Hazelnussmarkt GE/TR: Leichte Preiskorrektur trotz knapper Türkei-Ernte

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Die FOB-Preise für türkische Haselnusskerne in Istanbul und FCA-Preise für georgische Ware in Warschau haben sich zur Woche bis 16. März 2026 leicht nach unten korrigiert, bleiben aber auf historisch erhöhtem Niveau. Der Markt verarbeitet weiterhin die knappe türkische Ernte 2025/26 nach Frostschäden sowie robuste Exportpreise aus alternativen Ursprungsländern wie Aserbaidschan und Georgien. Gleichzeitig dämpfen eine gewisse Nachfrageschwäche in Teilen Europas und laufende Lagerfreigaben aus der vergangenen Saison den unmittelbaren Aufwärtsdruck.

Trotz der aktuellen Wochenkorrektur bleibt das fundamentale Bild bullisch: Die Türkei, mit rund 65–70 % Weltmarktanteil, geht nach Frost, Trockenheit und Krankheiten in den vergangenen beiden Saisons mit reduzierten Ernten und erhöhten TMO-Mindestpreisen in die Vermarktung, was die globale Angebotsbasis verengt.  Parallel dazu haben Aserbaidschan und Georgien ihre Exporterlöse deutlich gesteigert, angetrieben von stark gestiegenen Durchschnittspreisen und wachsender Nachfrage europäischer Verarbeiter, die ihre Beschaffung diversifizieren.  Für die kommenden Tage bleibt das Wetter in den Schwarzmeer-Regionen überwiegend mild mit teils feuchteren Phasen, was das Risiko von Spätfrost momentan begrenzt, aber die Anfälligkeit für Krankheiten im Auge behalten lässt.  Insgesamt spricht die Kombination aus knapper türkischer Ernte, hohen Exportpreisen bei alternativen Ursprungsländern und einem strukturell starken Schokoladen- und Nusscreme-Sektor für eine weiterhin feste Grundtendenz, auch wenn kurzfristig technische Gewinnmitnahmen und saisonal ruhigerer Bedarf für Seitwärtsphasen sorgen dürften.

📈 Preise & Marktstruktur

Aktuelle Angebots-Preise (alle Werte in EUR/kg)

ID Ursprung Produkt Typ Ort / Term Preis 16.03.2026 (EUR/kg) Preis 11.03.2026 (EUR/kg) Wochenänderung % Sentiment
503 TR Haselnusskerne natur, 13–15 mm Istanbul, FOB 10,88 11,11 -2,1 % leicht schwächer
436 TR Haselnusskerne natur, 11–13 mm Istanbul, FOB 10,40 10,52 -1,1 % seitwärts/schwach
618 TR Haselnusskerne geröstet, Mehl Istanbul, FOB 8,00 8,15 -1,8 % nachgebend
617 TR Haselnusskerne geröstet, 2–4 mm Istanbul, FOB 9,00 9,15 -1,6 % nachgebend
1117 GE Haselnusskerne natur, 13–15 mm Warschau, FCA 11,85 11,95 -0,8 % stabil/leicht schwächer
1118 GE Haselnusskerne 15+ mm Warschau, FCA 12,05 12,15 -0,8 % stabil/leicht schwächer
1116 GE Haselnusskerne natur, 11–13 mm Warschau, FCA 11,55 11,65 -0,9 % stabil/leicht schwächer

Preisverlauf seit Februar 2026 (Auszug, EUR/kg)

Datum TR natur 13–15 mm FOB TR natur 11–13 mm FOB TR geröstet Mehl FOB GE natur 13–15 mm FCA
19.02.2026 11,04 10,45 8,80 12,05
23.02.2026 10,42 9,84 8,65 12,05
02.03.2026 10,49 9,90 8,15 11,95
11.03.2026 11,11 10,52 8,15 11,95
16.03.2026 10,88 10,40 8,00 11,85

Preisbewertung

  • Türkische natur Ware 13–15 mm FOB Istanbul liegt mit 10,88 EUR/kg knapp unter dem Wochenhoch, aber deutlich über dem Niveau von Ende Februar (10,42 EUR/kg), was auf eine volatile, aber grundsätzlich feste Tendenz hindeutet.
  • Georgische natur Ware 13–15 mm FCA Warschau notiert mit 11,85 EUR/kg rund 0,97 EUR/kg über vergleichbarer türkischer Ware, was eine Qualitäts- und Herkunftsprämie widerspiegelt.
  • Geröstete Produkte (Mehl, 2–4 mm) aus der Türkei handeln mit einem Abschlag von rund 1,9–2,9 EUR/kg gegenüber natur 13–15 mm und zeigen etwas stärkeren Druck, was auf preisbewusste Nachfrage der Verarbeiter schließen lässt.

