Hafer fest, da CBOT-Futures sich erholen und EU-Futterwerte leicht nachgeben
CBOT-Haferfutures erholen sich, während deutsche und ukrainische Futterhaferpreise nachgeben. Lesen Sie einen kompakten Ausblick zu Preisen, Fundamentaldaten und kurzfristigen Handelsstrategien.
Preise
CBOT-Hafer zeigt am Morgen einen konstruktiven Ton: September 2026 wurde zuletzt bei 320,25 US-ct/bu gehandelt, ein Plus von 7,75 ct bzw. 2,48 % zum Vortag, während der Dezember 2026 bei 338,50 US-ct/bu lag, ein Plus von 2,11 %. Die März- und Mai-2027-Positionen sind unverändert, werden aber über dem Nearby gehandelt, was auf eine moderate Carry-Struktur und Erwartungen einer ausreichenden Verfügbarkeit in der Vorwärtskurve hindeutet.
Umgerechnet bei etwa 1 EUR = 1,10 USD und 1 bu = 38,6 kg entspricht das September-2026-Futuresniveau rund 0,77 EUR/kg und damit einem deutlichen Aufschlag gegenüber den aktuellen physischen Futterwerten. Dies unterstreicht, wie lokales Überangebot und Qualitätsspreads die Kassapreise begrenzen, obwohl sich die Börsennotierungen erholen. Die Liquidität bleibt über den gesamten Streifen hinweg dünn, mit einstelligen Tagesumsätzen in den meisten weiter ausstehenden Kontrakten, was die Signalwirkung der fernliegenden Fälligkeiten einschränkt.
Angebot & Nachfrage
Terminkurve und jüngstes Preisverhalten deuten auf einen Markt hin, der kurzfristig ausreichend versorgt ist, gleichzeitig aber auf mögliche Engpässe später im Vermarktungsjahr achtet. Der positive Carry vom September 2026 in das Frühjahr 2027 spiegelt eine komfortable Verfügbarkeit in der Nähe wider, während die dennoch teureren späteren Fälligkeiten eher routinemäßige Lager- und Finanzierungskosten als akute Knappheit einpreisen. Die geringe offene Position in weit entfernten Kontrakten unterstreicht den begrenzten kommerziellen Absicherungshorizont bei Hafer im Vergleich zu den wichtigsten Getreidearten.
In Europa lasten saisonaler Erntedruck und eine gute Verfügbarkeit von Futtergetreide auf den physischen Haferpreisen. Deutsche EXW-Drentwede-Notierungen sind von 0,195 EUR/kg Ende Juli auf 0,188 EUR/kg Anfang August zurückgegangen, im Einklang mit der allgemeinen Schwäche im Futterkomplex. Ukrainische Angebote ab Odessa liegen mit 0,22 EUR/kg FCA weiterhin leicht höher, sind jedoch ebenfalls von 0,24 EUR/kg zurückgekommen, was auf eine komfortable regionale Versorgung und einen gewissen Wettbewerb um die Nachfrage zwischen EU- und Schwarzmeer-Herkünften hinweist.
Fundamentaldaten
Die Futureskurve von September 2026 bis Mitte 2028 ist leicht ansteigend, mit Preisen grob zwischen 335 und 356 US-ct/bu. Das Fehlen einer ausgeprägten Backwardation zeigt, dass der Markt kurzfristig keinen starken Mangel erwartet. Stattdessen deutet dies auf routinemäßige Lagerabsicherung und Risikoprämien für spätere Jahre hin, begrenzt durch die insgesamt geringe Liquidität, die für Hafer im Vergleich zu Weizen oder Mais typisch ist.
Die offene Position konzentriert sich auf die nahen 2026er- und frühen 2027er-Kontrakte, wobei der September 2026 rund 538 Lots und der Dezember 2026 etwa 2402 Lots hält. Die täglichen Umsätze sind in den meisten Monaten sehr niedrig, was Intraday-Bewegungen verstärkt, wenn neue kommerzielle Aufträge oder kleinere spekulative Ströme in den Markt kommen. Vor diesem Hintergrund wirkt der jüngste Anstieg der nahen Futures um 2–3 % eher wie eine technische Gegenbewegung von niedrigen Niveaus als der Beginn eines nachhaltigen Bullenmarktes, der von einem klaren fundamentalen Schock getrieben wird.
Wetter & Ernteausblick
Das Wetter in den wichtigsten Haferanbaugebieten in Nordamerika und Europa ist saisonal variabel, deutet aber auf Basis der derzeit verfügbaren Informationen noch nicht auf weit verbreitete Produktionsverluste hin. Nördliche Zonen wie die kanadischen Prärien und die nördlichen US Plains durchlaufen typische Spätmustersommer mit wechselnden Hochdrucklagen und Frontdurchgängen, die eine Mischung aus Wärmephasen und vereinzelten Schauern bringen. Kurzfristig ist keine einzelne, klar marktbewegende Anomalie erkennbar.
In Europa können lokale Trockenheit oder übermäßige Feuchtigkeit die Qualität und regionale Erträge beeinträchtigen, doch sind diese Effekte bislang nicht stark genug, um die globale Bilanz deutlich zu verändern. Mit fortschreitender Ernte werden präzisere Daten zu den tatsächlich erzielten Erträgen und Qualitäten verfügbar; derzeit spiegeln die Terminkurve und die regionalen Kassapreise jedoch weiterhin ein insgesamt komfortables, wenn nicht gar belastendes Angebotsumfeld für Futterhafer wider.
Handelsausblick (nächste 1–2 Wochen)
- Produzenten (EU): Bei deutschen EXW-Werten um 0,188 EUR/kg nach einem jüngsten Rückgang ist weiterer Abwärtsraum nicht auszuschließen, falls der Erntedruck anhält. In Betracht kommen gestaffelte Absicherungen über CBOT-Futures oder die Fixierung von Kassapreisen, wo die Logistik günstig ist, während ein Teil der Menge unbepreist bleibt, falls witterungsbedingte Rallys einsetzen.
- Futtereinkäufer: Die aktuellen deutschen und ukrainischen Angebote eröffnen die Chance, die nahe Bedarfsdeckung mit einem Abschlag gegenüber den Future-Äquivalenten zu sichern. Gestaffelte Käufe in den kommenden Wochen können das Preisrisiko gegenüber einem potenziellen Basistrend nach oben ausgleichen, falls sich die Futures weiter befestigen.
- Händler: Die große Lücke zwischen den durch CBOT-Futures implizierten Werten und den EU-Futterpreisen rückt Basis- und Lokationsspreads als Schlüsselchancen in den Fokus. Beobachtet werden sollten etwaige Wetter- oder Logistikstörungen, die diese Differenzen rasch verengen könnten, insbesondere im Zusammenhang mit Exporten aus dem Schwarzmeerraum.
3-tägige indikative Preisrichtung
- CBOT-Hafer (nahe Futures, EUR-Äquivalent): Leicht fester bis seitwärts; die jüngste Erholung könnte sich fortsetzen, ist jedoch durch die geringe Liquidität begrenzt.
- Deutschland, EXW Drentwede Futterhafer: Leicht abwärts- bis seitwärtsgerichtete Tendenz, da erntebedingtes Angebot weiter auf die Gebote drückt.
- Ukraine, FCA Odessa Futterhafer: Seitwärts bis leicht weicher, im Einklang mit der regionalen Futtergetreidestimmung und der Exportwettbewerbsfähigkeit.