfristigen Versorgungslage neu bewertet werden.
In der Ukraine lagen jüngste physische Angebote für Futtergerste-Saatgut (Rinderfutter, FOB Odessa) weiterhin bei rund 0,18–0,19 EUR/kg, entsprechend etwa 180–190 EUR/t, mit FCA-Inlandsangeboten für Futtergerste mit 98 % Reinheit bei rund 0,22–0,23 EUR/kg (220–230 EUR/t) und nur geringen Veränderungen gegenüber der Vorwoche in der zweiten Maihälfte. Diese Stabilität steht im Kontrast zur Korrektur der aufgeschobenen australischen Futures und zeigt, dass die Kassamärkte im Schwarzmeerraum für viele Verkäufer bereits nahe kostenbasierter Unterstützung liegen.
Angebots- & Nachfragetreiber
Die globale Gerstenverfügbarkeit bis 2026/27 wirkt komfortabel. Die ukrainische Gerstenproduktion 2026/27 wird auf rund 6,1 Mio. t geschätzt, wobei die Exporte laut jüngsten FAS/USDA-Einschätzungen auf etwa 4,2 Mio. t und damit mehr als das Doppelte der Vorsaison steigen könnten. Gleichzeitig liegen die kumulierten Gerstenexporte der Ukraine in der laufenden Saison 2025/26 weiterhin unter dem Vorjahresniveau (1,46 Mio. t bis Ende Mai gegenüber 2,25 Mio. t im Vorjahr), was auf beachtliche Übertragsbestände hinweist.
Zusätzliche Hinweise ukrainischer Analysten deuten auf deutlich höhere Anfangsbestände für Gerste in 2026/27 hin, einige Schätzungen sprechen von einem Anstieg um rund 140 % gegenüber 2025/26. Dieser Bestandsaufbau ist eine direkte Folge eingeschränkter Exporte und starker Konkurrenz aus anderen Ursprungsländern. Parallel dazu werden die russischen Getreideexporte (Weizen, Gerste, Mais zusammen) voraussichtlich von 4,55 Mio. t im April auf etwa 3,3 Mio. t im Mai sinken, was auf eine gewisse Abschwächung des Exportdrucks aus dem Schwarzmeerraum hindeutet, wenn auch von weiterhin hohem Niveau aus.
Fundamentaldaten & konkurrierende Futtermittel
Gerste bleibt stark vom breiteren Futtergetreidekomplex beeinflusst. In Nordamerika haben sich die jüngsten Kassapreise für Futtergerste in Kanada in Lokalwährung zusammen mit anderen Futtergetreiden leicht befestigt, doch reichliche globale Mais- und Weizenbestände dämpfen anhaltende Stärke. Für die Ukraine liegen die in der zweiten Maihälfte notierten Großhandelspreise für Gerste grob in einer Spanne von 0,40–0,80 US$/kg (rund 0,37–0,74 EUR/kg, je nach Qualität und Standort), was im Großen und Ganzen mit den aktuellen CIF- und FOB-äquivalenten Spannen aus realen Angeboten übereinstimmt.
Im Inland wird der ukrainische Futterverbrauch von Gerste bis 2025/26 voraussichtlich relativ stabil bleiben, während die Exporte die Hauptausgleichsgröße darstellen. Bei höheren Anfangsbeständen und nur moderatem Wachstum der inländischen Futternachfrage wird die Exportwettbewerbsfähigkeit von Währung, Frachtkosten und der relativen Preisstellung von Gerste gegenüber Mais und Futterweizen abhängen. Diese Dynamik zeigt sich bereits in den SFE-Futures, wo die langlaufenden Kontrakte nach unten angepasst wurden, um den globalen Überschuss an Futtergetreide besser widerzuspiegeln.
Wetter & Pflanzenzustand
Das Wetter in wichtigen Gerstenregionen stützt einen überwiegend günstigen Produktionsausblick. Im Schwarzmeerraum, einschließlich der Ukraine und des südlichen Russlands, deuten aktuelle meteorologische Berichte auf begrenzte, aber ausreichende Niederschläge in dieser Woche und auf eine kräftigere Kaltfront mit kühleren Temperaturen und vereinzelten Schauern in nördlichen Zonen hin, was den Stress für die Bestände mindert und das Ertragspotenzial erhält. Die Aussaat der Sommergerste in der Ukraine ist weitgehend abgeschlossen, der Bestand befindet sich nun unter relativ günstigen Bedingungen im vegetativen Wachstum.
Andernorts berichten die kanadischen Prärien und Teile Europas von gemischten, aber noch nicht bedrohlichen Bedingungen, und aktuelle Einschätzungen für Kasachstan deuten darauf hin, dass die Gerstenproduktion 2026/27 unter dem nahezu rekordhohen Niveau des Vorjahres liegen, aber immer noch in etwa historischen Durchschnitten entsprechen könnte. Insgesamt ist das Wetter eher ein Beobachtungsfaktor als ein aktuell bullischer Treiber; anhaltende Trockenheit oder Hitzewellen im Juni–Juli im Schwarzmeerraum oder in der EU wären nötig, um die Bilanz spürbar zu verknappen.
Handelsausblick (nächste 1–3 Monate)
- Flach- bis leicht weiche Futures-Tendenz: Die deutliche 5%ige Abwärtsanpassung der aufgeschobenen SFE-Futtergerstenkontrakte gegenüber unveränderten nahen Monaten signalisiert einen Markt, der auf einen seitwärts bis leicht weicheren Preispfad setzt, sofern das Wetter sich nicht deutlich verschlechtert.
- Begrenzte Abschläge im Schwarzmeerraum: Stabile ukrainische FOB- und FCA-Angebote im Bereich von 180–230 EUR/t deuten darauf hin, dass weiterer Abwärtsspielraum auf Widerstand der Erzeuger treffen dürfte, insbesondere angesichts steigender Produktionskosten und fortbestehender logistischer Risiken.
- Exporttempo & Politik im Blick behalten: Jede Beschleunigung bei ukrainischen Gersten-Exportlizenzen oder Änderungen in der Verwaltung von EU-Zollkontingenten für ukrainische Getreide könnte die Basisspannen vorübergehend unter Druck setzen, während Störungen der Schwarzmeerlogistik oder Sanktionen das Angebot verknappen und die Preise unterstützen könnten.
Kurzfristige Preisindikation (3-Tage-Sicht)
- SFE-Futtergerste (Australien): In EUR gerechnet wird der Juli 2026 stabil bei rund 185–190 EUR/t gesehen; aufgeschobene Kontrakte dürften sich nach dem jüngsten 5%-Rückgang konsolidieren.
- Schwarzmeer FOB Ukraine (Futtergerste): Indikationen für Rinderfuttergerste in Odessa dürften sich in den nächsten drei Tagen weiter um 180–190 EUR/t bewegen, mit FCA-Inlandswerten nahe 220–230 EUR/t, sofern es nicht zu abrupten Änderungen bei FX oder Fracht kommt.
- EU nahe Futtergerste (CIF Mittelmeer): Tendenziell stabil bis leicht schwächer im Vergleich zu anderen Futtergetreiden, da Käufer gut gedeckt sind und eher das Wetter beobachten, als kurzfristige Partien aggressiv zu kaufen.