🌍 Angebot & Nachfrage

Globale Angebotslage

  • Die Türkei bleibt mit etwa 65–70 % Anteil an der Weltproduktion der dominante Anbieter am Haselnussmarkt. 
  • Die Ernte 2025/26 in der Türkei fiel nach Frostereignissen und Trockenphasen deutlich schwächer aus; Branchenberichte sprechen von einem der schwersten Frostschäden seit Jahrzehnten in Ordu und Giresun. 
  • Parallel dazu verzeichnen Aserbaidschan und Georgien kräftige Zuwächse bei Exporterlösen, getrieben von höheren Durchschnittspreisen und der Suche europäischer Verarbeiter nach Alternativen zur Türkei. 

Nachfrage & Handelsströme

  • Die EU bleibt der wichtigste Absatzmarkt für türkische und georgische Haselnüsse; in Georgien gehen über 70 % der Exporte in die EU, mit Italien und Deutschland als Kernabnehmer. 
  • Türkische Exporte zeigten im Verlauf von 2024/25 zunächst ein Plus von rund 9 % gegenüber dem Vorjahr,  später jedoch einen Rückgang von ca. 26 % in 2025, was auf Nachfrageschwäche und hohe Preise hindeutet. 
  • Großabnehmer wie Ferrero, die schätzungsweise rund ein Viertel der weltweiten Haselnussproduktion verarbeiten, haben ihre Beschaffung stärker diversifiziert und verstärkt auf Aserbaidschan, Georgien und weitere Ursprünge ausgeweitet. 

📊 Fundamentale Marktdaten

Produktion & Bestände (Auswahl, 2024/25 Schätzungen)

Land Produktion 2024/25 (Tonnen, geschätzt) Kommentar
Türkei ~500.000–550.000* Spanne gemäß Branchenquellen nach Frostereignis; deutlich unter potenzieller Normalernte. 
Italien ~95.000 Stabile bis leicht steigende Produktion, aber deutlich kleiner als Türkei. 
Georgien ~15.750 Kleiner, aber wachsender Exporteur mit Fokus auf EU-Märkte. 
Aserbaidschan n/a (Export: 18.700 t Kerne 2025) Exportwert 2025 um ~34 % gestiegen, Durchschnittspreise +39 %. 

*Spanne aus Industrieberichten; offizielle Schätzungen variieren.

Politik & Regulatorik

  • Die türkische Getreidebehörde TMO hat für 2025/26 Mindestankaufspreise von rund 190–200 TRY/kg für in der Schale befindliche Haselnüsse gesetzt, was umgerechnet etwa 4,7–4,9 USD/kg entspricht und deutlich über Vorjahresniveaus liegt. 
  • Diese hohen Mindestpreise stützen das internationale Preisniveau für Kerne, da sie als Untergrenze für Produzentenverkäufe dienen.
  • EU-Regelungen zu Entwaldung und Nachhaltigkeit erhöhen mittelfristig die Anforderungen an Lieferketten, könnten kurzfristig aber zu Umschichtungen der Herkunftsländer führen, je nach Zertifizierungsstatus. 

🌦 Wetter & Ernteausblick (Regionen TR & GE)

Türkei (Schwarzmeerregion: Ordu, Giresun, Trabzon)

  • Rückblick: In der Saison 2025 führten Spätfröste und Trockenheit in den Schwarzmeerprovinzen zu massiven Ertragseinbußen und einer der schwächsten Ernten der letzten Jahrzehnte. 
  • Aktuelles Wetter: Laut jüngsten Wetter- und Agrarbulletins lagen die Temperaturen im Februar 2026 über dem langjährigen Mittel, begleitet von zeitweilig feuchteren Phasen. 
  • Risiko: Die Kombination aus vorzeitigem Vegetationsbeginn und möglichem Kaltlufteinbruch im März/April erhöht das Spätfrost-Risiko, auch wenn aktuell kein extremes Ereignis gemeldet wird.

