Hafermarkt folgt Weizenrallye bei stabilen EU-Kassapreisen
CBOT-Haferfutures tendieren aufgrund von Schwarzmeer-Risiken fester, während Futterhaferpreise in Deutschland und der Ukraine stabil bleiben. Ausblick, Fundamentaldaten und Handelsideen in EUR.
Preise
Am 25. August 2026 wurde der CBOT-Haferfuture September 2026 zuletzt bei 327,00 US-ct/bu gehandelt, ein Plus von 1,47 % zum Vortag, während Dezember 2026 bei 346,50 US-ct/bu (+1,24 %) notierte. Weiter vorne waren die Positionen März–Juli 2027 bei sehr dünnem Umsatz leicht schwächer oder unverändert um 350–360 US-ct/bu, was darauf hindeutet, dass sich die aktuelle Stärke eher am vorderen Ende als in der längerfristigen Kurve konzentriert.
Umgerechnet in EUR handelt der nahe CBOT-Haferbenchmark bei rund 1,20 EUR/bu, ausgehend von etwa 1 EUR = 1,00 USD und 1 bu = 36,74 kg, was ca. 32,7 EUR/t auf Futuresebene impliziert. Demgegenüber werden physische Futterhaferpreise in Deutschland (EXW Drentwede) seit dem 21. August durchgängig mit 0,195 EUR/kg (195 EUR/t) angegeben, während ukrainischer Futterhafer FCA Odessa bei 0,190 EUR/kg (190 EUR/t) liegt. Trotz des jüngsten Anstiegs im Frontmonatfutures zeigen diese Kassanotierungen in der vergangenen Woche keine nennenswerte Veränderung.
Angebot & Nachfrage
Der breitere Getreidekomplex wird von Weizenschlagzeilen dominiert: Die Exportkapazität der Ukraine bleibt durch russische Angriffe im Schwarzen Meer eingeschränkt, obwohl Kiew meldet, dass weiterhin drei bis vier Schiffe pro Tag den Großraum Odessa anlaufen. Hoffnungen auf eine diplomatische Deeskalation haben Panik gedämpft, dennoch wird versucht, die Flüsse zu begrenzen, was die kurzfristigen Weizenpreise stützt und Hafer über Futterersatzeffekte indirekt untermauert.
In den USA liegen die Weizenexporte 2026/27 deutlich hinter dem Vorjahr zurück: Die wöchentlichen Ausfuhren für die Woche bis 20. August lagen 17 % unter der Vorwoche und 59 % unter dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Die kumulierten Exporte liegen 26 % unter der vorherigen Saison. Diese schwache Exportentwicklung in Verbindung mit der kleinsten US-Weizenernte seit Jahrzehnten und hohen Preisen veranlasst einige Futtermittelverwender, nach Alternativen wie Hafer und anderen Kleinkörnern zu suchen, doch der tatsächliche Wechsel erfolgt angesichts logistischer und formulierungstechnischer Zwänge nur schrittweise.
Fundamentaldaten & Wetter
Auf der Weizenseite erreichte der US-Sommererntefortschritt bis Sonntag 62 % und lag damit zehn Prozentpunkte über dem normalen Tempo, während 51 % der verbleibenden Bestände weiterhin mit gut bis ausgezeichnet bewertet werden. Dieser relativ solide Bestandszustand, selbst vor dem Hintergrund logistischer und geopolitischer Spannungen, begrenzt extreme Aufwärtsbewegungen im Getreidekomplex und verhindert, dass sich die Haferfundamentaldaten durch Nachfrageübertragung zu schnell verknappen.
Für Hafer selbst deuten die aktuellen europäischen Angebote auf eine ausreichende Verfügbarkeit sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine hin, ohne bisherige Anzeichen ausgeprägter witterungsbedingter Angebotsspannungen in wichtigen nordeuropäischen oder Schwarzmeer-Haferregionen. Solange keine klarere witterungsbedingte Herabstufung oder eine deutlich stärkere Eskalation der Störungen im Schwarzen Meer eintritt, erscheint die fundamentale Bilanz für Hafer weitgehend komfortabel, sodass sich die physischen Preise bis zu einem gewissen Grad von der kurzfristigen Futuresvolatilität abkoppeln können.
Kurzfristiger Ausblick & Handelsideen
- Futures: Da vordere CBOT-Haferkontrakte der Weizenrallye folgen, jedoch bei sehr geringem Volumen, sind weitere Gewinne kurzfristig möglich, falls die Spannungen im Schwarzen Meer anhalten; allerdings sprechen Liquiditätsrisiken und begrenzte fundamentale Enge für eine vorsichtige Positionierung.
- Physische Käufer: Europäische Futterverbraucher können Hafer weiterhin um 190–195 EUR/t absichern; eine gestaffelte Eindeckung für Q4 2026 ist empfehlenswert, da das Aufwärtsrisiko primär von externen Weizen- und Frachtschocks und weniger von haferspezifischen Engpässen ausgeht.
- Erzeuger: Angesichts stabiler Kassaangebote gegenüber volatileren Futures können weitere Futuresspitzen genutzt werden, um schrittweise moderate Hedges oder Basiskontrakte aufzubauen und so attraktive Margen zu sichern, ohne sich übermäßig festzulegen.
3‑Tage-Richtungstendenz Preis (EUR)
- CBOT-Haferfutures (Frontmonat, EUR-äquivalent): Leicht fester bis seitwärts, im Gleichlauf mit Weizen bei hoher Intraday-Volatilität.
- Deutschland Futterhafer EXW: Seitwärts um 195 EUR/t; kein unmittelbarer Auslöser für eine deutliche Bewegung in den nächsten drei Tagen.
- Ukraine Futterhafer FCA Odessa: Seitwärts nahe 190 EUR/t, allerdings bleibt das Schlagzeilenrisiko rund um Schwarzmeerlogistik ein Aufwärtsrisiko in der Randzone.