Georgien (Westliche Regionen: Samegrelo, Guria, Adscharien)

  • Die georgischen Haselnussregionen profitierten in 2025 von vergleichsweise stabilen Witterungsbedingungen, auch wenn es lokal zu Trockenstress kam. 
  • Für März 2026 deuten regionale Prognosen auf milde Temperaturen und zeitweilige Niederschläge hin, was die Bodenfeuchte stabil hält, aber Pilzkrankheiten begünstigen kann. 
  • In Summe bleibt der Ernteausblick für 2026 in Georgien verhalten positiv, mit Fokus auf Qualitätsmanagement (Schädlings- und Krankheitskontrolle), um die in den letzten Jahren erreichten Exportzuwächse zu sichern. 

📉 Marktstimmung & Handelsaktivität

  • Die leichte Wochenkorrektur bei türkischen und georgischen Angeboten deutet auf kurzfristige Gewinnmitnahmen und eine gewisse Zurückhaltung der Käufer nach den starken Preisanstiegen 2024/25 hin.
  • Gleichzeitig signalisieren Berichte aus der Industrie, dass die Verarbeiter angesichts knapper türkischer Ernte und hoher TMO-Preise weiterhin zum Decken von Vorwärtsbedarf gezwungen sind, insbesondere im Schokoladen- und Nusscreme-Segment. 
  • Alternative Ursprungsländer wie Aserbaidschan konnten ihre Exportpreise deutlich anheben, was die Möglichkeit günstiger Substitution begrenzt und die Preisuntergrenze am Weltmarkt anhebt. 

📆 Kurzfristiger Preis-Ausblick (3 Tage)

Region TR – Istanbul, FOB (natur Kerne)

  • Ausgangsniveau: 10,88 EUR/kg (13–15 mm), 10,40 EUR/kg (11–13 mm) am 16.03.2026.
  • Nächste 3 Tage: Erwartet wird eine Seitwärtsbewegung in einer Spanne von ±0,05–0,10 EUR/kg, da keine neuen fundamentalen Impulse (z.B. TMO-Politik oder massive Wettermeldungen) vorliegen.
  • Spanne-Prognose: 10,80–10,95 EUR/kg (13–15 mm) und 10,30–10,45 EUR/kg (11–13 mm) bei ruhigem Handel.

Region GE – Warschau, FCA (georgische Kerne)

  • Ausgangsniveau: 11,85 EUR/kg (13–15 mm), 11,55 EUR/kg (11–13 mm), 12,05 EUR/kg (15+ mm) am 16.03.2026.
  • Nächste 3 Tage: Ebenfalls überwiegend seitwärts, da die Nachfrage aus EU-Industriekunden stabil ist und keine abrupten Wechselkurs- oder Logistikschocks sichtbar sind.
  • Spanne-Prognose: 11,80–11,95 EUR/kg (13–15 mm) und 11,50–11,60 EUR/kg (11–13 mm); Premiumgrößen 15+ mm voraussichtlich 12,00–12,10 EUR/kg.

📌 Handlungsempfehlungen (Preis-getrieben)

  • Industriekäufer (Schokolade, Nusscremes, Backwaren): Kurzfristige Rücksetzer im Bereich von 1–2 % können genutzt werden, um Teilmengen für Q2/Q3 2026 zu sichern, insbesondere für Premiumgrößen aus Georgien, bevor potenzielle Wettereinflüsse im Frühjahr erneut Volatilität auslösen.
  • Händler/Im- und Exporteure: Bei türkischer Ware spricht die Kombination aus hoher TMO-Preisuntergrenze und knapper Ernte gegen aggressives Unterbieten; Spreads zwischen TR und GE sollten aktiv beobachtet und bei Ausweitung (>1,5 EUR/kg) für Arbitrage genutzt werden.
  • Produzenten in TR und GE: Angesichts der strukturell festen Nachfrage und der Diversifizierung der Beschaffung empfiehlt sich ein gestaffelter Verkauf (Teilabsicherungen), um an möglichen weiteren Preisspitzen zu partizipieren, ohne das Risiko eines stärkeren Rücksetzers ungesichert zu tragen.